Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Allgemein- & Innere Medizin, Aus der Industrie Allgemein- & Innere Medizin PharmaNews
csU

Novartis' Rhapsido®: Neuer Wirkansatz, rasche Symptomkontrolle – oraler BTK-Inhibitor erweitert die Therapieoptionen bei der chronischen spontanen Urtikaria (csU)

Mit Remibrutinib (Rhapsido®) steht erstmals ein oraler, hochselektiver Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor zur Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria (csU) zur Verfügung – zugelassen für erwachsene Patient*innen die trotz H₁-Antihistaminika weiterhin symptomatisch sind.1


28.07.2026
Novartis Pharma GmbH
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Beim Novartis-Fachpressegespräch „Remibrutinib bei chronischer spontaner Urtikaria: Neue Zulassung, Praxisrelevanz und partizipative Therapieentscheidung“ am 08. Juli 2026 in München präsentierten Prof. Dr. med. Martin Metz, stellvertretender Direktor des Instituts für Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin und Dr. med. Ralph von Kiedrowski, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Allergologie, Dermatologische Spezialpraxis Selters, aktuelle Auswertungen aus den Phase-III-Studien REMIX-1 und REMIX-2 zur Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Therapieansatzes. Ergänzend beleuchtete Dr. med. Beate Schwarz, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie, Hautarztpraxis Langenau, die Bedeutung partizipativer Therapieentscheidungen in der csU-Versorgung.

Früher Wirkeintritt und populationsübergreifende Wirksamkeit unter Remibrutinib

In der gepoolten Analyse von 912 Patient*innen zeigte Remibrutinib bei einer Dosierung von 25 mg zweimal täglich bereits in Woche 1 eine deutliche Reduktion des wöchentlichen Urtikaria Aktivitäts-Scores (UAS7) gegenüber Placebo (18,8 vs. 26,1).3 Der rasche Wirkeintritt spiegelt sich in den täglichen Scores wider: Innerhalb von nur 12 Stunden nach Behandlungsbeginn erreichten bereits 6,5 % der mit Remibrutinib behandelten Patient*innen mit niedrigen UAS-Werten eine bessere Symptomkontrolle – gegenüber 2,4 % unter Placebo. Am siebten Behandlungstag war dieser Anteil auf 37 % gestiegen (vs. 9,7 %).3 Auch bei den täglichen Scores für Quaddeln (HSS) und Juckreiz (ISS) waren unter Remibrutinib deutlich mehr Patient*innen ohne Quaddeln und ohne Juckreiz.4 Dabei zeigte sich die Wirksamkeit konsistent über alle Patient*innengruppen hinweg unabhängig vom Immunglobulin E (IgE)-Ausgangswert, demografischen Merkmalen oder der jeweiligen Vorbehandlungssituation, ob Anti-IgE-naiv, -erfahren oder -refraktär.4-6

„Patient*innen, die trotz Standardtherapie an den Symptomen einer chronischen spontanen Urtikaria leiden, benötigen wirksame weiterführende Therapieoptionen. Die REMIX-Daten zeigen: Remibrutinib wirkt rasch und das Ansprechen bleibt über 52 Wochen stabil – und das unabhängig von Vorbehandlung oder demografischen Merkmalen. Für uns als behandelnde Ärzt*innen ist das ein wichtiges Signal. Wir haben jetzt eine weitere Option, die breit und verlässlich wirkt“, so Prof. Dr. med. Martin Metz.

Subgruppenanalysen bestätigen Praxisrelevanz von Remibrutinib

Subgruppenanalysen der REMIX-Studien belegen die praxisrelevante Breite des Therapieeffekts. Remibrutinib wirkte bei Patient*innen mit unzureichendem Ansprechen auf H₁-Antihistaminika schnell und langanhaltend – unabhängig vom IgE-Spiegel und konsistent über die untersuchten csU-Endotypen hinweg.6,7 Auch bei der Angioödem-assoziierten csU zeigte sich eine hohe Wirksamkeit. Bereits in Woche 1 erreichte ein größerer Anteil der Patient*innen unter Remibrutinib einen Angioödem-Aktivitäts-Score (AAS7) von 0, also vollständige Freiheit von Angioödemen. Dieser Effekt hielt bei 82,4 % der Betroffenen bis Woche 52 an.8

