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Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Neurologie Neurologie, Leitlinien
Leitlinie Schizophrenie

Schizophrenie: Neue S3-Leitlinie erweitert Behandlungsoptionen

Die aktualisierte S3-Leitlinie Schizophrenie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) bringt erweiterte therapeutische Möglichkeiten in Pharmako-, Psycho- und Sozialtherapie und setzt damit neue Maßstäbe für eine individualisierte Versorgung.


26.10.2025
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Mit der nun veröffentlichten Aktualisierung der S3-Leitlinie Schizophrenie legt die DGPPN gemeinsam mit zahlreichen Fachgesellschaften und Organisationen einen wichtigen Grundstein für eine flexiblere, patientenorientierte Behandlung. Eine leitliniengerechte, frühzeitige Behandlung gilt als entscheidend für Verlauf und Prognose. Als sogenannte Living Guideline soll die S3-Leitlinie künftig jährlich überprüft und fortlaufend aktualisiert werden.

Schizophrenien zählen zu den schwerwiegenden psychischen Erkrankungen und treten bei etwa einem Prozent der Bevölkerung auf. Sie sind mit erheblichem psychosozialem Funktionsverlust sowie einer deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Unbehandelte Verläufe erhöhen das Risiko für Selbst- und Fremdgefährdung, insbesondere bei komorbidem Substanzkonsum.

„Eine frühzeitige Erkennung und eine konsequente leitliniengerechte Behandlung von Menschen mit Schizophrenie sind wichtig, damit Komplikationen und das Leid für die Betroffenen selbst und für andere minimiert werden.“ 

– Prof. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, Präsidentin der DGPPN

  

Individualisierte Pharmakotherapie

Im Bereich der medikamentösen Behandlung stellt die Leitlinie eine wesentliche Neuerung vor, denn sie ermöglicht in definierten klinischen Konstellationen – insbesondere bei komplexen Verläufen, etwa bei Patientinnen und Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf eine Einzelmedikation – den gezielten Einsatz von Kombinationstherapien. Während bislang die Monotherapie als Standard galt, erlaubt die aktualisierte Empfehlung nun ein differenzierteres und stärker patientenorientiertes Vorgehen.

Nach Angaben von Prof. Alkomiet Hasan, Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg und Koordinator der Leitlinie, erweitern die neuen Empfehlungen die therapeutischen Optionen für Patientinnen und Patienten, die auf eine Einzelmedikation nicht ausreichend ansprechen. Die Auswahl geeigneter Präparate sollte individuell erfolgen, wobei potenzielle Nebenwirkungen sorgfältig abzuwägen sind, da sie maßgeblich die langfristige Adhärenz beeinflussen. Auf diese Weise trägt die Leitlinie der klinischen Realität Rechnung, in der Therapieresistenz, Nebenwirkungsprofile und Komorbiditäten ein hohes Maß an therapeutischer Flexibilität erfordern.

Neue Psychotherapien

Darüber hinaus stärkt die Leitlinie den Stellenwert psychotherapeutischer Verfahren und erweitert das therapeutische Spektrum deutlich. Neu aufgenommen wurden traumafokussierte Ansätze, die Patientinnen und Patienten mit komorbider Posttraumatischer Belastungsstörung gezielt unterstützen, sowie Verfahren der achtsamkeitsbasierten Psychotherapie, die insbesondere im Hinblick auf Emotionsregulation und Rückfallprophylaxe an Bedeutung gewinnen.

Erstmals berücksichtigt die Leitlinie zudem digitale Therapieformen, etwa die Avatar-Therapie zur Behandlung auditiver Halluzinationen. Auch wenn die Evidenzlage derzeit noch begrenzt ist, verweist die Integration dieser Verfahren auf eine zunehmende Offenheit gegenüber technologiegestützten Interventionen und die Bereitschaft, innovative Behandlungsansätze systematisch zu evaluieren.

Ganzheitliche Versorgung

Neben Pharmako- und Psychotherapie betont die Leitlinie die Relevanz psychosozialer Interventionen, da diese einen wesentlichen Beitrag zur funktionellen Stabilisierung leisten. Dazu zählen Bewegungsprogramme, Angehörigenarbeit sowie Maßnahmen zur Förderung der somatischen Gesundheit. 

Prof. Hasan hebt hervor, dass eine wirksame Behandlung einen konsequent ganzheitlichen Ansatz erfordert, bei dem pharmakologische, psychotherapeutische und psychosoziale Verfahren gezielt aufeinander abgestimmt werden. Nach aktuellem Forschungsstand gilt die Kombination von Antipsychotika, kognitiver Verhaltenstherapie und psychosozialen Maßnahmen als zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Behandlung.

Insgesamt umfasst die neue Leitlinie 154 Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie. Vier Empfehlungen wurden neu formuliert, während 145 nach Überprüfung aktualisiert wurden. Die Erarbeitung erfolgte im Rahmen eines zweijährigen Konsensusprozesses unter Beteiligung von 41 Fachgesellschaften, Verbänden sowie Betroffenen- und Angehörigenorganisationen. Als sogenannte Living Guideline wird sie künftig jährlich fortgeschrieben, damit neue wissenschaftliche Erkenntnisse kontinuierlich in die Versorgung einfließen können.

Eine separate Leitlinie zum Thema Substanzkonsum bei Schizophrenie befindet sich derzeit in Entwicklung und soll voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen.

Originalpublikation

AWMF-Leitlinienregister: S3-Leitlinie Schizophrenie (Reg.-Nr. 038-009). Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-009