Mehr als 70 dieser erblichen Thrombozytenstörungen sind bekannt - aber sie sind schwer zu diagnostizieren. Betroffene Patienten haben oft einen Jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor sie die richtige Diagnose erhalten.
Greifswalder Forschende haben jetzt eine vielversprechende Methode am Mikroskop entwickel. Mit ihr können sie bereits Neugeborene mit nur einem Tropfen Blut testen. Um die Methode international auszuprobieren, haben die Greifswalder ein weltweites Netzwerk mit sieben Zentren gebildet. Das Projekt entstand unter der Schirmherrschaft der weltweit führenden internationalen Fachgesellschaft für Thrombose und Hämostase (ISTH).
Diagnostik von Thrombozytenstörungen - nur ein Tropfen Blut notwendig
„Wir bringen die Thrombozyten unter dem Mikroskop zum Leuchten“, sagt Carlo Zaninetti vom Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Greifswald. Thrombozyten spielen eine entscheidende Rolle bei der Blutstillung und Blutgerinnung. Um Störungen der Thrombozyten zu erkennen, nutzen die Greifswalder Forscher die Immunfluoreszenzmikroskopie. Hierzu werden spezifische Strukturen der Blutplättchen unter dem Mikroskop mit Hilfe leuchtender, fluoreszierender Antikörper sichtbar gemacht. „Wir brauchen dafür nicht mehr als einen Tropfen Blut.“, erklärt Zaninetti. „Für eine erste Untersuchung im Screening eignet sich das hervorragend, um in der weiteren Diagnostik die richtigen Schlüsse zu ziehen.“
Spezialzzentren können die Blutprobe zur Diagnostik von Thrombozytenstörungen per Post erhalten
Auch logistisch ergeben sich daraus Vorteile. „Die weltweit sieben Spezialzentren mit ihrer Erfahrung können die Probe von überall per Post erhalten“, berichtet Zaninetti. So kann auch Patienten geholfen werden, die weit entfernt von einem Spezialzentrum wohnen.
„Die Methode ist äußerst vielversprechend. Wir haben sie in Greifswald entwickelt, damit Patienten aus Europa nicht den weiten Weg nach Greifswald auf sich nehmen müssen. Jetzt können Patienten weltweit damit untersucht werden.“
Prof. Andreas Greinacher, Seniorprofessor am Institut für Transfusionsmedizin an der Unimedizin Greifswald
„Unser Verfahren spart erhebliche Kosten“ ergänzt Dr. Zaninetti. „Es gibt einen Hinweis, bei welchen Patientinnen und Patienten eine tiefergehende genetische Analyse sinnvoll eingesetzt werden sollte.“
Referenzzentrum für Erkrankungen der Blutgerinnung und der Thrombozyten
Für die Universitätsmedizin ist die Gesamtkonzeption dieser Studie von herausragender Bedeutung. „Die Universitätsmedizin Greifswald stärkt ihren Ruf als weltweites Referenzzentrum für Erkrankungen der Blutgerinnung und der Thrombozyten“, sagt Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin. „Das ist ein wahres Gütesiegel für uns und ganz besonders für unser Personal am Institut für Transfusionsmedizin.“
Weitere Informationen:
Website mit ergänzendem Hintergrund-Video:
https://www.unimedizin-greifswald.de/?id=1523
Quelle: Universität Greifswald