Der Körper besitzt die Fähigkeit, sich selbst zu heilen. So ist die Therapie mit Platelet-rich Plasma (PRP, thrombozytenreiches Plasma) eine Form der regenerativen Medizin, die als extrem vielversprechend gilt. Schließlich sind das Potenzial und das Indikationsspektrum von PRP bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Diese Übersicht zeigt, wo sich PRP zum derzeitigen Stand am effektivsten einsetzen lässt.
13.02.2023
H. Pototschnig
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Zitierweise: HAUT 2023;34(3):92-100.
Abstract
The body has the ability to heal itself. Therapy with platelet rich plasme (PRP) is considered an extremely promising form of regenerative medicine. After all, the potential and the spectrum of indications of PRP are not yet fully tapped. This overview shows where today PRP can be applied most effectively.
Von Haarausfall ist die Rede, wenn kontinuierlich deutlich mehr als die normalerweise 100 Haare am Tag ausfallen. Um Haarausfall zu behandeln, stehen mittlerweile zahlreiche Therapien zur Verfügung. Die Ansprechrate ist dabei allerdings individuell sehr unterschiedlich und reicht von 30 bis zu 80 Prozent. Eine der derzeit modernsten Therapien ist die Injektion von PRP. Diese zeichnet sich als autologe Behandlung durch ihre geringe Nebenwirkungsrate aus.
Rechtzeitig angewandt, kann PRP den Haarausfall bremsen bzw. stoppen. Durch die Verlängerung der Lebensdauer der dermalen Papillazellen und der anagenen Phase (Haarwachstumsphase) ist in vielen Fällen auch eine Zunahme der Haardichte möglich.
Je fortgeschrittener die Alopezie ist, umso schwieriger gestaltet sich die Behandlung. Sollte bereits eine Glatze (Hamilton Norwood V) sichtbar sein, ist oft nur noch eine Haartransplantation eine effektive, dauerhafte Behandlungsoption.
Auch um den Erfolg der Haartransplantation zu optimieren, bietet sich PRP an. Es wird vielfach am Ende der Transplantation und dann noch zwei weitere Male im Verlauf zum Boostern appliziert. Auch vor der Haartransplantation wird ein Vorbereiten der Kopfhaut mit PRP unter Experten diskutiert, ist jedoch noch weniger etabliert.
PRP/ PRF
PRF steht für Platelet-rich Fibrin. Dieser Begriff wird in Deutschland historisch bedingt vor allem dem Dentalbereich zugeordnet. Zahnärztinnen und-ärzte verwenden seit vielen Jahren PRF-Membranen, zum Beispiel nach Zahnextraktionen. Per Definition ist jedoch auch ein flüssiges PRP – sofern es reich an Fibrinogen ist – ein PRF. Fibrinogen spielt als Akutphaseprotein eine wichtige Rolle bei der Wundheilung. Studien belegen, dass flüssiges PRF Hautfibroblasten und die Kollagensynthese stärker stimuliert als konventionelles PRP. Mit dem entsprechenden PRP-System und Aufbereitungsprotokoll (langsame Zentrifugation ohne Zugabe eines Antikoagulans) lässt sich einfach und schnell in der Praxis ein fibrinreiches PRP bzw. flüssiges PRF herstellen.
Behandlungsablauf
Zur raschen Herstellung von autologem thrombozytenreichem Plasma wird abgenommenes Blut über fünf Minuten zentrifugiert (1.500 rpm). Das daraufhin entnommene Plasmakonzentrat lässt sich dann über ein Zeitfenster von 30 Minuten hinweg verabreichen. Innovative Verfahren zur Gewinnung eines fibrinreichen PRP bzw. flüssigen PRF arbeiten dabei mit einem Doppelspritzensystem, bei dem die Zentrifugation direkt nach der Blutabnahme in der Doppelspritze erfolgt. So können fünf bis sechs Milliliter PRP mit einer Thrombozytenkonzentration gewonnen werden, die etwa um das Zweieinhalbfache höher als der Ausgangswert ist.
