Zitierweise: HAUT 2019;30(6):304-307
Praxisoptimierung ist das Gebot der Stunde für den Inhaber einer dermatologischen Praxis. Zunächst stellt sich die Frage: Wann verdient der Dermatologe Geld mit seiner Praxis? Sowohl bei Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen als auch bei Selbstzahlerleistungen ist es erforderlich, den Aufwand und den Ertrag der einzelnen Leistungen zu kennen und sich gegebenenfalls von unrentablen Leistungen zu verabschieden. Dies kann im Einzelfall schwierig sein und dem Selbstverständnis des Arztes als Helfer zuwiderlaufen. Trotzdem ist der Praxisinhaber heutzutage zur einen Hälfte Arzt und zur anderen Hälfte Unternehmer. Als erfolgreicher Unternehmer hat er grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Rentabilität seines Unternehmens zu erhöhen. Einerseits können möglicherweise die Einnahmen erhöht werden, andererseits können die Kosten gesenkt werden.
Abläufe optimieren spart Personal und steigert die Rentabilität
Die Personalkosten sind mit bis zu dreißig Prozent der absolut größte Kostenblock im Unternehmen dermatologische Praxis. Daher ist das Einsparen von Personal bei gleichem Leistungsumfang eine der erfolgversprechendsten Möglichkeiten, die Rentabilität zu steigern. Eine Analyse der Kostenstruktur der dermatologischen Einzelpraxis zeigt deutlich, dass die Kosten für Personal in den vergangenen drei Jahren gestiegen sind und im gleichen Umfang die Rentabilität der Praxen gesunken ist. So sind die Personalkosten von 26,5 Prozent im Jahre 2016 auf 27,9 Prozent im Jahre 2018 gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Rentabilität der dermatologischen Einzelpraxis von 48,7 Prozent auf 47,5 Prozent gesunken.
Aus der Not heraus, geeignetes Personal in der „Boom-Region“ München zu finden, haben wir durch Optimierung des Praxisalltags die Kosten für Personal auf 18,9 Prozent reduzieren und damit die Rentabilität auf 57,3 Prozent erhöhen können. Geringere Personalkosten führen also nahezu zwangsläufig zu einer besseren Rentabilität.
Personalkosten: mehr als nur das Gehalt
Ganz ohne Personal geht es (noch) nicht. Deshalb ist Vorsicht bei der Kalkulation der Personalkosten geboten. Bei einer medizinischen Fachangestellten mit einem Bruttogehalt von 2.800 Euro betragen die Arbeitgeberkosten zur Sozialversicherung derzeit monatlich 577,78 Euro. Dies entspricht knapp 21 Prozent zusätzlich. Zu den Lohnkosten kommen noch weitere Ausgaben für das Personal hinzu, etwa eine betriebliche Altersvorsorge, Essens- und Fahrtkostenzuschüsse, Kosten für Stellenanzeigen, Betriebsveranstaltungen, Beiträge zur Berufsgenossenschaft und gesetzliche Pflichtuntersuchungen. So können die Personalkosten bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.
Automat statt Schalter mit Personal
Bereits heute gibt es viele Beispiele, wie in der Wirtschaft und im öffentlichen Leben Personal eingespart wird: das selbständige Einchecken und Aufgeben des Gepäcks an Flughäfen, das selbständige Bestellen und Bezahlen in Schnellgaststätten, das selbständige Tanken und Bezahlen an personalfreien Tankstellen. Auch in der Bankenbranche sind Ein- und Auszahlungen zunehmend nur noch an Automaten möglich.
Keine Angst vor Technik
Wo kann man in der dermatologischen Praxis einsparen? Der größte Ressourcen-Fresser ist die Telefonie. Es führt daher kein Weg an der Online-Terminvergabe vorbei. Ob dies über ein Online-Terminportal oder über die eigene Praxissoftware laufen soll, muss jeder Praxisinhaber selbst entscheiden. Zu berücksichtigen sind die Kosten für Online-Terminportale, aber auch rechtliche Aspekte (Telemediengesetz, Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)).
Auch im Bereich der Anmeldung gibt es bereits die Möglichkeit, Personalzeit einzusparen. So hat eine EDV-Firma eine interaktive Rechneranlage für den (halb-) öffentlichen Raum der Praxis (Kiosksystem) entwickelt, womit sich der Patient in der Praxis selbst anmelden kann. Die Benutzeroberfläche ist leicht zugänglich, schnell erfassbar und intuitiv bedienbar. Mag dies auch noch etwas futuristisch erscheinen: Auch hier ist der Ansatz, Personal einzusparen, die entscheidende Motivation für die Entwicklung solcher technischen Lösungen. Häufig kommt als Gegenargument, dass ältere Patienten nicht in der Lage seien, solche technischen Innovationen anzuwenden. Dies ist sicher nicht von der Hand zu weisen. Aber die ältere Generation lernt ebenfalls dazu und meist findet sich auch ein „digital native“-Enkel, der den Online-Termin oder die Anmeldung am Anmeldeterminal übernehmen kann.
Effizientere Lösungen beim Material
Weitere Möglichkeiten, im Praxisalltag Personalzeit einzusparen, sind das Verwenden eines Saugroboters, um die Praxis in der Mittagszeit zu reinigen, standardisierte Pricktestlösungen ohne Schraubverschlüsse, vorgefertigte Epikutantestreihen sowie Kühl- oder Absauggeräte mit speziellen Halterungen, die eine Assistenz bei Laserbehandlungen überflüssig machen.
Ein ganz wesentlicher Personalzeitfresser in der dermatologische Praxis ist das Sterilisieren von medizinischen Instrumenten – ganz abgesehen von den haftungsrechtlichen Problemen und Gefahren beim selbst durchgeführten Aufbereiten und Sterilisieren. Der technische und personelle Zeitaufwand ist gigantisch. Hier kann der Umstieg auf Einmalprodukte sehr große Einsparungen ermöglichen. Auch darf man den Verbrauch von Strom, Wasser und Verpackungsmaterial bei der Aufbereitung nicht außer Acht lassen: Das Verwenden von Einmalprodukten kann umweltverträglicher sein.
Eine Praxis muss keine Klinik sein
In vielen Regionen Deutschlands ist es zunehmend schwierig, geeignetes medizinisches Assistenzpersonal zu finden. Auf dem Unternehmen dermatologische Praxis lastet ein verstärkter Kostendruck, insbesondere durch die Lohn- und Lohnnebenkosten. Daher müssen Praxisinhaber heutzutage zwingend über Möglichkeiten nachdenken, Personal einzusparen, und gegebenenfalls handeln. Ein Blick ins Ausland zeigt: Es ist durchaus nicht üblich, dass ein Dermatologe so viel Personal vorhält wie eine kleine dermatologische Abteilung eines Krankenhauses. Hier sind sicher neue Formen der Versorgung zu überlegen, etwa die zeitlich beschränkte Mitarbeit von Assistenzpersonal beim OP-Programm an bestimmten Tagen oder das Belegen von OP-Zeiten in OP-Zentren.
Fazit
Weniger Personal bedeutet im Unternehmen dermatologische Praxis eine massive Absenkung der Betriebskosten und damit verbunden eine Erhöhung der Rentabilität. Möglicherweise können Fehler durch menschliches Versagen und damit vielleicht juristische Auseinandersetzungen oder schlechte Bewertungen in sozialen Netzwerken reduziert werden. Dadurch kann sich die Work-Life-Balance der Dermatologen deutlich verbessern.