Diskussion auf der KoPra 2026 zu Adipositas und Hauterkrankungen
Adipositas ist als chronisch fortschreitende Krankheit aufgrund der Vielzahl an Folge- und Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine enorme Herausforderung für Patientinnen und Patienten, Behandler und das Gesundheitssystem. Adipositas und Hauterkrankungen sind häufig und können einander bedingen.
„Für chronisch entzündliche Systemerkrankungen wie die Psoriasis besteht ein hohes Risiko für die Entwicklung von Komorbidität wie beispielsweise das metabolische Syndrom“, sagt Prof. Mathias Blüher vom Helmholtz-Institut für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung (HI-MAG). Umgekehrt stellt es auch einen Risikofaktor für die Entstehung einer Schuppenflechte dar. „Das Bindeglied zwischen der Stoffwechselerkrankung Adipositas und Dermatosen wie Psoriasis könnte Entzündung sein“, sagt Blüher, der als Professor an der Universität Leipzig lehrt.
Die genauen Mechanismen, die für den Zusammenhang zwischen starkem Übergewicht und einem erhöhten Risiko für immunvermittelte Hauterkrankungen verantwortlich sind, kennen die Forschenden noch nicht. „Vermutet wird, dass überschüssiges Fettgewebe proinflammatorische Mechanismen auslöst, die die Entwicklung von Hautkrankheiten beeinflussen“, so Blüher. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass Adipokine aus dem Fettgewebe wie Leptin, Adiponektin, Interleukin-6 (IL-6), Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und Plasminogenaktivator-Inhibitor (PAI-1) die Hauptdeterminanten der durch Adipositas bedingten Entzündung sind. „Die Serum-Leptinspiegel sind bei Menschen mit Adipositas erhöht, und Leptin könnte einer der Faktoren sein, der Adipositas und Psoriasis verbinden“, sagt Blüher.
Durch Gewichtsreduktion die Behandlung unterstützen
Für die Therapie chronisch entzündlicher Hauterkrankungen bei Menschen mit sehr hohem Körpergewicht stellt sich daher die Frage, ob das hohe Gewicht und die im Fettgewebe ablaufenden Entzündungsprozesse Erfolg der Therapie beeinflussen. „Da liegt natürlich der Gedanke nah, durch eine Gewichtsreduktion diese Behandlungen positiv zu unterstützen. Wir wissen aber aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass eine Reduzierung des Gewichtes bei starker Adipositas nicht einfach ist“, gibt Blüher zu bedenken.
Die konservativen Maßnahmen der Adipositastherapie bleiben wichtig. Sie erzielen jedoch nur einen Gewichtsverlust von drei bis fünf Prozent. Der Experte betont, dass moderne Medikamente daher eine wichtige Säule für einen langfristigen Erfolg sind. „Mit den Inkretinmimetika, auch als ‚Abnehmspritze‘ bekannt, hat sich die Behandlung der Adipositas ganz grundsätzlich verändert“, konstatiert Blüher. Es kommt zu einem signifikanten Gewichtsverlust von zum Teil mehr als 20%. „Die neuen pharmakologischen Entwicklungen sind Meilensteine in der Therapie der Adipositas. Wissen muss man aber auch, dass der erzielte Gewichtsverlust oft nicht von Dauer ist, wenn die Therapie abgesetzt wird“, ergänzt Blüher.
Bei Patientinnen und Patienten, bei denen beispielsweise eine antientzündliche Biologika-Therapie der Psoriasis von einer gleichzeitigen Gewichtsreduzierung begleitet wird, ist der Effekt der Behandlung mit den Antikörpern besser.