ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(3): 101
Tritt jedoch das typische Symptom Erythema migrans in der Umgebung des Zeckenstiches auf, soll auch ohne Blutuntersuchung oder bei noch fehlendem Antikörpernachweis im Blut bereits eine Antibiotikabehandlung vorzugsweise mit Doxycyclin (bei Kindern erst ab dem 9. Lebensjahr) oder mit Amoxicillin durchgeführt werden. Dadurch können andere Organmanifestationen und Spätschäden verhindert werden. Die Leitlinie wurde unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) erarbeitet.
Kutane Lyme Borreliose: Nur wenige erkranken schwer
Die Lyme Borreliose ist eine entzündliche Multisystemerkrankung, deren bakterieller Erreger Borrelia burgdorferi durch Zecken übertragen wird. Bisher publizierte Daten in Deutschland lassen auf 60.000 bis etwa 200.000 Erkrankungen pro Jahr schließen. „Entweder werden die Borrelien sofort durch das körpereigene Immunsystem abgetötet oder es kommt zu einer lokalen Infektion“, erklärt Prof. Heidelore Hofmann, München, Koordinatorin der Leitliniengruppe. „Aber nur ein kleiner Teil der Infizierten erkrankt schwer.“ Typischerweise kommt es drei bis 30 Tage nach dem Zeckenstich zu einem Erythema migrans. „Es ist wichtig, die Einstichstelle bis zu sechs Wochen zu beobachten und die Hautmanifestation richtig zu deuten“, betont Hofmann.
Der Durchmesser des Erythems beträgt mindestens 5 cm. Es ist randbetont, nicht erhaben, nicht überwärmt und breitet sich zentrifugal um den Zeckenstich herum aus. Im Zentrum des Erythems ist die Zeckeneinstichstelle sichtbar. „Es gibt allerdings auch ein atypisches Erythema migrans, das all diese Anzeichen nicht hat.“ Begleitend können bei einer Borrelien-Infektion auch grippeähnliche Beschwerden auftreten. Wenn sich die Borrelien im Körper ausbreiten, können sie verschiedene Organe befallen. Vor allem sind die Haut, die Gelenke sowie das Nervensystem betroffen. Auch nach Monaten bis zu Jahren nach der Infektion können Spätmanifestationen (Acrodermatitis chronica atrophicans, Lyme-Arthritis, späte Neuroborreliose) auftreten.
Die aktualisierte Leitlinie bestätigt in Bezug auf die Diagnostik die bestehende Vorgehensweise: Labordiagnostik mit serologischen Methoden, die sich auf spezifische Antikörper im Blut gegen die Borreliose-Erreger konzentrieren. Die Stufendiagnostik mit Suchtest und einem Immunoblot als Bestätigungstest bleibt ebenfalls gültig. Dr. Volker Fingerle, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und Koordinator der Leitlinie, merkt dazu an: „Serologische Untersuchungen auf Borreliose, also das Aufspüren von Antikörpern im Blutserum, sollen nur bei begründetem klinischem Verdacht veranlasst werden. Es müssen immer die klinischen Befunde und subjektiven Beschwerden der Patientin oder des Patienten mitberücksichtigt werden.“
Bessere Früherkennung vorhanden
In Auswertung der aktuellen Literatur für die Leitlinie haben sich keine wesentlichen neuen Therapieänderungen ergeben. Zentral bleibt eine frühzeitige antibiotische Therapie, um andere Organmanifestationen und Spätschäden an Gelenken und Nervensystem zu verhindern. „Im Frühstadium ist die Lyme Borreliose durch die leitliniengerechte Antibiotikatherapie vollständig heilbar. Dadurch werden Spätmanifestationen verhindert“, betont Hofmann. Die Cochrane Netzwerkanalyse zur Therapie des Erythema migrans hat gezeigt, dass neben Doxycyclin und Amoxicillin auch Penicillin V oral eine gleichwertig gute Wirksamkeit hat. Eine slowenische Analyse der Patienten mit Acrodermatitis chronica atrophicans in den letzten 30 Jahren hat ergeben, dass die Häufigkeit konstitutioneller Symptome und Atrophie abnimmt, wahrscheinlich durch die bessere Früherkennung. Besteht der Verdacht, dass die Person durch ihren Beruf an Lyme Borreliose erkrankte, muss der behandelnde Arzt dies dem Unfallversicherungsträger anzeigen.
Die aktualisierte S2k-Leitlinie „Kutane Lyme Borreliose“ ist zu finden unter https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-044
Quelle: DGG