Die überwiegende Mehrheit der Patientinnen und Patienten, die sich mit PRP behandeln lassen, leiden an androgenetischer Alopezie. Evans und Kollegen publizierten kürzlich ein Review samt Metaanalyse mit 30 Studien bzw. 687 Patienten zum Thema PRP und androgenetische Alopezie. 29 von 30 Studien berichten positive Ergebnisse, 24 Studien erreichen statistische Signifikanz bei einem gemessenen Parameter. Im Review enthalten waren zehn randomisierte kontrollierte Studien. Die Metaanalysen zeigten, dass die PRP-Behandlung die Haardichte und Haardicke erhöht (entsprechende Erfahrungen aus der Praxis zeigen eine etwa 15-prozentige Verbesserung).
Nicht zu verachten ist gerade bei ästhetischen Behandlungen auch die Patientenzufriedenheit, die wir in unserer kürzlich publizierten Studie (unabhängig vom Geschlecht) aufzeigen. Lediglich in vier Prozent der Fälle ließen sich keine Effekte feststellen. Dabei muss einem bewusst sein, dass sich die zu erzielenden Ergebnisse entsprechend dem individuellen Krankheitsbild unterscheiden. So können wir zwar die Präparation von PRP unter Verwendung hochwertiger PRP-Kits standardisieren. Jedoch fällt die positive Reaktion der Behandelten auf die eigenen Wachstumsfaktoren individuell unterschiedlich stark aus.
Trend: autologe Substanzen
Das Konzept der körpereigenen Heilung bzw. regenerativen Medizin findet immer mehr Beachtung. PRP ist bereits für zahlreiche Indikationen etabliert. Behandlungen mit autologen mesenchymalen Stammzellen, gewonnen aus Ursprungsgewebe wie Fett oder Knochenmark, sind dagegen weniger weit verbreitet. Denn die Gewinnung dieser Zellen ist deutlich aufwendiger und zudem sind die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa komplex. Dennoch werden autologe mesenchymale Stammzellen zunehmend verstärkt in Medizin und Ästhetik eingesetzt. Mit einer weiteren Zunahme regenerativer Verfahren ist definitiv zu rechnen.
Mikrofett und Stammzellen aus Fettgewebe in Verbindung mit PRP
Sowohl Mikro- als auch Makrofett eignen sich für sogenannte Lipofillings. Hierbei werden anstelle eines synthetischen Füllstoffs (z. B. Hyaluronsäurefiller) körpereigene Fettpartikel zur Augmentation und Faltenunterspritzung im Gesicht verwendet. Da Fett meist in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht und nicht pro Milliliter erworben werden muss, bieten sich diese Verfahren vor allem zur Behandlung des gesamten Gesichts an. SVF (stromal vascular fraction oder – vereinfacht gesagt – Stammzellen aus Fettgewebe) und auch PRP sind aber keine Filler im eigentlichen Sinne. Sie verfügen allerdings über ein hohes regeneratives Potenzial und können dort eingesetzt werden, wo keine oder kaum eine Volumensteigerung gewünscht ist (z. B. zur Verbesserung der Hautstruktur). PRP und SVF können übrigens wunderbar mit Mikrofett kombiniert werden und damit die Einheilrate des Fett-Transplantats deutlich verbessern.
Autor
BEAUTY & LIPS Dr. med. Hanno Pototschnig Regerstr. 72, 81541 München E-Mail: info(ett)beautyandlips.de www.beautyandlips.de
1. Hetz SP, Martin J, Pototschnig H. Patient Satisfaction and Clinical Effects of Platelet-Rich Plasma on Pattern Hair Loss in Male and Female Patients. Cureus. 2022 Sep 5;14(9):e28801. https://doi.org/10.7759/cureus.28801
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