S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom - Umfassende Aktualisierung in Diagnostik, Therapie und Nachsorge
Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zum Harnblasenkarzinom umfassend überarbeitet. Die Neuerungen betreffen Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Lebensqualität, Palliativmedizin und Nachsorge und bieten evidenzbasierte Empfehlungen für die klinische Praxis.
Die S3-Leitlinie zum Harnblasenkarzinom wurde im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie in ihrer dritten Version umfassend überarbeitet. Sie enthält aktualisierte Empfehlungen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Harnblasenkrebs und berücksichtigt dabei den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz.
Perioperative Systemtherapien: Differenzierte Empfehlungen
Ein zentraler Fokus der überarbeiteten Leitlinie liegt im Bereich der perioperativen Systemtherapien bei lokalisiertem, muskelinvasivem Harnblasenkarzinom. Hierbei werden sowohl neoadjuvante als auch adjuvante Chemotherapien sowie adjuvante Immuntherapien berücksichtigt – jeweils abhängig von der individuellen Eignung der Betroffenen.
Die Therapieentscheidung soll dabei differenziert erfolgen und orientiert sich an Faktoren wie dem Allgemeinzustand, bestehenden Komorbiditäten, Vortherapien und dem bisherigen Krankheitsverlauf. Die Leitlinie betont in diesem Zusammenhang: „Bei Patienten mit muskelinvasivem Harnblasenkarzinom soll das Therapiekonzept multidisziplinär in einer Tumorkonferenz vor Therapiebeginn festgelegt werden.“
Neue Empfehlungen zur Rehabilitation
Auch die Versorgung nach Abschluss der Primärtherapie wurde überarbeitet. Im Fokus stehen die aktualisierten Empfehlungen zur uroonkologischen Rehabilitation. Diese, so hebt Prof. Dr. Margitta Retz hervor, „sollten in einer Klinik mit qualitätsgesicherter Zulassung für uroonkologische Rehabilitation erfolgen.“
Darüber hinaus wurden die Empfehlungen zur Behandlung funktioneller Folgeprobleme nach radikaler Zystektomie geschlechterspezifisch überarbeitet. Die Leitlinie hält hierzu fest: „Die Empfehlungen zur Behandlung funktioneller Störungen nach radikaler Zystektomie wurden Geschlechts-spezifisch aktualisiert. Dies betrifft beispielsweise bei Männern Therapieempfehlungen bei erektiler Dysfunktion und Beratungen zu Sexualstörungen bei Frauen.“
Ergänzend hebt die Leitlinie die Wichtigkeit einer frühzeitigen psychosozialen Unterstützung hervor. Patientinnen und Patienten „sollten frühestmöglich ein psychoonkologisches Screening angeboten und in angemessenen Abständen wiederholt werden“, um psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und gezielt darauf reagieren zu können.
Die wesentlichen Neuerungen
Diagnostik
Einführung der Paris-Klassifikation, neue Zytologiestandards, multiparametrisches MRTTherapie
Getrennte Kapitel für perioperative und palliative Ansätze, neue Chemo-/Immuntherapie-Empfehlungen, TumorkonferenzRehabilitation
Geschlechterspezifisch, aktualisierte Rehabilitations-Standards, neue palliative/supportive MaßnahmenNachsorge
Anpassung an aktuelle Behandlungsstandards
Beteiligte Institutionen im Überblick
Das Leitlinienprogramm Onkologie wurde 2008 von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe ins Leben gerufen. Es verfolgt das Ziel, durch wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Empfehlungen die Qualität und Transparenz in der onkologischen Versorgung zu stärken. Derzeit umfasst das Programm 36 S3-Leitlinien, von denen viele zusätzlich in patientenverständlicher Form zur Verfügung stehen.
Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) ist mit rund 7700 Mitgliedern die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Urologie im deutschsprachigen Raum. Sie fördert Forschung, Innovation und Fortbildung auf dem Gebiet der Urologie und trägt zur Qualitätssicherung in der Versorgung urologischer Patienten bei. Mit ihrem Wissenstransferzentrum UroEvidence unterstützt sie die systematische Aufbereitung von Evidenz für die Leitlinienentwicklung.
Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. In ihr engagieren sich rund 8.300 Einzelmitglieder sowie zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, Landesgesellschaften und Förderinstitutionen. Die DKG setzt sich für eine evidenzbasierte, interdisziplinäre und qualitätsgesicherte Krebsversorgung ein und wirkt unter anderem am Nationalen Krebsplan und der Nationalen Dekade gegen Krebs mit.
Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft e. V.