Remibrutinib verbesserte bereits ab Woche 1 messbar Schlaf und Alltagsaktivität, zwei durch die csU häufig stark beeinträchtigte Bereiche des Alltags.9 Die Verbesserung des Sleep Interference Score (SIS7) gegenüber dem Ausgangswert war unter Remibrutinib vs. Placebo bereits in Woche 1 stärker ausgeprägt (REMIX-1: −5,2 vs. −2,3; REMIX-2: −4,4 vs. −1,5) und blieb bis Woche 24 bestehen (REMIX-1: −9,9 vs. −7,6; REMIX-2: −8,7 vs. −6,5). Für den Activity Interference Score (AIS7) zeigte sich ein vergleichbares Bild (Woche 1: REMIX-1: −5,9 vs. −2,8, REMIX-2: −5,2 vs. −1,7; Woche 24: REMIX-1: −9,9 vs. −8,0, REMIX-2: −9,2 vs. −6,8).9 Bis Woche 24 erreichte zudem ein deutlich größerer Anteil der mit Remibrutinib behandelten Patient*innen eine vollständige Abwesenheit von Schlaf- bzw. Aktivitätsbeeinträchtigung (SIS7=0 bzw. AIS7=0) im Vergleich zu Placebo (rund 60 % vs. rund 40 %).9 Darüber hinaus sank der Dermatologische Lebensqualitäts-Index (DLQI) bis Woche 24 von einer „sehr großen“ auf eine „geringe“ Beeinträchtigung (REMIX-1: 4,3 vs. 6,1 Punkte unter Placebo; REMIX-2: 4,5 vs. 7,2 Punkte unter Placebo) – ein Unterschied war bereits in Woche 4 erkennbar.10

Dr. med. Ralph von Kiedrowski hob die Praxisrelevanz dieser Daten hervor: „csU bedeutet für Betroffene jahrelangen Leidensdruck mit quälendem Juckreiz und unvorhersehbaren Schüben, die den Alltag massiv einschränken. Remibrutinib setzt hier als erste orale, zielgerichtete Therapieoption an. Es ist einfach in der Anwendung, gut verträglich und kann den Betroffenen damit spürbar mehr Lebensqualität und Handlungsfähigkeit im Alltag zurückgeben“.

Das Sicherheitsprofil von Remibrutinib war im Allgemeinen vergleichbar mit Placebo – nur Petechien wurden in dem Placebo-kontrollierten Studienzeitraum von 24 Wochen häufiger unter Remibrutinib im Vergleich zu Placebo (3,8 % vs. 0,3 %) berichtet. Diese waren überwiegend mild oder moderat und im Allgemeinen vorübergehend. Sie traten in der Regel innerhalb der ersten drei Monate der Behandlung auf und nahmen unter der Langzeitbehandlung in den REMIX-Studien nicht an Häufigkeit zu. Es wurde kein Zusammenhang mit Veränderungen der Thrombozytenzahl oder der Gerinnungsparameter festgestellt.11,12

Shared Decision Making in der csU: Neue Therapieoption, neue Gesprächsgrundlage

Die Real-World-Studie Urticaria Voices verdeutlicht den Handlungsbedarf bei csU-Patient*innen: Über 80 % der csU-Patient*innen erreichen keine ausreichende Krankheitskontrolle, obwohl der Großteil bereits Antihistaminika erhält. Drei von vier Betroffenen berichten selbst nach Dosiserhöhung keine oder nur teilweise Verbesserung.13 Angesichts einer Erkrankung mit stark variierenden Symptomen und langer Krankheitsdauer gewinnt die partizipative Therapieentscheidung (Shared Decision Making, SDM) in der csU-Versorgung an Relevanz. „Patient*innenpräferenzen – von der Applikationsform über die Einbindung in den Lebensalltag bis hin zu persönlichen Therapiezielen – sind entscheidende Faktoren für Therapietreue und Behandlungszufriedenheit. Mit einer oralen Option, die nach H₁-Antihistaminika-Versagen zur Verfügung steht, eröffnen sich für Betroffene und Behandelnde neue Möglichkeiten im gemeinsamen Therapiegespräch“, erläuterte Dr. med. Beate Schwarz.

Über Remibrutinib

Remibrutinib ist ein hochselektiver, kovalenter, oral zu verabreichender BTK (Bruton-Tyrosinkinase)-Inhibitor. Die Aktivierung der BTK-Signalkaskade sorgt bei csU für die Ausschüttung von Histamin, welches Quaddeln und Schwellungen verursacht. Durch die Blockade von BTK wird dieser Vorgang verhindert.14-16 In Phase-III-Studien zeigte Remibrutinib bei Patient*innen mit mittelschwerer bis schwerer csU eine signifikante Verbesserung der Symptomkontrolle (p < 0,001).11 Die Überlegenheit von Remibrutinib gegenüber Placebo zeigte sich bereits in Woche 1 und war durchgehend statistisch signifikant (p < 0,001).11 Das Ansprechen hielt bis Woche 52 an.17 Remibrutinib zeigte eine gute Verträglichkeit und ein günstiges Sicherheitsprofil, wobei die Ergebnisse der Leberfunktionstests bis in Woche 52 unauffällig waren.11,17 In REMIX-1 und -2 war die Häufigkeit von Nebenwirkungen in der Remibrutinib- und der Placebo-Gruppe nach 24 Wochen vergleichbar. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse (Inzidenz ≥3 %) waren Infektionen der Atemwege, Petechien, Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen.18,19 Petechien wurden häufiger unter Remibrutinib im Vergleich zu Placebo (3,8 % vs. 0,3 %) berichtet.11 Neben der csU wird Remibrutinib auch bei anderen immunvermittelten Erkrankungen untersucht.

