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S3-Leitlinie Gonarthrose

Neue S3-Leitlinie Gonarthrose stärkt Eigenverantwortung und Bewegung

Die aktualisierte S3- Leitlinie Gonarthrose rückt konservative Behandlung, Bewegung und Lebensstil in den Mittelpunkt. Patientinnen und Patienten werden aktiv eingebunden, Aufklärung und Eigenverantwortung gestärkt. Ziel ist eine individuelle, evidenzbasierte und alltagsnahe Versorgung.


07.07.2025
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Mit der im Juni 2025 veröffentlichten S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ liegt eine aktualisierte, evidenzbasierte Grundlage für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose vor. Im Fokus stehen konservative Therapieansätze sowie die stärkere Einbindung der Betroffenen in den therapeutischen Entscheidungsprozess. Als eine der häufigsten chronisch-degenerativen Gelenkerkrankungen erfordert die Kniearthrose eine Versorgung, die auf interdisziplinär abgestimmten und praxistauglichen Empfehlungen basiert.

Erarbeitet wurde die Leitlinie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) – in enger Abstimmung mit über 20 Fachgesellschaften, hausärztlichen Organisationen und Patientenvertretungen. Die vollständige Fassung ist im AWMF-Leitlinienregister einsehbar.

Konservative Ansätze stärken die Versorgung bei Kniearthrose

Die aktualisierte Leitlinie betont eine vorrangig konservative Therapie der Kniearthrose. Empfohlen werden bewegungstherapeutische Maßnahmen, Muskelaufbau, gelenkschonendes Verhalten sowie ein multimodales Schmerzmanagement. Außerdem wird das Spektrum durch evidenzbasierte Verfahren wie Taping und manuelle Therapie ergänzt. Ein neues Kapitel zur Knieendoprothetik enthält darüber hinaus Empfehlungen zur Indikationsstellung, zum perioperativen Vorgehen und zu Mindestmengen – für einen gezielten, medizinisch verantwortungsvollen Einsatz operativer Maßnahmen im Therapieverlauf.

Patienten als aktive Therapiepartner

Ein zentrales Anliegen der neuen Leitlinie ist es, Patienten zur aktiven Mitgestaltung ihrer Behandlung zu befähigen. Denn ihre Beteiligung wird als entscheidender Erfolgsfaktor bei konservativen Therapieformen bewertet.

„Die neue Leitlinie stellt neben der Diagnostik und speziellen medizinischen Therapie insbesondere die Rolle der Eigenverantwortung der  Patienten in den Mittelpunkt. Bewegung, Gewichtsreduktion und eine dann individuell angepasste Therapie sind dabei zentrale Bestandteile“
 

– Prof. Christoph H. Lohmann, Präsident DGOU

Die Leitlinie greift zudem zentrale Handlungsfelder für eine strukturierte, alltagsnahe Versorgung auf. Im Fokus stehen Aufklärung, individuell abgestimmte Therapieziele sowie Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung und Gewichtsmanagement. Auch Alter, Lebensumstände und persönliche Ziele sollen künftig stärker in die Therapieplanung einfließen. Wei ökologische Aspekte – etwa der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen – werden erstmals berücksichtigt. Ergänzend wurde eine Patientenleitlinie entwickelt, die die Gesundheitskompetenz stärkt und zur aktiven Mitwirkung im Behandlungskonzept befähigen soll.

Aspekte der aktiven Patientenrolle

  • Aufklärung & Eigenverantwortung: Patienten sollen aktiv mitwirken. Der Therapieerfolg hängt wesentlich davon ab.
  • Informieren & Akzeptieren: Ein realistisches Verständnis hilft, mit der Erkrankung umzugehen und sie zu akzeptieren.
  • Therapieansatz: Oft ist keine OP nötig. Vorrangig wird langfristige Physiotherapie eingesetzt.
  • Konservative Maßnahmen: Bewegungstherapie fördert Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und lindert Schmerzen.
  • Gesunder Lebensstil & Prävention: Wichtig sind Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung wie Gehen oder Radfahren.
  • Vermeidung ungünstiger Belastungen: Kniebelastende Bewegungen sollten möglichst vermieden werden.

 

Weitere Neuerungen im Überblick

  • Individuelle Therapie: Alter, Lebenssituation und persönliche Ziele werden stärker einbezogen.
  • Nachhaltigkeit: Umwelt- und Ressourcenaspekte fließen erstmals in Therapieentscheidungen ein.
  • Medikamentöse Therapie: Klare Empfehlungen zur Wirkung und Sicherheit von Medikamenten.
  • Tapes & Manuelle Therapie: Neu in die Leitlinie aufgenommen.
  • Knieendoprothetik: Neues Kapitel zu Indikation, Risiken, Management und Mindestmengen.
  • Patientenleitlinie: Erstmalig erstellt zur besseren Information Betroffener.
Literatur

S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose, 2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-05.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.