Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Dermatologie, Abrechnung, Wirtschaft, Allgemein- & Innere Medizin, Gefäßmedizin, Gynäkologie, Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie, Urologie Dermatologie, Allgemein- & Innere Medizin, Gefäßmedizin, Gynäkologie, Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie, Urologie Wirtschaft
Aus dem Kollegenkreis

Personalkosten in der ärztlichen Praxis: Was ist angemessen?

Ein Dermatologe wundert sich über hohe Personalkosten – über 50 % vom Praxisumsatz. Doch wie viel ist in einer Facharztpraxis angemessen? Diplom-Kauffrau Litwinski liefert Vergleichszahlen und erklärt regionale Unterschiede.


30.06.2025
S. Litwinski
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Wie hoch dürfen Personalkosten in der Dermatologie sein?

Frage: Ich bin niedergelassener Dermatologe. Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit meinem Steuerberater und der teilte mir mit, dass mein Anteil der Personalkosten mit über 50 % vom Umsatz exorbitant hoch sei. Welcher Anteil ist denn für eine hautärztliche Gemeinschaftspraxis (ein Inhaber, ein angestellter Arzt, vier/fünf MFA) angemessen? An welchen Stellschrauben kann man drehen?

Frau Litwinski: Die Diskussion über Personalkosten ist in nahezu jeder Branche ein aktuelles und kontroverses Thema. Insbesondere die Frage, welcher Prozentsatz des Umsatzes für Personalaufwendungen aufgebracht werden sollte, führt häufig zu intensiven Debatten, da es hier keine pauschale Antwort gibt.

Aufgrund Ihrer Frage ergeben sich zwei wesentliche Aspekte, die einer näheren Betrachtung bedürfen: Zum einen spielt der Umsatz der Praxis eine zentrale Rolle, zum anderen sind die Personalkosten von entscheidender Bedeutung. Es gilt zu unterscheiden, ob – im Einzelfall – der Umsatz im Verhältnis zu den Kosten zu gering ist oder ob die Personalkosten im Vergleich zum Umsatz zu hoch ausfallen. Allein die Kennzahl von 50 % Personalkosten ermöglicht noch keine abschließende Bewertung.

Um einen fundierten Überblick zu erhalten, lohnt es sich, die durchschnittlichen Personalkosten dermatologischer Praxen – seien es Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) oder Einzelpraxen – näher zu betrachten. Einmal allgemein vorab: Laut uns vorliegenden Branchenauswertungen sowie Daten unserer heilberuflichen Mandanten liegen die Werte in den alten Bundesländern im Schnitt bei etwa 27 %, während in den neuen Bundesländern ein etwas geringerer Wert von rund 26 % zu verzeichnen ist. Zusätzlich zeigen sich je nach ärztlicher Fachrichtung weitere Unterschiede. So zählen Radiologen mit durchschnittlichen Personalkosten zwischen 32 % und 30 % (alte vs. neue Bundesländer) zu den Spitzenreitern, während Allgemeinmediziner, die mit Werten zwischen 26 % und 24 % zu Buche schlagen, eher im Mittelfeld angesiedelt sind.

Speziell für Ihre Frage, die eine Praxis mit einem Inhaber und einem angestellten Arzt betrifft, offenbaren sich die angesprochenen regionalen Unterschiede ebenfalls. Vergleichsdaten legen nahe, dass in Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Personalkosten durchschnittlich bei etwa 41 % liegen, wohingegen in Thüringen und Berlin eher Werte um 45 % erreicht werden. Auch hier variiert die Spannbreite, denn man darf stets die individuelle Praxissituation nicht vergessen. Die Anzahl der Angestellten, die individuelle Qualifikation, Berufserfahrung oder auch übertarifliche Bezahlung dieser, führen zu unterschiedlich hohen Personalkosten.

Aktuelle Auswertungen des Statistischen Bundesamts belegen außerdem, dass die Personalkosten – bedingt durch erhöhte Mindestlöhne, neue Tarifverträge sowie gestiegene Investitionen in technische Ausstattung, Lizenzen und Fortbildungen – in vielen Branchen kontinuierlich ansteigen.

Gleichzeitig eröffnen fortschreitende Digitalisierungsmaßnahmen allerdings auch attraktive Optimierungspotenziale. Eine Vielzahl von Praxen profitiert bereits seit Jahren von z. B. modernen Terminplanungssystemen, die dabei helfen, Doppelerfassungen zu vermeiden und interne Abläufe effizienter zu gestalten. Eine regelmäßige Überprüfung sowie Verfeinerung dieser Prozesse trägt in jeder Praxis nicht nur zur Kostensenkung bei, sondern verbessert auch das gesamte Arbeitsumfeld.

Letztendlich sollten Sie stets bedenken: Ihr Personal ist die wertvollste Ressource Ihres Unternehmens. Die Förderung von Zufriedenheit und Wertschätzung im Team spielt eine entscheidende Rolle dabei, auch zukünftige Fluktuationskosten nachhaltig zu senken.



Autorin

Sabrina Litwinski
Diplom-Kauffrau, MPH
Treuhand Hannover Steuerberatung und Wirtschaftsberatung für Heilberufe GmbH
sabrina.litwinski(at)treuhand-hannover.de