Über REMIX-1 und REMIX-2

REMIX-1 (NCT05030311) und REMIX-2 (NCT05032157) sind zwei identisch konzipierte globale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudien der Phase III, wobei REMIX-1 aus 470 und REMIX-2 aus 455 Teilnehmenden besteht.18,19 Beide Studien waren darauf ausgelegt, die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit einer zweimal täglichen Behandlung mit 25 mg Remibrutinib bei erwachsenen Teilnehmenden mit csU, die durch H1-Antihistaminika der zweiten Generation nur unzureichend kontrolliert wurden, im Vergleich zu Placebo, zu untersuchen.18-20 Zu den primären Endpunkten gehörten die absolute Veränderung des UAS7 gegenüber dem Ausgangswert sowie die absolute Veränderung des ISS7- und HSS7 in Woche 12.18,19 Alle Teilnehmenden erhielten während der gesamten Studie eine stabile, lokal zugelassene Dosis eines H1-Antihistaminikums der zweiten Generation. Teilnehmende der Studien REMIX-1 und REMIX-2 wurden bis zur Woche 52 weiter behandelt und haben die Möglichkeit, an einer langfristigen Verlängerungsstudie teilzunehmen.18-20

Über chronische spontane Urtikaria (csU)

Die csU ist eine systemische Autoimmunerkrankung, die ohne erkennbaren Auslöser mit einer Dauer von insgesamt mehr als 6 Wochen im Laufe eines Jahres auftritt.21 Sie äußert sich durch plötzlich auftretende Angioödeme und/oder Quaddeln.21 Mehr als eine halbe Million Menschen sind in Deutschland von einer csU betroffen.22 Im Durchschnitt verläuft die Erkrankung über ein bis fünf Jahre, erst danach klingt sie wieder ab oder verschwindet ganz. Manche Patient*innen leben jedoch jahrzehntelang mit der csU. Über die Hälfte (57 %) der therapierefraktären Patient*innen leidet mehr als ein Jahr unter der csU, fast jede*r Fünfte (18 %) ist sogar mehr als acht Jahre von der Erkrankung betroffen.23 Die csU tritt generell bei allen Altersgruppen auf, besonders häufig aber zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.22

1. Fachinformation Rhapsido®. Aktueller Stand.
2. European Medicines Agency (EMA). Rhapsido. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/rhapsido (zuletzt aufgerufen am 16.06.2026).
3. Windom H, et al. AAAAI 2026. Poster P039.
4. Saini S, et al. EADV 2025. P2453.
5. Mosnaim G, et al. AAAAI 2024. Poster L28.
6. Reed J, et al. EAACI 2025. OAS-CT2.
7. Metz M, et al. EAACI 2024. Präsentation L-OAS-CT-01.
8. Hide M, et al. EAACI 2025, Abstract 000816.
9. Snyder R, et al. AAD 2025. Poster 62278.
10. Reed J, et al. EADV 2024. Poster P3620.
11. Metz M, et al. N Engl J Med 2025;392:984-94.
12. Giménez-Arnau AM, et al. J Allergy Clin Immunol Pract. 2026. Safety of remibrutinib in chronic spontaneous urticaria: a pooled analysis of REMIX-1 and REMIX-2 trials.
13. Weller K, et al. Dermatol Ther (Heidelb) 15 (2025), 747-761.
14. Angst D, et al. J Med Chem. 2020;63(10):5102-5118.
15. Powell RJ, et al. Clin Exp Allergy. 2015;45(3):547-565.
16. Maurer M, et al. J Allergy Clin Immunol. 2022;150(6):1498-1506.e2.
17. Giménez-Arnau AM, et al. J Allergy Clin Immunol. 2026 Jan;157(1):143-154.
18. Novartis Pharmaceuticals. https://clinicaltrials.gov/study/NCT05030311 (zuletzt aufgerufen am 16.06.2026).
19. Novartis Pharmaceuticals. https://clinicaltrials.gov/study/NCT05032157 (zuletzt aufgerufen am 16.06.2026).
20. Zuberbier T, et al. Allergy. 2026 Feb 6. doi: 10.1111/all.70210.
21. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-028l_S3_Klassifikation-Diagnostik-Therapie-Urtikaria_2022-04.pdf (zuletzt aufgerufen am 16.06.2026).
22. Maurer M, et al. Allergy. 2011;66(3):317-330.
23. Maurer M, et al. EAACI 2018. Abstract 0401.

Quelle: Novartis Pharma GmbH