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Brustkrebs

S3-Leitlinie Mammakarzinom aktualisiert: Personalisierte Therapien im Fokus

Die aktualisierte S3-Leitlinie Mammakarzinom enthält neue Empfehlungen für Diagnostik und Screening bei Brustkrebs und empfiehlt Deeskalationsstrategien bei operativen Therapien. Außerdem nahmen die Autoren und Autoren zahlreiche neue medikamentöse, personalsierte Therapien in die Leitlinie auf.


02.02.2026
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S3-Leitlinie
“Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms”

Auf einen Blick
 

  • Familiäre Belastung für Brustkrebs: Neue Kriterien für genetische Tests und angepasste Beratungs- und Therapiepfade
  • Deeskalation operativer Maßnahmen: In bestimmten Fällen Verzicht auf Sentinel-Lymphknotenbiopsie, Neubewertung der Axilladissektion
  • Personaliserte Behandlungsstrategien: auf das molekulargenetische Tumorprofil zugeschnittene Therapiepfade
  • Brustkrebs bei Transpersonen, Brustrekonstruktion und Brustkrebs bei speziellen Tumorentitäten


Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut Robert Koch-Institut erkranken jährlich rund 74.000 Menschen an dieser Tumorart. Etwa ein Prozent der Neuerkrankungen betrifft Männer. Da die Tumore, auch dank der Früherkennungsangebote, häufig in frühen Stadien erkannt werden, haben die meisten Patientinnen und Patienten eine gute Prognose. Auch Verbesserungen in der Versorgung haben dazu geführt, dass die Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist.

S3-Leitlinie Mammakarzinom - Screening und genetische Beratung weiterentwickelt

Die aktualisierte S3-Leitlinie zum Mammakarzinom trägt dazu bei, die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiterhin zu verbessern. Sie verweist auf gezieltere Behandlungswege, schonendere Verfahren und ein breites Spektrum neuer, innovativer Medikamente.

Etwa 30 Prozent aller Brustkrebserkrankten in Deutschland haben eine familiäre Belastung. Sie erfüllen die Einschlusskriterien für eine genetische Untersuchung. Für diese Patientinnengruppe gibt es in der Leitlinie neue Kriterien für genetische Tests und angepasste Beratungs- und Therapiepfade.

Deeskalation operativer Maßnahmen in aktueller S3-Leitlinie Mamakarzinom

Neu in der Leitlinie ist, dass für bestimmte Patientinnengruppen auf die Sentinel-Lymphknotenbiopsie (Sentinel-Node-Biopsie, SLNE) verzichtet werden soll. „Die Methode erfolgte bislang als Routineeingriff beim Mammakarzinom“, so Prof. Achim Wöckel, Universitätsklinikum Würzburg. Gemeinsam mit Prof. Ute-Susann Albert, Universitätsklinikum Würzburg, und Prof. Wolfgang Janni, Universitätsklinikum Ulm, koordiniert er die Aktualisierung der Leitlinie. „Mit der Methode wird überprüft, ob sich Zellen des Tumors im lokal angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. Studien zeigen aber, dass sie bei bestimmten Tumor-Eigenschaften keinen Vorteil bringt.“

Auch die Notwendigkeit axillärer Lymphknotenentfernung – die etwa zu Lymphödemen und Bewegungseinschränkungen im Arm führen kann – erhielt eine neue Bewertung. In der Adjuvanz soll bei ausschließlicher Mikrometastasierung auf eine weitere gezielte Therapie der Lymphabflussgebiete verzichtet werden. Behandler und Behandlerinnen sollte nun auch bei Betroffenen mit Mastektomie und anschließender Bestrahlung bei pT1-pT3/cN0-Tumoren und einem oder zwei positiven Sentinel-Lymphknoten auf eine Axilladissektion verzichten. Die ist bereits bei brusterhaltender Therapie bekannt. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung unnötiger operativer Eingriffe – ganz im Sinne der Deeskalation bei niedrigem Risiko“, sagt Wöckel.

Mehr Präzision der Therapie von Brustkrebs dank molekularer Marker

Die Autorinnen und Autoren ergänzten die Empfehlung, im Rahmen der Diagnostik eine ganze Reihe von Biomarkern zu bestimmen. Darüber hinaus nahmen sie in der Leitlinie eine umfangreiche Bewertung neuer medikamentöser Therapien vor.

Basierend auf den im Rahmen der Diagnostik bestimmten Tumormarkern sind die Therapien gezielt für das jeweilige molekulargenetische Profil des Tumors auszurichten. Dazu zählen etwa mit CDK4/6-Inhibitoren beim HR-positiven, HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom oder PARP-Inhibitoren bei BRCA1/2-Mutationen. Auch die Therapiewahl im metastasierten Stadium richtet sich künftig konsequenter nach molekulargenetischem Profil. HER2-low, PIK3CA-mutiert, BRCA-defizient – für all diese Subgruppen gibt es neue, auf das Tumorprofil zugeschnittene, Therapiepfade, die in der aktualisierten Leitlinie aufgeführt sind.

Die S3-Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Ebenso wirkten 47 weitere Fachgesellschaften und Organisationen mit.

Fazit

„Die neue S3-Leitlinie bringt eine klarere Ausrichtung auf personalisierte Behandlungsstrategien, reduziert überflüssige Eingriffe und integriert gezielt neue Wirkstoffe für definierte Patientinnengruppen“, so Wöckel. „Darüber hinaus haben wir ganze Themenbereiche aufgenommen, die es bislang noch nicht in der Leitlinie gab. Brustkrebs bei Transpersonen, Brustrekonstruktion und Brustkrebs bei speziellen Tumorentitäten. Nun gibt es auch für diese Fragestellungen in der Behandlung des Mammakarzinoms eine evidenzbasierte Orientierungshilfe.“

Literatur