Rund 248.000 Menschen mussten sich im Jahr 2023 hierzulande wegen eines akuten Schlaganfalls in stationäre Behandlung begeben, mehr als 37.000 starben 2022 an den Folgen. Ein erheblicher Anteil dieser Ereignisse ließe sich durch bessere Prävention und rechtzeitige Behandlung von Verengungen der Halsschlagader (Carotisstenose) vermeiden.
Carotisstenose durch Ablagerungen an den Gefäßwände
Eine Carotisstenose entsteht durch Ablagerungen an den Gefäßwänden. Lösen sich daraus kleine Partikel oder Blutgerinnsel, können sie Hirngefäße verstopfen und einen Schlaganfall auslösen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten, Bewegungsmangel oder Nikotinkonsum.
„Prävention bedeutet, diese Risikofaktoren konsequent zu behandeln“, erklärt Prof. Farzin Adili, Präsident der DGG. Die aktuelle europäische Leitlinie empfiehlt dafür die sogenannte „beste medikamentöse Therapie“ – mit gezielter Senkung des LDL-Cholesterins, Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, Rauchstopp, regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung. Diese Maßnahmen senken das Schlaganfallrisiko messbar und bilden die Grundlage jeder Behandlung, unabhängig davon, ob die Carotisstenose operiert werden muss oder nicht.
Fazit: Prävention von Schlaganfall bei Carotisstenose
Risikofaktoren für eine Carotisstenose
Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten, Bewegungsmangel oder Nikotinkonsum
Prävention einer Carotisstenose laut aktueller europäischer Leitlinie
Behandlung der Risikofaktoren: gezielte Senkung des LDL-Cholesterins, Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, Rauchstopp, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung
Warnsignale für eine akute Durchblutungsstörungen im Gehirn
Plötzliche Sehstörungen, Sprachprobleme, Taubheitsgefühle oder Lähmungen einer Körperseite, dann Notruf 112 wählen und in eine Schlaganfall-Einheit im Krankenhaus bringen lassen
Therapie bei Carotisstenose
- Bei relevanter Verengung: Carotisendarteriektomie innerhalb von 14 Tagen nach dem ersten Schlaganfall-Ereignis
- Geringfügige Verengung ohne Beschwerden: Abschätzung von Schweregrad, Beschaffenheit der Plaques und individuellem Risiko des Patienten. Ggf. reicht eine optimale medikamentöse Therapie.
Früherkennung
Laut DGG kein flächendeckendes Screening, sondern gezielte Ultraschalluntersuchungen bei Risikofaktoren oder Warnsymptomen
Warnzeichen für einen Schlaganfall
Treten Warnzeichen auf, die auf eine akute Durchblutungsstörung im Gehirn hinweisen, ist sofortiges Handeln entscheidend. Dazu gehören plötzliche Sehstörungen, Sprachprobleme, Taubheitsgefühle oder Lähmungen einer Körperseite. „Zeit ist Hirn“, betont Adili. Betroffene sollten umgehend den Notruf 112 wählen und sich in ein Krankenhaus mit Schlaganfall-Einheit bringen lassen. Dort kann rasch festgestellt werden, ob eine relevante Verengung der Halsschlagader als Ursache für die Minderdurchblutung des Gehirns vorliegt. In diesen Fällen sollte die Carotisendarteriektomie, bei der die Ablagerung entfernt wird, möglichst innerhalb von 14 Tagen nach dem ersten Schlaganfall-Ereignis erfolgen. Studien zeigen, dass frühe Eingriffe das Risiko eines erneuten und schwereren Schlaganfalls deutlich reduzieren.
Nicht jede Carotisstenose muss operiert werden
Bei beschwerdefreien, zufällig entdeckten Verengungen gilt: Nicht jede Stenose muss operiert werden. Entscheidend sind der Schweregrad, die Beschaffenheit der Plaques und das individuelle Risiko der Patientin oder des Patienten. „Mit dem Alter werden Ablagerungen in der Halsschlagader häufiger, aber nicht jede Verengung ist gefährlich“, so Adili. Moderne Studien belegen, dass eine optimale medikamentöse Behandlung bei vielen Betroffenen ebenso wirksam ist wie ein Eingriff. Operationen oder Stentimplantationen sollten deshalb nur nach sorgfältiger Abwägung im interdisziplinären Gefäßboard erfolgen.
Gezielte Früherkennung statt Massenscreening
Auch bei der Früherkennung setzt die DGG auf Augenmaß. Ein flächendeckendes Screening der Bevölkerung ist weder sinnvoll noch empfohlen. Die US-Taskforce Preventive Services stufte es 2021 sogar als schädlich ein, weil die Risiken von Überdiagnosen und unnötigen Eingriffen überwiegen. Stattdessen sollten gezielte Ultraschalluntersuchungen erfolgen, wenn Risikofaktoren vorliegen oder Warnsymptome aufgetreten sind. So lässt sich verhindern, dass kritische Engstellen unentdeckt bleiben – ohne gesunde Menschen zu verunsichern.
Risiko für Schlaganfall senken - DGG fordert Qualität und Prävention
Um das Schlaganfallrisiko in Deutschland nachhaltig zu senken, fordert die DGG klare Qualitätsstandards in der Versorgung. „Operationen an der Halsschlagader sollten ausschließlich in zertifizierten Zentren mit ausgewiesener Expertise und enger Zusammenarbeit zwischen Gefäßchirurgie und Neurologie durchgeführt werden“, betont der DGG-Präsident. Zudem müsse die Vorgabe umgesetzt werden, dass Eingriffe bei Stenosen, die Beschwerden auslösen, innerhalb von 14 Tagen nach einem leichten Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke erfolgen.
DGG fordert Qualitätsstandards in der Versorgung einer Carotisstenose
- OP an der Halsschlagader ausschließlich in zertifizierten Zentren mit ausgewiesener Expertise und enger Zusammenarbeit zwischen Gefäßchirurgie und Neurologie
- Eingriffe bei Stenosen, die Beschwerden auslösen, sollen innerhalb von 14 Tagen nach einem leichten Schlaganfall oder einer transitorischen ischämischen Attacke erfolgen.
- Finanzierung von Programmen zur Raucherentwöhnung, zur Blutfett- und Blutdruckkontrolle sowie zur Bewegungsförderung.
- optimale medikamentöse Begleitung und Lebensstilkontrolle sowohl vor als auch nach einem Eingriff an der Halsschlagader
Finanzierung von Gesundheitsprogrammen
Ebenso wichtig sei, Programme zur Raucherentwöhnung, zur Blutfett- und Blutdruckkontrolle sowie zur Bewegungsförderung konsequent zu finanzieren. Denn Prävention (sowohl primär als auch sekundär) ist kosteneffektiv und rettet Leben. „Prävention ist die wirksamste Form der Schlaganfalltherapie“, fasst Adili zusammen. „Ohne konsequente Behandlung der Risikofaktoren kann keine Operation langfristig erfolgreich sein. Die optimale medikamentöse Begleitung und Lebensstilkontrolle sind sowohl vor als auch nach einem Eingriff an der Halsschlagader essenziell, um einen Schlaganfall zu verhindern.“