Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Allgemein- & Innere Medizin, Schmerztherapie, Neurologie, Naturheilverfahren, Medizin Allgemein- & Innere Medizin, Neurologie Allgemein- & Innere Medizin, Biofaktoren, Nervensystem
Biofaktoren

Neuropathische Schmerzen: Was bewirken Vitamin B12 und Benfotiamin?

Neuropathische Schmerzen gehören zu den Beschwerden, die Patienten stark belasten. Neben Ursachenklärung und leitliniengerechter Therapie lohnt der Blick auf potenzielle Vitaminmängel. Vor allem Vitamin B12 rückt hier in den Fokus, gefolgt von Vitamin B1 in Form von Benfotiamin.


13.07.2026
D. Birkelbach
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Patienten beschreiben neuropathische Schmerzen oft als „Stromstöße“, „Feuer in den Füßen“ oder so, „als würde schon die Bettdecke wehtun“. Solche Schilderungen sind diagnostisch wertvoll. Sie sprechen für neuropathische Schmerzen, die mit Allodynie, Parästhesien, nächtlicher Verschlechterung und Schlafstörungen einhergehen können.1-3 Wichtig ist, früh an behandelbare Ursachen und Risikofaktoren zu denken. Neben Diabetes mellitus, Herpes zoster, Alkoholabusus oder neurotoxischen Therapien gehören dazu auch ein Mangel an essenziellen Biofaktoren wie den Vitaminen B1 und B12:

  • Für Vitamin B12 gibt es Hinweise auf einen klinischen Nutzen, besonders bei postherpetischer Neuralgie und schmerzhafter peripherer Neuropathie.
  • Vitamin B1, insbesondere in seiner lipidlöslichen und besser verfügbaren Vorstufe Benfotiamin, ist vor allem dann relevant, wenn bei diabetischer Neuropathie ein funktioneller Vitamin-B1-Mangel wahrscheinlich ist und Brennen oder Parästhesien im Vordergrund stehen.

Auch an Vitamin B12 denken4-6

Ein Vitamin-B12-Mangel sollte bei neuropathischen Schmerzen immer rechtzeitig mitbedacht werden. Er ist häufig und wird im Praxisalltag dennoch leicht übersehen. Hinweise sind neben den typischen Schmerzen vor allem Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Gangunsicherheit oder ein Manschettengefühl an den Unterschenkeln – nicht selten auch ohne hämatologische Befunde. Gerade in der Hausarztpraxis gilt das besonders für Patienten unter Metformin,7,8 im höheren Alter, bei vegetarischer oder veganer Ernährung, Resorptionsstörungen, atrophischer Gastritis oder langfristiger Säureblockade. Auch ein aktueller Expertenkonsens empfiehlt, bei neurologischen Symptomen wie Parästhesien oder neuropathischen Schmerzen frühzeitig an einen Vitamin-B12 -Mangel zu denken und gezielt zu substituieren.6

Verschiedene Übersichtsarbeiten beschreiben für Vitamin B12 therapeutische Effekte insbesondere bei postherpetischer Neuralgie und schmerzhafter peripherer Neuropathie. In einigen randomisierten Studien wurde der Biofaktor zudem mit einer signifikanten Schmerzreduktion in Verbindung gebracht; eine placebokontrollierte Studie bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie berichtete über eine signifikante und sichere Linderung der Schmerzen.9-12

Bei Beschwerden oder Risikofaktoren sollte rechtzeitig an die Diagnostik13-15 und bei Bedarf auch an eine gezielte Substitution gedacht werden. Bei gesichertem oder wahrscheinlichem Mangel kommt eine orale Hochdosistherapie mit 1.000 µg Vit­amin B12 täglich in Betracht. Eine aktuelle Arbeit von März 2026 konnte zeigen, dass abgesehen von höheren Serum-Vit­amin-B12-Spiegeln eine höhere Tagesdosis von 2.000 μg keine zusätzlichen neuropathischen oder metabolischen Vorteile bot.16 Bei ausgeprägten neurologischen Symptomen wird oft initial parenteral substituiert.

