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Lymphödem, chronische Wunden und Kompression

Das Lymphödem ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Interstitiums als Folge einer primären (anlagebedingten) oder sekundären (erworbenen) Schädigung des Lymphdrainagesystems (1). Therapie der ersten Wahl ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Unverzichtbare Bestandteil der Entstauungs- und Erhaltungsphase der KPE ist die Kompressionstherapie. Schon in der Jungsteinzeit wurden in den Zeichnungen der Höhlen von Tassili in der Sahara sowie im Edwin-Smith-Papyrus Belege für eine mechanische Kompressionstherapie gefunden. 


06.03.2024
F.-J. Schingale
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(2): 54-55

Die Wirkungen der Kompressionstherapie sind: 

  • Normalisierung einer pathologisch erhöhten Ultrafiltration mit konsekutiver Reduzierung der lymphpflichtigen Last 
  • Verstärkter Einstrom der interstitiellen Flüssigkeit in die initialen Lymphgefäße 
  • Verschiebung der Flüssigkeit durch die Gewebsspalten 
  • Erhöhung des Lymphflusses in den noch funktionierenden Lymphgefäßen 
  • Reduzierung des venösen Druckes und damit eine antiödematöse Wirkung 
  • Verbesserung der Gewebebefunde in der Erhaltungsphase der KPE (2, 3)

Die Intensität der lymphologischen Kompressionsbandagierung muss variiert werden, sowohl was den komprimierenden Druck als auch was die Polstermaterialien angeht (4). Der lymphologische Kompressionsverband (LKV) kann als Wechsel- und auch als Dauerverband konzipiert werden. Ein Wechselverband wird täglich neu angelegt und im optimalen Fall auch über Nacht belassen. Demgegenüber verbleibt der Dauerverband, z. B. mit Mehrkomponentensytemen, über einen längeren Zeitraum, meist mehrere Tage, auch über Nacht (5). 

Leider stellen wir in der Praxis fest, dass es nicht einfach ist, das Volumen während der Erhaltungsphase der KPE zu stabilisieren. Dies wird durch wissenschaftliche Untersuchungen bei Patienten mit Lymphödemen der unteren Gliedmaßen bestätigt (6). Ferner ist mit der Bandagierung häufig nicht nur der Patient (bei Selbstbandagierung), sondern auch geübtes medizinisches Personal – Ärzte, Physiotherapeuten, Krankenpflegekräfte – damit überfordert, den richtigen Kompressionsdruck anzulegen (7). Wie soll der Patient es dann schaffen, selbst den richtigen Druck unter dem LKV zu erreichen?

Aus diesem Grund wurde eine feste, steife Bandage mit Klettverschlüssen zum Anpassen entwickelt, die verwendet werden kann, wenn das Ödem in der Entstauungsphase reduziert wird (Medizinisches Adaptives Kompressionssystem (MAK)).

MAKs werden auch als Klett- oder Wrap-Verbände bezeichnet. Angelegt weisen die Systeme eine hohe Festigkeit auf. Sie können aus Waden-, Oberschenkel- und Fußkomponenten sowie Arm- und Handkomponenten bestehen. Sie können ggf. vom Patienten, wenn dieser noch ausreichend beweglich ist, selbständig angezogen werden, aber auch für Therapeuten, Angehörige oder Pflegepersonal wird die Anlage durch das Klettsystem erleichtert (5) (Abb. 1 und 2). 
 



Im Gegensatz zu Bindenbandagierungen wird durch das Nachjustieren der Klettverschlüsse ein Druckverlust vermieden, was die Ödemrückbildung wirksam fördert. Aufgrund der deutlich einfacheren Anwendung sind solche Systeme weniger zeitintensiv und weniger fehleranfällig in der Anlage im Vergleich zu aufwändigen Kompressionsbandagierungen (7)

Auf der Basis der vorhandenen Literatur lässt sich feststellen, dass die Kompressionstherapie einschließlich der intermittierenden pneumatischen Kompression bei richtiger Indikationsstellung wirksam ist zur Behandlung verschiedener Gefäß- und Ödemerkrankungen, der Wundheilung (insbesondere bei Ulzera der Beine) (8), der Thromboseprophylaxe sowie auch in der Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). 

Die Kompressionstherapie hat also eine Dreifachwirkung:

  • Sie wirkt der Ödembildung entgegen, 
  • beschleunigt Flüssigkeitsaufnahme und -transport im Lymphgefäßsystem und
  • reduziert das Ödem (9).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein verstellbarer Kompressionsklettverband als Teil der KPE das Volumen ähnlich wie herkömmliche mehrlagige Verbände erheblich reduzieren und die Lebensqualität verbessern kann. Er ist eine bequeme Alternative zu herkömmlichen mehrlagigen Verbänden in der aktiven Behandlungsphase der KPE (10).

1.    S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Lymphödeme, 2017. AWMF-Reg.-Nr.: 058-001.
2.    Partsch H. Indications for compression therapy in venous and lymphatic disease consensus based on experimental data and scientific evidence under the auspices of the IUP. International Angiology. 2008;27(3):193.
3.    Damstra RJ, Brouwer ER, Partsch H. Controlled, comparative study of relation between volume changes and interface pressure under short-stretch bandages in leg lymphedema patients. Dermatologic surgery. 2008;34(6):773-9.
4.    Moffatt C, Partsch H, Schuren J et al. Compression therapy: a position document on compression bandaging. The International Lymphoedema Framework. 2012:2012.
5.    S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK), 2018. AWMF-Reg.-Nr. 037/005.
6.    Quéré I, Presles E, Coupé M et al. Prospective multicentre observational study of lymphedema therapy: POLIT study. J Mal Vasc. 2014;39(4):256-63.
7.    Protz K, Heyer K, Dörler M et al. Kompressionstherapie – Kenntnisse und Anwendungspraxis. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2014;12(9):794-802.
8.    Dissemond J, Protz K, Reich-Schupke S et al. [Compression therapy in leg ulcers]. Hautarzt. 2016;67(4):311-23; quiz 24-5.
9.    Glod A, Földi E. Lymphödem und chronische Wunde. Vasomed. 2016;28:184-95.
10.    Borman P, Koyuncu EG, Yaman A et al. The Comparative Efficacy of Conventional Short-Stretch Multilayer Bandages and Velcro Adjustable Compression Wraps in Active Treatment Phase of Patients with Lower Limb Lymphedema. Lymphat Res Biol. 2021;19(3):286-94.

Dieser Beitrag beruht auf einem Vortrag auf dem 6. Nürnberger Wundkongress am 23.–24. November 2023.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Franz-Josef Schingale
Lympho-Opt Klinik
Happurgerstr. 15 
91224 Pommelsbrunn
franz-josef.schingale(at)lympho-opt.de