Zitierweise: HAUT 2020;31(5):230-236
Abstract
Microneedling is a minimally invasive procedure which is suitable for a broad spectrum of indications. With a short down time, little adverse effects, and clinically excellent results, it is an alternative for invasive options like laser-resurfacing, or chemical peels. Moreover, microneedling can be used to increase transdermal intake of drugs and agents.
Key words: percutaneous collagen induction, microneedling, medical needling
Microneedling oder auch perkutane Kollagen-Induktionstherapie ist ein relativ neues, minimalinvasives Verfahren zur Induktion der endogenen, physiologischen Hautregeneration. Im Gegensatz zu ablativen Verfahren wie dem Laser-Resurfacing oder chemischen Peelings wird durch Microneedling eine Mobilisation der Hautzellen bis hin zur papillären Dermis induziert. Dadurch wird eine Regeneration ausgehend von tieferen Hautschichten bis zur Epidermis ermöglicht1. Durch feinste Nadeln verursachte intradermale Läsionen setzen eine modifizierte Wundheilungskaskade in Gang und stimulieren über damit assoziierte Wachstumsfaktoren die Formation von neuem Kollagen. Dadurch können strukturelle und funktionelle Eigenschaften der Haut verbessert werden3.
Initial gute Behandlungsergebnisse bei Anwendungsschwerpunkten wie Akne- oder Verletzungsnarben führten schnell zu einer Erweiterung des Indikationsspektrums. In Kombination mit topisch applizierten Wirkstoffen sind außerdem deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen, da durch die Behandlung die transdermale Aufnahme gesteigert werden kann.
Vor allem im ästhetischen Bereich rückt Microneedling innerhalb der letzten Jahre mehr und mehr in den Vordergrund. Lange Zeit galt das Laser-Resurfacing als Therapieoption der Wahl für gealterte oder vernarbte Haut4. Microneedling ist aufgrund der geringen Nebenwirkungen und einer kurzen Ausfallzeit bis zur „Gesellschaftsfähigkeit“ aber eine wertvolle Alternative zu invasiveren Verfahren. Mit der vergleichsweise risikoarmen Methode können ebenso exzellente hautstraffende und -verjüngende Effekte erzielt werden. Anders als Laser-Resurfacing oder chemische Peelings kann Microneedling außerdem auch bei dunkleren Hauttypen angewandt werden.
Die ausgezeichneten klinischen Ergebnisse führen gemeinsam mit einer minimalen Komplikationsrate und Ausfallzeit zu einer stetig wachsenden Popularität dieses Verfahrens.
Entwicklung
Microneedling zählt zu den neueren Behandlungsoptionen nicht nur im Bereich der ästhetischen Medizin. Im Jahr 1995 berichteten Orentreich und Orentreich als Erste über eine neue Methode zur Behandlung eingesunkener Narben und Falten; die sogenannte Subzision. Die Technik bestand damals aus dem wiederholten Einbringen und Manipulieren einer Injektionsnadel in die Haut unter den jeweiligen Defekt. Durch diese Methode sollte die Wundheilung angeregt und für Hauteinziehungen verantwortliche Bindegewebsstränge gelockert werden5. Einen ähnlichen Ansatz wählten Camirand und Doucet zwei Jahre später, indem sie eine Tätowiermaschine ohne Einbringen von Farbpigmenten bei der Behandlung chirurgischer Narben einsetzten. Durch wiederholte Behandlung konnte eine signifikante Besserung des klinischen Erscheinungsbildes und der Narbenstruktur erzielt werden6. Erst in den frühen 2000-ern wurde das erste Microneedling-Gerät für die Behandlung von Falten und Hautüberschuss im Gesicht angewendet4. Der damals verwendete Mikronadelroller ähnelte den heutigen Produkten hinsichtlich Zweckbestimmung, Einsatzgebiet, grundlegender Funktionsweise, Nadelanordnung sowie der verwendeten Materialien. Im Jahr 2006 wurde erstmals in einer Blindstudie von Schwarz und Laaff der zweifelsfreie Nachweis erbracht, dass durch Behandlung mit dem Nadelroller die Geweberegeneration stimuliert wird7. Durch Ergebnisse dieser Studie kam es schnell zu einer Erweiterung des Indikationsspektrums und zunehmender Beliebtheit des Verfahrens. Gerade bei der Behandlung kosmetisch störender Befunde in Gesicht und Dekolleté wird das Microneedling in den letzten Jahren immer beliebter, nicht zuletzt durch Bekenntnisse prominenter Personen, die sich einer Behandlung unterzogen haben.
