Zitierweise: HAUT 2026; 37 (1): 14-15
Wundmatrices im Allgemeinen sollen die extrazelluläre Matrix gesunden Gewebes imitieren und so die Heilung chronischer, stagnierender Wunden ermöglichen. Empfohlen wird ihr Einsatz bei „hard-to-heal“-Läsionen wie diabetischem Fußsyndrom, venösen Ulzera oder Dekubiti – jedoch nur, wenn zunächst die Grunderkrankung adäquat behandelt wurde. Während für den Einsatz der marinen Omega-3- Wundmatrix beim diabetischen Fußsyndrom bereits überzeugende Daten vorliegen, fehlen noch
randomisierte Studien zur Wirksamkeit bei anderen chronischen Wundarten.
Schlüsselwörter: marine Omega-3-Wundmatrix, diabetisches Fußsyndrom, „hard-to-heal“-Läsionen
Key words: marine Omega-3-wound matrix, diabetic foot ulcer, hard to heal lesions
Im Dezember 2024 war es soweit: Die lange erwartete randomisierte multizentrische multinationale Studie zur Evaluation der Anwendung von „Fischhaut“ bei schwerem diabetischem Fußsyndrom (freiliegenden Sehnen, Knochen oder Gelenken; Wagner-Armstrong Klassifikation 2 und 3) wurde publiziert. Hierbei wurde marine Omega-3-Wundmatrix („Fischhaut“) mit Standard-Wundbehandlung verglichen. Es konnte bei 44 % der Patientinnen und Patienten aus der Behandlungsgruppe, verglichen mit nur 26 % aus der Vergleichsgruppe, ein Wundverschluss nach 16 Wochen nachgewiesen werden. Die Behandlung mit mariner Omega-3-Wundmatrix zeigte sich somit signifikant überlegen (p < 0.001)1.
Daher stellt sich die Frage, ob „Fischhaut“ die Lösung für alle chronischen Wunden sein könnte. Wundmatrices gibt es viele. Neben tierischen Matrices vom Rind oder Schwein gibt es auch synthetische Matrices – und die marine Matrix, die „Fischhaut“. Das Grundprinzip ist jedoch immer dasselbe: Sie sollen, auf eine Wunde aufgebracht, die extrazelluläre Matrix imitieren, das „Gerüst“, das sich in gesundem Gewebe zwischen den Zellen befindet. Denn in chronischen Wunden kommt es zu einem Überhang an Proteasen, wodurch diese extrazelluläre Matrix abgebaut wird und darüber die Wundheilung stagniert. Wundmatrices sollen entsprechend dazu beitragen, dass durch die Imitation der extrazellulären Matrix neue Zellen einfacher in die Wunde einwandern können und sie sich somit schließt.
Die marine Omega-3-Wundmatrix besteht aus entsprechend aufbereiteter und dezellularisierter Haut vom Kabeljau. Da es bei Fischen keine bekannten auf den Menschen übertragbaren Pathogene gibt (Keime, Viren o. ä.), kann die marine Matrix sehr schonend behandelt und konserviert werden. Das führt dazu, dass wichtige Omega-3-Fettsäuren in der Matrix erhalten werden können – im Gegensatz zu Matrices vom Rind oder Schwein. Zusätzlich ist die marine Matrix der menschlichen Haut auch strukturell sehr ähnlich und enthält Kollagen, Fibrin, Proteoglykane und Glykosaminoglykane.
Für welche Wunden sind „Wundmatrices“ geeignet?
Ein internationales Konsensusdokument von 2011 empfiehlt den Einsatz bei langjährig bestehenden „hard-to-heal“-Läsionen, also komplexem diabetischem Fußsyndrom, venösen Ulzera oder Dekubiti2. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass zunächst immer die Behandlung der Grunderkrankung und einer möglicherweise vorliegenden Durchblutungsstörung im Vordergrund steht: Ohne die orthetische Behandlung einer möglichen Fehlbelastung kann auch eine Wundmatrix eine Wunde nicht zur Abheilung bringen.
Extrazelluläre Wundmatrices stellen einen neuen Ansatz in der Wundbehandlung dar: den direkten Einfluss auf die in chronischen Wunden herrschende Fehlregulation der Entzündungs- und Heilungsprozesse.
Wenn auch die Datenlage zur Anwendung der marinen Matrix bei diabetischem Fußsyndrom die robusteste ist, zeigten sich bereits in Arbeiten aus 2016 und 2018 vielversprechende Ergebnisse auch für Patientinnen und Patienten mit chronisch-venösen Ulzerationen und/oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK)3,4. Hier fehlen jedoch randomisierte prospektive Studien, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse für das diabetische Fußsyndrom auf andere Wundentitäten zu prüfen.
* Zur besseren Lesbarkeit kann in Texten das generische Maskulinum verwendet werden. Nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.
Bernhard Dorweiler, Ursula Elisabeth Maria Werra