ZITIERWEISE: VASOMED 2023; 35(5): 162-163
Bei der Behandlung von Lymphödemen (primär oder sekundär) der Extremitäten mit Kompression hat sich in den letzten Jahren die Versorgungsqualität stark verbessert. Die Produktvielfalt mit ihrer modischen Farbwelt unterstützt das Selbstbewusstsein der Patienten und bietet passgenaue, gut verträgliche Lösungen, die die Therapiesituation erleichtern.
Bei der Therapie von Lymphödemen im Brust-Thoraxbereich (z. B. n. Mammakarzinom) oder bei Genitallymphödemen stehen für Patienten andere Kriterien im Vordergrund. Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität in hohem Maße und schränken die Aktivitäten stark ein oder machen die Teilnahme am sozialen Leben nahezu unmöglich. Bei brusterhaltend operierten Frauen liegt die Häufigkeit, ein Brustlymphödem zu entwickeln, immerhin bei 27 %, und Thoraxwandödeme werden laut aktueller Studienlage mit 19 % beziffert.
Kompressionstherapie im Brust-/Thoraxbereich
Brustlymphödeme sind schmerzhaft und belasten die betroffenen Patientinnen und Patienten extrem in ihrem Alltag.
Schlechtsitzende, einschnürende BHs wirken ödembegünstigend. Ist das Ödem auf die Brust begrenzt, können spezielle Kompressions-BHs eingesetzt werden. Sie sind mit breiten Trägern ausgestattet und sollten submammär nicht einschneiden, sie werden von verschiedenen Herstellern angeboten. Diese fallen unter die Gruppe der verordnungsfähigen Hilfsmittel und können budgetneutral verordnet werden.
Bei Kombinationsformen von Brust- und Thoraxwand-Ödemen wird seitlich eine breitere, textile, elastische Anlage notwendig, wie sie lange Kompressions-BHs bieten. Wenn ebenfalls die Schulterregion von einem Lymphödem betroffen ist oder zu Schwellungen und Schmerzen neigt, ist eine Thorax-Kompressionsbandage nach Maß sinnvoll.
Die Versorgung von Brust- und Thoraxlymphödemen erfordert eine ausführliche Anamnese, genaue Palpation und Lokalisation der betroffenen Region, um danach die richtige Auswahl der Kompressionsversorgung zu treffen (Abb. 1).
Sowohl Kompressions-BHs als auch Thoraxbandagen können individuell mit Druckpelotten (evtl. mit unruhiger Oberfläche zur Fibroselockerung) ausgestattet werden, um den Lymphabfluss zu verbessern. Dabei sollten die Lymphabflusswege berücksichtigt und ggf. in Zusammenarbeit mit der/dem behandelnden Therapeutin/Therapeuten besprochen werden. Mit selbsthaftenden Silikonauflagen, die mehrfach zu verwenden sind, wird in Kombination mit Kompression die Narbenheilung optimiert.
CAVE: Kompression im Thoraxbereich muss unter Berücksichtigung der gelenkigen Verbindungen (Wirbel, Rippen, Brustbein) besonders sensibel gehandhabt werden. Bei einer zu engen, festen Kompression wird die Patientin/der Patient versuchen, dies mit eingeschränkter Atmung zu kompensieren. Die Thoraxbandage sollte deshalb nur mit leichter Kompression (ca. 20 mmHg) verordnet werden.
Die Aktivität des Lymphabflusses wird durch eine tiefe Bauchatmung gefördert. Deshalb ist es notwendig, die Patientin/den Patienten hinreichend einzuweisen und die Atem-Exkursion bei angelegter Kompression zu kontrollieren.