Medizinische Adaptive Kompressionssysteme
Medizinische Adaptive Kompressionssysteme (MAK) bestehen aus textilen Kompressionsteilen, die an den Extremitäten angelegt und über Klettverschlüsse oder Häkchen fixiert werden (7). Synonym werden Begriffe wie „Velcro compression“ oder „adjustable compression devices“ verwendet.
ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(3): 97
Sie können die Probleme beim Anlegen der bisher zur Verfügung stehenden Kompressionsmittel für den Patienten individuell minimieren (9). Sie bestehen in der Regel aus einem Unterstrumpf und mehreren kombinierbaren Teilen für Fuß, Unterschenkel und Oberschenkel sowie für Hand und Arm. Abbildung 1 zeigt Beispiele von MAKs von verschiedenen Herstellern in verschiedenen Ausführungen.
Diese Kompressionssysteme finden typischerweise in der Entstauungsphase Anwendung (7). MAK erzeugen, ähnlich wie Kurzzugbinden, einen hohen Arbeits- und einen niedrigen Ruhedruck. Im Gegensatz zur Bindenbandagierungen wird durch das Nachjustieren der Klettverschlüsse ein Druckverlust vermieden, was die Ödemrückbildung wirksam fördert (7). Die Anwendung ist einfacher, weniger zeitintensiv und weniger fehleranfällig in der Anlage im Vergleich zu aufwändigen Kompressionsbandagierungen (6). Patienten, die noch ausreichend beweglich sind, oder deren Angehörige können die MAK oft nach kurzer Einführung selbst anlegen. Dies erhöht wiederum die Adhärenz. Solche Systeme können durch entsprechend bewegliche Patienten mit Hilfe ihrer Klettverschlüsse oder Häkchen relativ einfach selbständig abgenommen, wieder angelegt und bei Ödemreduktion nachjustiert werden.
MAK sind in unterschiedlichen Größen erhältlich, sodass zusätzlich zur individuellen Einstellung eine vorherige individuelle Anmessung möglich ist. Es gibt diverse Systeme für die Behandlung von verschiedenen Indikationen, wie Lymphödemen, phlebologischen Ödemen und venösen Ulzera (1, 2, 4, 5). Die bisher marktüblichen Materialien sind durch eine hohe Stiffness gekennzeichnet, die wesentlich zur Wirksamkeit beitragen kann. Analog zu medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) sind die MAK in drei unterschiedlichen Längen erhältlich: kurz, normal und lang.
Die MAK können allein oder in Kombination mit einem MKS angewendet werden. Die Andruckkontrolle erfolgt über Dehnungsindikatoren und kann ebenfalls vom Patienten selbst durchgeführt werden. Die Indikatoren ermöglichen die selbstständige Handhabung durch den Patienten mit reproduzierbaren Drücken (9, 5). MAK haben eine eigene Hilfsmittelnummer im Hilfsmittelverzeichnes und können, wie MKS, ohne Relevanz für das Heilmittelbudget verordnet werden.
In der initialen Entstauungsphase beim Lymphödem und beim ausgeprägten venösen Ödem sowie beim Ulcus cruris venosum können MAK als Alternative zur Bandagierung mit Binden eingesetzt werden (7). Im Hilfsmittelverzeichnis ist entsprechend die Indikation auf die Entstauungsphase fokussiert. In der täglichen Praxis haben sie sich aber auch für die langfristige Therapie des Ulcus cruris und in der Erhaltungsphase bei Patienten mit Mobilitätseinschränkungen bewährt (1, 3, 8).
1. Blecken SR, Villavicencio JL, Kao TC. Comparison of elastic versus nonelastic compression in bilateral venous ulcers: A randomized trial. J Vasc Surg 2005;42:1150 –5.
2. Damstra RJ, Partsch H. Prospective, randomized, controlled trial comparing the effectiveness of adjustable compression Velcro wraps versus inelastic multicomponent compression bandages in the initial treatment of leg lymphedema. J Vasc Surg: Ven and Lym Dis 2013;1:13-9.
3. Dissemond J, Kröger K, Stücker M. Evidenz der Kompressionstherapie unter besonderer Berücksichtigung der medizinischen adaptiven Kompressionssysteme. Hautarzt 2020;71:301–308. doi.org/10.1007/s00105-020-04554-x
4. Mosti G, Cavezzi A, Partsch H et al. Adjustable Velcro! Compression Devices are More Effective than Inelastic Bandages in Reducing Venous Edema in the Initial Treatment Phase: A Randomized Controlled Trial. EJVES 2015;50:368-374.
5. Mosti G, Partsch H. Self-management by firm, non-elastic adjustable compression wrap device. Veins and Lymphatics 2017;6:7003.
6. Protz K, Reich-Schupke S, Klose K et al. Kompressionsmittel für die Entstauungstherapie. Vergleichende Erhebung im Querschnitt zu Handhabung, Anpressdruck und Tragegefühl. Hautarzt 2018;69:232–241.
7. Rabe E, Földi E, Gerlach H et al. Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK), 2019. AWMF-Registernummer: 037/005.
8. Stather PW, Petty C, Howard AQ. Review of adjustable velcro wrap devices for venous ulceration. Int Wound J 2019;16:903–908.
9. Williams A. A review of the evidence for adjustable compression wrap devices. J Wound Care 2016;25: 242-7. doi: 10.12968/jowc.2016.25.5.242.
Prof. Dr. med. Eberhard Rabe
Private Praxis Dermatologie & Phlebologie
Helmholtzstraße 4–6 53123 Bonn
eberhard.rabe(at)me.com