Wirkmechanismus
Je nach Nadellänge werden durch das mechanische Vorgehen beim Microneedling minimale Einstiche durch die Epidermis bis zur Zone der papillären Dermis gesetzt. Durch diese dermalen Mikroläsionen werden intradermale Blutungen induziert, wobei Strukturelemente aller Hautschichten (Epidermis, Dermis und Subkutis) funktionell intakt bleiben. Ein ausreichendes Needling äußert sich durch punktförmige, petechiale Blutungen und dem Austreten seröser Flüssigkeit aus den Perforationskanälen. Dies sind Zeichen einer anfänglichen inflammatorischen Antwort im Sinne einer physiologischen Regeneration. In diesem Kontext werden spezifische Zielstrukturen im Gewebe über eine vermehrte Expression bestimmter Wachstumsfaktoren erreicht und modifiziert, außerdem wird das endogene Potenzial zur regenerativen Organisation des geschädigten Gewebes induziert8. Über den epidermal growth factor (EGF) kommt es zu einer Reepithelialisierung der Epidermis. Der fibroblast growth factor (FGD) vermittelt die Proliferation von Fibroblasten, welche vermehrt Matrixproteine wie Elastin und Kollagen produzieren. Bei der Behandlung von Narben kann dadurch funktionell minderwertiges Narbengewebe aus Kollagen Typ 2 mit einer irregulären Kollagenanordnung durch physiologisches Kollagen Typ 1 ersetzt werden9. Kollagen Typ 1 unterscheidet sich strukturell von Kollagen Typ 2 durch die Anordnung der Fasern und kommt primär in gesunder Haut sowie bei embryonaler, narbenfreier Heilung vor3. Im Rahmen der Wundheilung kann durch Microneedling die anfängliche Überexpression von TGF-beta 1 und 2 herunterreguliert werden – diese sind für eine Induktion von minderwertigem Kollagen Typ 2 verantwortlich, welches in einem Übermaß in pathologischen Narben vorhanden ist3.
Durch Induktion des vascular endothelial growth factor (VEGF) wird die Angiogenese stimuliert, durch die so verbesserte Perfusion wird eine verbesserte Heilung erreicht9. Das primär geschädigte Areal kann unter nichthypoxischen Umständen und reduziertem oxidativem Stress abheilen3.
Die induzierte Neusynthese von extrazellulären Matrixproteinen wie Elastin, Fibronektin und Proteoglykanen stabilisiert die Hautbarriere und verbessert deren strukturelle und funktionelle Eigenschaften. In weiterer Folge kommt es zu einer Zunahme der Schichtdicke der Epidermis, was die epidermale Barrierefunktion in ihrer Struktur und Widerstandsfähigkeit verstärkt. Die verbesserte epidermale Integrität gewährleistet zusammen mit wasserbindenden Molekülen eine optimale Regulation des Wasserhaushaltes und minimiert das Risiko einer Dehydratation. Aufgrund der Induktion der genannten Mechanismen kann der Alterungsprozess verzögert, strukturelle und funktionelle Eigenschaften der Haut verbessert und somit die Anfälligkeit für äußere schädigende Einflüsse reduziert werden3.
Lesen Sie hier weiter aus HAUT 5/2020 (Der Beitrag ist online leider nicht mehr Verfügbar)