RSV-Impfung: Deutlicher Schutz bei Risikogruppen
Ein neuer Cochrane Review zeigt, wie effektiv die RSV-Impfung für ältere Menschen und Säuglinge ist – und welche kritischen Fragen noch offenbleiben.
Ein aktueller Cochrane Review ging der Frage nach, wie gut Personen nach einer Impfung gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) vor Infektionen der tiefen Atemwege geschützt sind.
Zur Risikogruppe gehören dabei Frühgeborene und Säuglinge unter einem halben Jahr sowie Ältere über 65 und Menschen mit geschwächter Immunabwehr, Diabetes, Herz- und Lungenkrankheiten und anderen Grunderkrankungen.
Ergebnisse für ältere Menschen und Säuglinge
Das Ergebnis: In der ersten RSV-Saison nach der Impfung sind ältere Erwachsene wirksam vor RSV-bedingten Erkrankungen der unteren Atemwege geschützt – also etwa vor Lungenentzündung und Bronchitis.
Von 1000 geimpften Menschen über 60 Jahren (durchschnittliches Alter in den Studien: 68,1 bis 69,5 Jahre) erkrankte in der darauffolgenden Infektionssaison nur etwa einer an einer RSV-bedingten Infektion der unteren Atemwege. Bei den Ungeimpften traf es dagegen rund fünf von 1.000 Personen.
Der Review hat zudem untersucht, was passiert, wenn Schwangere geimpft werden und den Immunschutz an ihre ungeborenen Babys weitergeben (drei Studien mit 12.010 Babys bis etwa ein Jahr bzw. zwei Studien mit 11.502 Babys dieser Altersgruppe für den Endpunkt „Hospitalisierung“).
Dabei zeigte sich: Von 1000 Babys geimpfter Mütter erkrankten lediglich elf an RSV-bedingten tiefen Atemwegsinfektionen – und bloß neun davon mussten ins Krankenhaus. Zum Vergleich: Ohne Impfschutz der Mutter erkrankten 24 von 1000 Babys an RSV-bedingten Infektionen der tiefen Atemwege und 19 mussten deshalb ins Krankenhaus.
Vertrauenswürdigkeit und Grenzen der Studien
Die Cochrane-Forschenden stufen die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz nach GRADE als „hoch“ ein – denn die ausgewerteten randomisiert kontrollierten Studien genügen hohen wissenschaftlich-methodischen Ansprüchen.
Allerdings: In den vier Studien mit älteren Erwachsenen wurden die Teilnehmenden nur über einen recht kurzen Zeitraum beobachtet. Deswegen ist lediglich klar, wie gut ältere Menschen in der ersten RSV-Saison nach ihrer Impfung geschützt sind. Ob die Schutzwirkung über diesen Zeitraum hinaus anhält, kann die Review also nicht sagen.
Zudem liefern die vier ausgewerteten Studien keine Erkenntnis darüber, ob die Impfung ältere Menschen vor Krankenhauseinweisungen oder gar Todesfällen wegen einer RSV-Infektion bewahrt. Denn beides ist so selten, dass selbst die vier großen Studien nicht ausgereicht haben, um zu dieser Frage genügend Daten zu sammeln.
Nebenwirkungen der RSV-Impfung?
Die Cochrane-Autorinnen und -Autoren haben sich auch schwerwiegende unerwünschte Wirkungen der RSV-Impfung angeschaut. Dabei gelangen sie zu der Einschätzung, dass es zwischen Geimpften und Ungeimpften möglicherweise keinen Unterschied gibt.
Tatsächlich wurde laut Robert Koch-Institut bei Überwachungsstudien in den USA beobachtet, dass Geimpfte im zeitlichen Zusammenhang mit der RSV-Impfung häufiger ein Guillain-Barré-Syndrom entwickeln (bis zu 25 Fälle pro 1 Mio. Impfungen) (STIKO: Epid. Bul. 2024; Nr. 32: 15), eine Nervenerkrankung, die mit Lähmungen einhergeht.
Verlässliche Schätzungen dazu, wie hoch das Risiko für seltene unerwünschte Wirkungen ist, fehlen bislang. Um die Sicherheit der RSV-Impfung noch besser beurteilen zu können, braucht es also weitere Postmarketingstudien.
STIKO-Empfehlung zur RSV-Impfung
Der nun veröffentlichte Cochrane Review stützt die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).
Vier randomisiert kontrollierte Studien mit rund 100 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden gepoolt und analysiert, ob und wie gut die Impfstoffe ABRYSVO und AREXVY sowie mRESVIA (Moderna) und ein weiterer, hierzulande nicht zugelassener Impfstoff vor dem RS-Virus schützen.
Die aktuellen STIKO-Empfehlungen zur RSV-Impfung sind für Sie unten im Kasten näher ausgeführt.
STIKO-Empfehlungen
Für ältere Menschen gibt es verschiedene Impfstoffe zur aktiven Immunisierung. Die STIKO empfiehlt derzeit die Impfstoffe ABRYSVO (Pfizer) oder AREXVY (GSK) – und die Impfung idealerweise spätestens Anfang Oktober und für alle ab 75 Jahren bzw. schon ab 60, wenn bestimmte Grunderkrankungen vorliegen.
In Deutschland wird die Impfung Schwangerer derzeit nicht empfohlen. Für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt die STIKO eine passive Immunisierung mit langwirksamen monoklonalen Antikörpern wie Nirsevimab (Handelsname: Beyfortus) passiv zu immunisieren und sie so vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen.
Der Review wurde in Auftrag gegeben und unterstützt von der Europäischen Kommission und der Europäischen Exekutivagentur für Gesundheit und Digitales (HaDEA) im Auftrag des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).
KM Saif-Ur-Rahman et al. Efficacy and safety of respiratory syncytial virus vaccines. Cochrane Database of Systematic Reviews 2025, Issue 9. Art. No.: CD016131. DOI: 10.1002/14651858.CD016131
Quelle: Cochrane Deutschland