Neue S3-Leitlinie zum systemischen Lupus erythematodes veröffentlicht
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) veröffentlichte die erste S3-Leitlinie zum systemischen Lupus erythematodes (SLE). Diese evidenzbasierte Leitlinie bietet umfassende Empfehlungen zur Therapie und zum Langzeitmanagement des SLE, einschließlich besonderer Aspekte wie Schwangerschaft und sekundärem Antiphospholipid-Syndrom.
Der systemische Lupus erythematodes ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann. Zwischen 36 und 50 pro 100.000 Einwohner sind betroffen, Frauen 10- bis 15-fach häufiger als Männer. Oft trifft ein SLE Frauen im gebärfähigen Alter. Die neue Leitlinie betont die Bedeutung einer frühen Diagnose und einer individuellen, patientenzentrierten Therapie. Ziel ist es, die Krankheitsaktivität zu kontrollieren, Organschäden zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, so die Autorinnen und Autoren.
„Mit dieser Leitlinie wollen wir sicherstellen, dass Patientinnen und Patienten mit SLE eine evidenzbasierte und patientenzentrierte Versorgung zukommt.“
Prof. Ulf Wagner, Präsident der DGRh
Empfehlungen aus der Leitlinie zum systemischen Lupus erythematodes
Als Koordinatoren der Leitlinie heben Prof. Matthias Schneider, Düsseldorf, und Dr. Johanna Mucke, Herne, die folgenden Empfehlungen besonders hervor:
Glukokortikoide: Die Dosis sollte schnellstmöglich auf maximal 5 mg pro Tag Prednisolon-Äquivalent verringert und idealerweise ganz abgesetzt werden.
Frühe Diagnose und regelmäßige Überwachung: Die Krankheitsaktivität sollte bei jeder Visite systematisch erfasst werden, um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.
Hydroxychloroquin: Empfohlen für alle Patientinnen ab Diagnosestellung mit einer Zieldosis von 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
Immunsuppressive Therapie: Bei unzureichender Kontrolle unter Hydroxychloroquin und niedriger Glukokortikoiddosis sollten Wirkstoffe wie Azathioprin, Methotrexat, Mycophenolat oder Biologika wie Anifrolumab oder Belimumab eingesetzt werden.
Lupusnephritis: Bei aktiver Nierenentzündung wird eine initiale Therapie mit Cyclophosphamid oder Mycophenolat in Kombination mit Glukokortikoiden empfohlen. Eine Kombinationstherapie mit Belimumab oder Calcineurin-Inhibitoren kann erwogen werden.
Antiphospholipid-Syndrom (APS): Direkte orale Antikoagulanzien sind bei Patientinnen mit thromboembolischem APS zu vermeiden. Stattdessen empfiehlt die Leitlinie Vitamin-K-Antagonisten.
Schwangerschaft: Eine Schwangerschaft sollte in einer stabilen Krankheitsphase geplant werden. Medikamente wie Hydroxychloroquin, Azathioprin, Ciclosporin und Tacrolimus können während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Mycophenolat, Cyclophosphamid und Methotrexat sollten vermieden werden.
„Die Leitlinie bietet klare Handlungsempfehlungen für verschiedene Krankheitsmanifestationen und berücksichtigt dabei die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse“, betont Schneider.
An der Entwicklung waren neben 15 Fachgesellschaften auch zwei Patientenorganisationen beteiligt. Denn die aktive Beteiligung der Betroffenen auch im klinischen Alltag ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie.
Wir erheben und verarbeiten Ihre Daten auf dieser Website, um besser zu verstehen, wie sie verwendet wird. Wir holen hierfür immer Ihre Einwilligung ein. Sie können Ihre Datenschutzeinstellungen hier ändern.
Sie haben noch kein Benutzerkonto?
Jetzt kostenlos registrieren und von Ihrem Mitgliedsstatus profitieren: