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Studie

Kniearthrose: Gewichtsreduktion als Alternative zur Knie-TEP?

Eine aktuelle randomisierte Studie untersuchte, ob ein intensives Gewichtsreduktionsprogramm bei adipösen Menschen mit schwerer Gonarthrose zu einer vergleichbaren Symptomverbesserung wie ein Kniegelenkersatz führen kann.


08.09.2026
L. Abraham
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Gewichtsreduktion gehört bei Gonarthrose und Adipositas zu den empfohlenen Behandlungsstrategien. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann jedoch eine Kniearthroplastik erforderlich werden; zugleich ist Adipositas mit erhöhten peri- und postoperativen Komplikations- und Revisionsraten verbunden. Wie sich eine intensive Gewichtsintervention im Vergleich zu einem Gelenkersatz auswirkt, untersuchte ein Team um Marius Henriksen vom Parker Institute am Copenhagen University Hospital Bispebjerg Frederiksberg und der Universität Kopenhagen. Die im Juli 2026 in Osteoarthritis and Cartilage veröffentlichte INKA-Studie ist nach Angaben der Autoren die erste randomisierte Studie, die beide Strategien bei bereits bestehender Indikation zur Kniearthroplastik gegenüberstellt.

Zwei Strategien im Direktvergleich

Die pragmatische, randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie schloss Erwachsene mit einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30 kg/m² und Gonarthrose ein, die für eine Kniearthroplastik geeignet waren. Von ursprünglich 200 geplanten Teilnehmenden wurden 92 randomisiert: 45 in die Gewichtsinterventions- und 47 in die Arthro­plastikgruppe. Das Durchschnittsalter lag bei 67,5 Jahren, der mittlere BMI bei 36,9 kg/m². Bei 58 % bestand eine Go­narthrose Grad 4 nach Kellgren-Lawrence.

Nach einer zwölfwöchigen Warte­phase absolvierte die Interventionsgruppe ein zwölfwöchiges, ernährungsfachlich begleitetes Gewichtsreduktionsprogramm mit kalorienarmer Mahlzeitenersatzdiät sowie wöchentlichen Gruppenangeboten mit verhaltensbezogenen und edukativen Elementen. Die Vergleichsgruppe erhielt eine Kniearthroplastik. Primärer Endpunkt waren Knieschmerz und Funktion nach sechs Monaten, erfasst mit dem Oxford Knee
Score (OKS; 0–48 Punkte, höhere Werte entsprechen weniger Beschwerden und besserer Funktion).

Kniearthroplastik mit größerem Effekt

Beide Behandlungsstrategien verbesserten die Kniebeschwerden, die Arthroplastik erzielte jedoch den größeren Effekt. Nach sechs Monaten betrug die adjustierte Differenz beim OKS 8,2 Punkte zugunsten der Operation. Die vorab definierte Nichtunterlegenheitsgrenze lag bei vier Punkten. Damit konnte eine Nichtunterlegenheit der Gewichtsintervention nicht gezeigt werden; nach Einschätzung der Autoren war sie hinsichtlich der patientenberichteten Verbesserung von Schmerz und Funktion sowohl statistisch als auch klinisch unterlegen. Auch sämtliche weitere patientenberichtete Endpunkte fielen nach sechs Monaten zugunsten der Arthroplastik aus.

Bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund des tatsächlich erzielten Gewichtsverlusts. Die Intervention führte nach sechs Monaten zu einer mittleren Reduktion des Körpergewichts um 10,3 %. Fast die Hälfte der Teilnehmenden verlor mindestens 10 % ihres Ausgangsgewichts. Nach zwölf Monaten hatte sich der Abstand beim OKS zwar verringert, weil sich die Gewichtsgruppe weiter verbesserte. Mit einer adjustierten Differenz von 6,3 Punkten blieb der Vorteil der Arthroplastik jedoch bestehen. Dieses Muster zeigte sich auch bei den weiteren patientenberichteten Endpunkten.

 

Studienergebnisse nach 6 Monaten

Nach 6 MonatenIntensive GewichtsreduktionKniearthroplastik
Oxford Knee Score (OKS)128,2 Punkte36,5 Punkte
Gewichtsveränderung−11,0 kg (−10,3 %)−1,3 kg (−1,2 %)

49 % der Teilnehmenden der Gewichtsgruppe erreichten einen Gewichtsverlust von mindestens 10 %.

¹OKS: 0–48 Punkte; höhere Werte entsprechen weniger Knieschmerzen und besserer Funktion. Differenz: 8,2 Punkte zugunsten der Arthroplastik (95%-KI 5,0–11,5)

 

Einordnung der Ergebnisse

Explorative Subgruppenanalysen deuteten auf einen größeren Vorteil der Arthroplastik bei einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 kg/m² hin; das Ausmaß der Gewichtsreduktion unterschied sich zwischen den BMI-Subgruppen dagegen nicht. Aufgrund des explorativen Charakters und der kleinen Stichprobe sind diese Ergebnisse zurückhaltend zu interpretieren. Die Gesamtinzidenz unerwünschter Ereignisse war zwischen den Behandlungsgruppen vergleichbar.

Eine wesentliche Limitation ist die geringer als geplant ausgefallene Stichprobe: Von 888 gescreenten Personen wurden 92 randomisiert, vorgesehen waren 200. Das 95%-Konfidenzintervall des primären Endpunkts schloss die festgelegte Nichtunterlegenheitsgrenze dennoch aus.

Bedeutung für die Praxis

Für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Adipositas und schwerer Gonarthrose liefert die INKA-Studie damit wichtige Anhaltspunkte. Eine intensive Gewichtsintervention führte auch in diesem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium zu einer deutlichen Gewichtsabnahme und einer Besserung der Kniebeschwerden, erreichte hinsichtlich Schmerz und Funktion jedoch nicht die Ergebnisse der Kniearthroplastik.

Entscheidend ist die Abgrenzung der Studienpopulation: Die Ergebnisse beziehen sich auf Menschen mit Adipositas und schwerer, operationsbedürftiger Gonarthrose und lassen sich nicht ohne Weiteres auf frühere Erkrankungsstadien übertragen.




Henriksen M, Christensen R, Poulsen AS, et al. Intensive diet or knee arthroplasty for severe knee osteoarthritis: The INKA randomised trial. Osteoarthritis Cartilage. 2026;34. DOI:10.1016/j.joca.2026.07.004.

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