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Leitlinie

Neue S3-Leitlinie: Kortikoidtherapie bei Lichen sclerosus empfohlen

Die aktualisierte S3-Leitlinie zu Lichen sclerosus (LS) empfiehlt eine frühzeitige und konsequente Therapie mit hochpotenten topischen Glukokortikoiden als Mittel der ersten Wahl. Neben der Karzinomprävention und Vermeidung funktioneller Einschränkungen betont sie die Bedeutung strukturierter Patientenschulungen und interdisziplinärer Versorgungskonzepte.


06.10.2025
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Die neue S3-Leitlinie, entwickelt unter Federführung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), adressiert diese Defizite und fordert eine Sensibilisierung für das Krankheitsbild. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der frühzeitigen Diagnosestellung und einer konsequenten Therapieeinleitung, um irreversible Vernarbungen, funktionelle Einschränkungen und die Entwicklung anogenitaler Karzinome zu vermeiden.

Trotz einer geschätzten Prävalenz von 0,1 bis 3 % wird LS in vielen Fällen nicht oder zu spät diagnostiziert. Daraus resultieren unzureichende Therapien, die das Risiko für Komplikationen erheblich erhöhen.

Topische Glukokortikoide als Standard

Zentraler Bestandteil der Leitlinie ist der Einsatz hochpotenter topischer Glukokortikoide der Klasse III oder IV, insbesondere Clobetasolpropionat 0,05 % oder Mometasonfuroat 0,1 %. Sie werden sowohl in der Akut- als auch in der Erhaltungstherapie empfohlen und erzielen in der Regel eine rasche Symptomverbesserung.

„Mit der Behandlung können wir das Fortschreiten der Krankheit stoppen und Beschwerden lindern. Allerdings soll diese möglichst früh einsetzen, um Folgen wie Vernarbungen, die Entstehung von Karzinomen aufgrund der chronischen Entzündung und Einbußen der Lebensqualität zu verhindern.“

Prof. Linn Wölber, Koordinatorin der Leitlinie
 

Neben Glukokortikoiden können Emollientien zur Stabilisierung der Hautbar­riere beitragen. Die Leitlinie empfiehlt, diese mindestens zweimal täglich aufzutragen, um die Symptomkontrolle langfristig zu verbessern. Bei männlichen Patienten, insbesondere Jungen, ist bei unzureichendem Therapieerfolg eine vollständige Zirkumzision indiziert, die eine hohe Effektivität in der Krankheitskontrolle zeigt.

Aufklärung und Adhärenz

Neben der pharmakologischen Behandlung legt die Leitlinie großen Wert auf die Einbindung der Patientinnen und Patienten in den Therapieverlauf. Eine strukturierte Aufklärung über Anatomie, Krankheitsbild und mögliche Komplikationen soll Betroffene in die Lage versetzen, ihre Erkrankung besser zu verstehen und den Verlauf aktiv zu beobachten. Bei Kindern richtet sich diese Schulung gleichermaßen an die Eltern. Durch diese Form der Patientenedukation soll die Therapietreue gestärkt werden, die für den langfristigen Behandlungserfolg entscheidend ist. Die Vermittlung von Wissen trägt darüber hinaus dazu bei, psychische Belastungen wie Angststörungen, depressive Episoden oder eine Minderung des Selbstwertgefühls abzumildern, die häufig mit LS assoziiert sind.

Interdisziplinäre Versorgung

Die Leitlinie unterstreicht die Notwendigkeit einer interdisziplinären Betreuung. Modelle aus den Niederlanden, Dänemark oder dem Vereinigten Königreich zeigen, dass spezialisierte LS-Zentren, in denen Dermatologie, Gynäkologie, Urologie, Kinderchirurgie, Psychotherapie, Physiotherapie und Sexualmedizin eng kooperieren, eine optimierte Versorgung ermöglichen. In Deutschland wird eine vergleichbare Vernetzung empfohlen, um sowohl somatische als auch psychische Aspekte der Erkrankung angemessen zu adressieren.

Klinisches Erscheinungsbild

Die klinische Symptomatik umfasst typischerweise Juckreiz, Brennen sowie Schmerzen beim Wasserlassen, Stuhlgang oder Geschlechtsverkehr. Im Verlauf treten elfenbeinfarbene Papeln, Hautatrophie, Narben und funktionelle Einschränkungen auf. Frauen können eine Verengung des Scheideneingangs entwickeln, Männer häufig eine Vorhautverengung mit sexueller Dysfunktion.

Tipps für Patientinnen und Patienten

  • Reizende Produkte, wie Seife, sollten vermieden werden.
  • Eine tägliche, konsequente Basispflege ist erforderlich: 2 x täglich eine fettreiche, parfümfreie Salbe auftragen.
  • Es sollte zugestimmt werden, dass ärztliche Verlaufskontrollen mithilfe von Fotos dokumentiert werden dürfen.
  • Kratzen ist unbedingt zu vermeiden, um Beschwerden nicht zu verschlimmern.
  • Eng anliegende Kleidung sollte gemieden werden.
  • Kleidung aus Baumwolle oder Seide wird bevorzugt empfohlen.
  • Bei sportlichen Aktivitäten wie Reiten oder Radfahren sollte auf einen geeigneten Sattel sowie eine ergonomische Sitzhaltung geachtet werden.
  • Der Austausch mit anderen Betroffenen, z. B. über Patientenorganisationen, kann hilfreich sein.



Die vollständige S3-Leitlinie „Lichen sclerosus“ ist unter der Registernummer 013-105 im AWmF-Leitlinienregister veröffentlicht unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-105

Quelle: Deutsche Dermatologische Gesellschaft e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.