Rolle von Benfotiamin17,18,19

Benfotiamin gehört vor allem bei schmerzhafter diabetischer Neuropathie in die engere Wahl, nicht zuletzt aufgrund des erhöhten Risikos für einen Vitamin-B1-Mangel bei Diabetes mellitus.20 Hintergrund ist ein möglicher funktioneller Mangel an Vitamin B1: Thiamin, die aktive Form von Vitamin B1, ist für den Energiestoffwechsel der Nervenzelle unverzichtbar. Benfotiamin als fettlösliche Vorstufe wird besonders gut aufgenommen21,22 und kann sinnvoll sein, wenn neben Schmerzen auch Brennen, Kribbeln oder andere sensible Missempfindungen bestehen.

Auch die Studien liefern hierzu ermutigende Hinweise. In der randomisierten BENDIP-Studie besserte sich der Neuropathy Symptom Score nach sechs Wochen signifikant in der Per-Protocol-Analyse; beim Total Symptom Score zeigte sich der deutlichste Effekt beim Symptom Schmerz. Hinzu kommt, dass Benfotiamin in der Regel gut vertragen wird.23 Für die hausärztliche Praxis ist Benfotiamin vor allem dann eine Option, wenn bei diabetischer Neuropathie ein Vitamin-B1-Mangel wahrscheinlich ist und die Patienten über Brennen, Kribbeln oder schmerzhafte Missempfindungen klagen. In klinischen Studien und im Praxisalltag werden meist 300 bis 600 mg Benfotiamin pro Tag eingesetzt, häufig verteilt auf zwei Einzelgaben.

Fazit für die Praxis

Bei neuropathischen Schmerzen lohnt es sich, möglichst früh nach behandelbaren Ursachen zu suchen – dazu gehört vor allem ein Vitamin-B12-Mangel. Vitamin B12 ist klinisch besonders relevant, weil es einen häufigen und gut behandelbaren Mangel ausgleicht und zugleich günstige Effekte auf neuropathische Schmerzen zeigt. Benfotiamin ist vor allem bei diabetischer Neuropathie und entsprechender Symptomatik eine gut verträgliche Option, besonders wenn ein Vitamin-B1-Mangel wahrscheinlich ist. Beide Biofaktoren sollten bei passenden Beschwerden und Risikokonstellationen Anwendung finden.

