Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Leitlinien, Urologie Urologie Urologie
S2k-Leitlinie

Leitlinien-Update zur Diagnostik von Nierenerkrankungen: Fragen an die Koordinatorin

Die Aktualisierung der Leitlinie Diagnostik von Nierenerkrankungen (S2k) ist in vollem Gange. Mitkoordinatorin Prof. Dr. Helga Frank, ANregiomed Klinikum Ansbach, erklärt im Interview, in welchem Stadium sich die Aktualisierung befindet – und ob sich ein Paradigmenwechsel im medizinischen Verständnis anbahnt.


03.06.2026
J. Aldinger
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Die S2k-Leitlinie „Rationelle Labordiagnostik zur Abklärung akuter Nierenschädigungen und progredienter Nierenerkrankungen“ (Stand 2021) war gültig bis Mitte April dieses Jahres. Deren Überarbeitung ist deshalb bereits in vollem Gange.

Wir sprechen im Interview mit der Mitkoordinatorin Prof. Dr. Helga Frank, ANregiomed Klinikum Ansbach, über den Stand der Aktualisierung der Leitlinei Nierenerkrankungen.



Im Interview

Prof. Dr. med. Helga Frank

ANregiomed Klinikum Ansbach, Nephrologie und Dialyse
Helga.Frank@tum.de

Interview zur Aktualisierung der Leitlinie Diagnostik von Nierenerkrankungen

Frau Prof. Frank, in welchem Stadium befindet sich die Überarbeitung der Leitlinie Diagnostik von Nierenerkrankungen momentan?

Prof. Frank: Die interdisziplinäre AWMF-S2k-Leitlinie zum Thema „rationelle Labordiagnostik zur Abklärung akuter Nierenschädigungen und chronisch progredienter Nierenerkrankungen“ liefert systematische labordiagnostische Empfehlungen zur Abklärung von Nierenkrankheiten. Die Leitlinie gilt sowohl für die Diagnostik im ambulanten als auch im stationären Bereich erwachsener Patienten. Wichtig ist, dass eine systematische, patientenorientierte Herangehensweise empfohlen wird. D. h. ausgehend von einem klinischen Leitsymptom, wie eingeschränkte glomeruläre Filtrationsrate, Proteinurie oder Hämaturie, wird eine rationelle, stufenweise erweiterte laborchemische Diagnostik dargestellt. Diagnostische Pfade (Algorithmen), die unter Berücksichtigung der medizinischen Evidenz erarbeitet wurden, erlauben eine frühzeitige Diagnosestellung von akuten und chronischen Nierenkrankheiten und ermöglichen eine Differenzierung der Ursache.

Die Stärke der Leitlinie ist die Interdisziplinarität mit Fokus auf alle Gebiete der Inneren Medizin, der Nephrologie, der Urologie, der hausärztlichen Versorgung und verwandter Fachgebiete. Auch gesundheitsökonomische Fragen werden damit adressiert.

Die Aktualisierung der Leitlinie ist von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) genehmigt. In enger Abstimmung mit der AWMF sind wir derzeit damit befasst, unter Einbindung der beiden federführenden Fachgesellschaften, der Deutschen Gesellschaft für klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) sowie der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), die Koordination sowohl formal als auch organisatorisch auszurichten und Vertreter weiterer beteiligter Fachgesellschaften, wie der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), als Experten und Co-Autoren einzubeziehen. Zusätzlich konnten wir ausgewiesene Spezialisten auf dem Gebiet der klinischen Nephrologie, der Nephro-Genetik und der Nephro-Pharmakologie gewinnen. In Zusammenarbeit mit den Vertretern dieser Fachgesellschaften prüfen wir derzeit die Themen und Inhalte der einzelnen Kapitel auf Aktualität.

Nierenerkrankungen werden zunehmend als heterogene, früh detektierbare und teilweise reversibel beeinflussbare Erkrankungen verstanden. Inwiefern könnte man hier sogar von einem Paradigmenwechsel in der Einordnung und Therapie von Nierenerkrankungen sprechen?

Prof. Frank: Sowohl akute (AKD) als auch chronische Nierenkrankheiten (CKD) sind in ihrer pathophysiologischen Entstehung und deren funktionellen und strukturellen Besonderheiten als auch hinsichtlich der Prognose schon immer als heterogen zu bewerten. Eine möglichst genaue Klärung der Ursache sowohl bei AKD als auch bei CKD ist daher die Basis für eine effektive und möglichst spezifische Therapie, um ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz und Dialysepflichtigkeit zu vermeiden, mindestens aber diese herauszuzögern.

Auch hinsichtlich der weiteren Vorgehensweise – wie klinisches Monitoring, laborchemische Verlaufskontrollen, Einsatz assoziierter Diagnostik bis hin zu genetischer Testung betroffener Familien und Begleitung bei Familienplanung und Kinderwunsch – ist eine möglichst genaue Diagnosestellung von großer Bedeutung.

In den letzten Jahren haben sich durch die Entwicklung moderner Sub­stanzen sowohl hinsichtlich immunologischer Angriffspunkte als auch des Einsatzes von SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten gute Möglichkeiten einer effektiven Behandlung von akuten und chronischen Nierenerkrankungen ergeben. Diese guten Therapiemöglichkeiten verschiedener Nierenerkrankungen können als Wechsel eines früheren „Paradigmas“ mit der ehemaligen Auffassung einer eingeschränkten Behandelbarkeit von chronischen Nierenerkrankungen betrachtet werden.

Gibt es besondere Schwerpunkte, die es in die aktualisierte Leitlinie schaffen werden und auf die Sie vielleicht gesondert hinweisen möchten?

Prof. Frank: Alle Themen werden sorgfältig von den jeweiligen Autoren bearbeitet und hinsichtlich Aktualität geprüft und entsprechend bearbeitet, sowohl in Bezug auf die verfügbare aktuelle Literatur, dem Einsatz der Methoden, der Machbarkeit und gesundheitsökonomischer Aspekte. Wichtige Themen betreffen die immunologische Diagnostik, die genetische Testung, die ungebrochene Bedeutung der Urin­analyse hinsichtlich Proteinurie- und Hämaturie-Diagnostik sowie moderne
Aspekte der Biomarker.

Vielen Dank für das Gespräch!

Leitlinie (gültig bis 18.04.2026):

https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/115-001 

Autor