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vasomed 5/25

Lymphatische Malformationen: Neue chirurgische Therapiekonzepte

Lymphatische Malformationen (LM) stellen eine komplexe Subgruppe kongenitaler vaskulärer Fehlbildungen dar, die durch eine Entwicklungsstörung des Lymphgefäßsystems entstehen und mit Malformationen anderer Gefäße kombiniert sein können. Klinisch manifestieren sie sich meist bereits im Kindesalter. 


05.09.2025
J. Roka-Palkovits
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Makrozystische, mikrozystische oder kombinierte Verlaufsformen unterscheiden sich wesentlich in Symptomatik, Therapieansprechen und chirurgischer Zugänglichkeit. Neue chirurgische Konzepte setzen daher verstärkt auf kombinierte, funktionserhaltende und rekonstruktive Verfahren, eingebettet in ein interdisziplinäres Therapiekonzept.

Lymphatische Malformationen: Diagnostik und Bildgebung als Grundlage

Eine präzise morphologisch-funktionelle Diagnostik mittels Magnetresonanztomographie (MRT), hochauflösender Sonographie und ggf. Lymphszintigraphie und MR-Lymphangiographie ist essenziell für die Therapieplanung. Sie erlaubt die differenzierte Beurteilung der Malformation und das frühzeitige Erkennen sekundärer Komplikationen wie Lymphfisteln oder Lymphödemen.

Interventionelle Verfahren und systemische Therapien

Sklerosierende Verfahren sind vor allem bei makrozystischen LMs Mittel der ersten Wahl. Diese Substanzen führen zur Fibrosierung der Zystenwände und Reduktion des Volumens. Ein wesentlicher Fortschritt ist der Einsatz von systemischen Medikamenten, insbesondere des mTOR-Inhibitors Sirolimus. Für genetisch nachgewiesene PIK3CA-Mutationen wird derzeit der PI3Kα-Inhibitor Alpelisib klinisch erprobt.

Rolle der Chirurgie in der modernen Therapieplanung

Die chirurgische Therapie hat sich von radikalen Exzisionen hin zu differenzierten, stadiengerechten Ansätzen entwickelt. Während makrozystische LMs mit gut abgrenzbaren Raumforderungen häufig vollständig reseziert werden können, erfordern mikrozystische und infiltrative Läsionen ein selektives Vorgehen. In vielen Fällen erfolgt die chirurgische Behandlung in Kombination mit interventioneller Sklerotherapie. Ziel ist heute weniger die vollständige Entfernung, sondern die gezielte Volumen­reduktion bei maximalem Funktionserhalt. Indikationen bestehen bei rezidivierenden Infektionen, funktionellen Einschränkungen (z. B. Schluck-, Sprech- oder Atemstörungen), Schmerz, Ulzerationen sowie ästhetisch und psychosozial belastenden Befunden.

Rekonstruktive Techniken nach chirurgischer Resektion

Die operative Behandlung ausgedehnter oder infiltrativer LMs kann zu funktionellen Defiziten oder Weichteildefekten führen. Plastisch-rekonstruktive Verfahren, wie Lappenplastiken oder Hauttransplantationen, sind integraler Bestandteil moderner chirurgischer Konzepte. Bei funktionell relevanten Lokalisationen (z. B. Zunge, Gesicht, Extremitäten) erfolgt die Resektion daher häufig mehrzeitig, unter Einbeziehung mikrochirurgischer Techniken zur Geweberekonstruktion.

Integration lymphchirurgischer Verfahren bei Lymphödem-Komplikationen

Großflächige oder rezidivierende LMs oder komplexe Syndrome mit LMs sind häufig mit sekundären Lymphödemen vergesellschaftet, insbesondere bei Befall der Extremitäten. In diesen Fällen kommen zunehmend lymphrekonstruktive chirurgische Verfahren zum Einsatz. Hierzu zählen vaskularisierte Lymphknotentransfers (VLNT). Diese Technik zeigt in Studien vielversprechende Ergebnisse in der Volumenreduktion und Infektprävention. Ergänzend können lymphovenöse Anastomosen (LVA) angewendet werden, insbesondere bei frühem Lymphstau infolge lymphatischer Malformation.

Postoperative Betreuung und interdisziplinäre Nachsorge

Die postoperative Nachsorge umfasst die Kontrolle auf Rezidive, Wundheilungsstörungen, rezidivierender Komplikationen wie Fisteln, Infektionen oder Ulzerationen sowie gegebenenfalls die Einleitung einer physikalischen Entstauungstherapie. Bei sekundärem Lymph­ödem ist die Kombination aus chirurgischer Rekonstruktion und konservativer Lymph­ödemtherapie (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, Bewegungstherapie) entscheidend für ein stabiles Langzeitergebnis.

Lymphatische Malformationen: Conclusio zur Therapie

Die Zukunft liegt in einer maßgeschneiderten, interdisziplinären Therapieplanung, bei der die chirurgische Expertise eine zentrale Rolle einnimmt. Entscheidend ist eine präzise präoperative Planung, oft unter Einbindung interventioneller und systemischer Therapien. Die Integration moderner lymphrekonstruktiver Verfahren wie vaskularisierter Lymphknotentransfers erweitert das operative Spektrum bei Patienten mit sekundärem Lymphödem erheblich.



Korrespondenzadresse
Dr. med. Julia Roka-Palkovits

Dr. med. Julia Roka-Palkovits
Krankenhaus Göttlicher Heiland, Abteilung für Chirurgie 
Plastische und Rekonstruktive Chirurgie
Dornbacher Str. 20–30, 1170 Wien & 
Ordination Med Wien Mitte, Landstraßer Hauptstraße 13/25 
1030 Wien, Österreich
julia.roka(at)gmail.com