Dr. Daniela Birkelbach

1 Hamdan A et al.: Shedding light on neuropathic pain: Current and emerging tools for diagnosis, screening, and quantification. SAGE Open Med 2024 Feb 9; 12: 20503121231218985
2 Vieira WF et al.: Neuropathic pain, mood, and stress-related disorders: A literature review of comorbidity and co-pathogenesis. Neurosci Biobehav Rev 2024 Jun; 161: 105673
3 www.msdmanuals.com/de/profi/neurologische-krankheiten/schmerz/neuropathischer-schmerz
4 Wolffenbuttel BHR et al.: The Many Faces of Cobalamin (Vitamin B12) Deficiency. Mayo Clin Proc Inn Qual Out 2019; 3(2): 200-214
5 Reiners K, Djukic M: Vitamin-B12-Mangel: Aktuelle Erkenntnisse und Empfehlungen für die Praxis. Zertifizierte Fortbildung. www.springermedizin.de/vitamin-b12-mangel/ernaehrung-in-der-schwangerschaft/vitamin-b12-mangel-aktuelle-erkenntnisse-und-empfehlungen-fuer-d/25536058
6 Obeid R et al. Diagnosis, Treatment and Long-Term Management of Vitamin B12 Deficiency in Adults: A Delphi Expert Consensus. J Clin Med 2024; 13(8): 2176
7 Chapman et al.: Association between metformin and vitamin B12 deficiency in patients with type 2 diabetes: A systematic review and meta-analysis. Diabetes Metab 2016 Nov; 42(5): 316-327
8 Yang W et al.: Associations between metformin use and vitamin B12 level, anemia and neuropathy in patients with diabetes: a meta-analysis. J Diabetes 2019 Sep; 11(9): 729-743
9 Didangelos T et al.: Vitamin B12 Supplementation in Diabetic Neuropathy: A 1-Year, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Nutrients 2021; 13(2): 395
10 Andrès et al.: Systematic review and pragmatic clinical approach to oral and nasal vitamin B12 (Cobalamin) treatment in patients with vitamin B12 deficiency related to gastrointestinal disorders. J Clin Med 2018 Sep 26; 7(10): 304 
11 Bolaman Z et al.: Oral versus intramuscular cobalamin treatment in megaloblastic anemia: A single-center, prospective, randomized, open-label study. Clinical Therapeutics 2003; 25(12): 3124-3134
12 Vidal-Alaball J et al.: Oral vitamin B12 versus intramuscular vitamin B12 for vitamin B12 deficiency. Cochrane Database Syst Rev 2005 Jul 20; 20(3): CD004655
13 Sands T et al.: Vitamin B12 deficiency: NICE guideline summary. BMJ 2024; 385: q1019
14 Djukic M, von Arnim CAF.: B-Vitamine in der Geriatrie – was bestimmen, was ersetzen? Dtsch Med Wochenschr 2021; 146(3): 152-156
15 Bailey RL et al.: Monitoring of vitamin B-12 nutritional status in the United States by using plasma methylmalonic acid and serum vitamin B-12. Am J Clin Nutr 2011 Aug; 94(2): 552-561
16 Mansour A et al.: Efficacy of Oral Vitamin B-12 at 1000 μg Compared with 2000 μg on Neuropathic Outcomes in Patients with Diabetic Peripheral Neuropathy and Low Serum Vitamin B-12: a Randomized Clinical Trial. Nutr 2026 Mar; 156(3): 101368
17 Calderón-Ospina CA, Nava-Mesa MO: B Vitamins in the nervous system: Current knowledge of the biochemical modes of action and synergies of thiamine, pyridoxine, and cobalamin. CNS Neurosci Ther 2019 Sep 6; 26(1): 5-13
18 Stirban A: Therapie der diabetischen Neuropathie. 27. Kongress der Föderation der Internationalen Donau-Symposia über Diabetes mellitus. Diabetes-Congress-Report 2013; 2: 4-10
19 Raj V et al.: Therapeutic potential of benfotiamine and its molecular targets. Eur Rev Med Pharmacol Sci 2018; 22: 3261-3273
19 Bozic I, Lavrnja I: Thiamine and benfotiamine: Focus on their therapeutic potential. Heliyon 2023 Nov 7; 9(11): e21839
20 Thornalley PJ et al.: High prevalence of low plasma thiamine concentration in diabetes linked to a marker of vascular disease. Diabetologia 2007 Oct; 50(10): 2164-2170
21 Schreeb KH et al.: Comparative bioavailability of two vitamin B1 preparations: benfotiamine and thiamine mononitrate. Eur J Clin Pharmacol 1997; 52(4): 319-320
22 Loew D: Pharmacokinetics of thiamine derivatives especially of benfotiamine. Inter J of Clin Pharm and Ther 1996; 34(2): 47-50
23 Stracke H et al.: Benfotiamine in diabetic polyneuropathy (BENDIP): results of a randomised, double blind, placebo-controlled clinical study. Exp Clin Endocrinol Diabetes 2008; 116: 600-605
 

Autorin
Biologin Dr. Daniela Birkelbach

Dr. Daniela Birkelbach

Gesellschaft für Biofaktoren e.V.
www.gf-biofaktoren.de
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de