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Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Medizin Dermatologie Dermatologie, Ästhetik, HAUT
HAUT 2/20

Medical Tattooing und plastische Chirurgie

In der plastischen Chirurgie gibt es zahlreiche Operationen, deren ästhetisches Outcome durch medizinische Tätowierungen optimiert werden kann. Narben können kaschiert werden. Nach Lappenplastiken im Gesicht lässt sich die Farbe der umgebenden gesunden Haut imitieren. Durch Narben unterbrochene Augenbrauen oder Lippenränder können optimiert werden. Eine in 3D tätowierte Brustwarze kann in manchen Fällen eine operative Rekonstruktion ersparen. Bei Verlust von Fingerendgliedern kann auf den Fingerstumpf ein Fingernagel tätowiert werden. Jedoch sollten medizinische Tätowierungen nur erfahrenen Tätowierern überlassen werden. Schlüsselwörter: Tätowierung, rekonstruktive Eingriffe, ästhetisches Outcome


24.04.2020
F. M. J. Reischies
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Zitierweise: HAUT 2020;31(2):62-67.

Abstract

In plastic surgery, the esthetic outcome of numerous operations can be improved by medical tattoos. Scars may be concealed. After flap procedures in the face, the color of the surrounding healthy skin can be imitated. Eyebrows and lips interrupted by scars may be optimized. A nipple tattoo in 3D can, in some cases, replace a surgical reconstruction. After loss of a distal phalanx of the finger, a fingernail can be tattooed on the stump. Medical tattoos, however, should only be conducted by experienced tattooists. 
Key words: tattoo, reconstructive surgery, esthetic outcome

Farbe auf der Haut, in Form von Schminke, erlaubt eine Veränderung des Aussehens für einen begrenzten Zeitraum, sei es zu ästhetischen Zwecken oder zum Beispiel für Theatermasken. Auch Narben oder auffällige Hautveränderungen können mit Schminke vorrübergehend kaschiert werden. Farbe in der Haut, also Tätowierungen, sind permanent, egal auf welche Weise die Farbe in die Haut gebracht wurde. Unter unterschiedlichen Namen und Techniken werden Tätowierungen inzwischen genauso vielfältig genutzt wie Schminke. 

Die Prävalenz von klassischen Tätowierungen steigt in Europa und in den USA deutlich. In Deutschland war 2016 schon knapp jede/r Fünfte über 14 Jahren tätowiert, in den USA stieg die Prävalenz zwischen 2008 und 2016 von 14 Prozent auf 21 Prozent1-3. Weniger Daten gibt es zur steigenden Prävalenz von kosmetischen Tätowierungen, darunter fallen alle Anwendungen des Permanent Make-up4. Tätowierungen zu medizinischen Zwecken ergeben sicherlich den kleinsten Teilbereich aller Tätowieranwendungen – die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten und die Auswirkungen auf die Lebensqualität von Patienten sind noch unzureichend beschrieben. 

Schon lange vor den modernen elektrischen bzw. elektromagnetischen Tätowiermaschinen haben die Menschen Wege gefunden, um Farbe gezielt in die Haut zu bringen, um diese permanent zu färben. In Südamerika, Neuseeland, Afrika und Asien gibt es geschichtliche Nachweise, dass die Menschen unabhängig voneinander auf die Idee gekommen sind, Tätowierungen anzufertigen. Dafür wurden zum Beispiel in Ruß gefärbte Fäden durch die Haut genäht oder ein in Tinte getränkter Dorn über einen Bambusstab rhythmisch in die Haut geklopft5.

Histologisch gesehen spielt es keine Rolle, mit welcher Technik die Farbpigmente einer Tätowierung in die Haut gebracht wurden. So lange sie in die richtige Hautschicht, die Dermis, eingebracht werden, wird ein Teil der Farbpigmente durch Wundsekret aus der frischen Tätowierwunde geschwemmt. Ein anderer Teil wird von Lymphozyten abtransportiert und ist in den umliegenden Lymphknoten noch Jahrzehnte nach der Tätowierung nachweisbar6. Die verbleibenden Farbpigmente in der Dermis werden zu einem Großteil von Makrophagen und zu einem kleineren Teil auch von Fibroblasten aufgenommen. Wie von Baranska et al. beschrieben, ist die über Jahre konstante Farbverteilung und -platzierung einer Tätowierung diesen Zellen zu „verdanken“. Das Zytoplasma voll von Farbe, verbleiben Makrophagen und Fibroblasten an Ort und Stelle – unfähig, die Pigmente abzubauen. Wenn diese Zellen versterben, werden neue dermale Makrophagen und Fibroblasten angelockt und nehmen die freigesetzten Farbpigmente wieder auf7. Wird die Farbe zu tief eingestochen und gelangt in die Subkutis, verläuft die Farbe und bleibt als Schatten sichtbar. Diese sogenannten „blow outs“ sind je nach Farbe deutlich sichtbar und stören das Tätowierergebnis erheblich, besonders bei dunkler Farbe unter dünner Haut.

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