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Standardisierte Thrombosediagnostik mit Ultraschall

Die Duplexsonographie gilt als die Methode der Wahl bei der Diagnostik der oberflächlichen und tiefen Beinvenenthrombose (1). Sie ist einfach sowie kostengünstig durchzuführen und in der Regel jederzeit verfügbar (1). Neben der Duplexsonographie sind jedoch auch die Anamnese bzw. klinische Untersuchung zur Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Thrombose sowie ggf. die Bestimmung der D-Dimere Bestandteil der Diagnostik und der diagnostischen Algorithmen (1).


18.01.2024
D. Mühlberger
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(1): 10-11

Bei der sogenannten Kompressions­sonographie erfolgt die Darstellung der Venen im Querschnitt im B-Bild-Modus (2). Zum Auffinden der Vene, vor allem im Unterschenkelbereich, kann der Farbmodus hilfreich sein (1). Ist eine Kompression der Vene nicht möglich, gilt dies als Zeichen einer Thrombose. Zudem weist eine frisch thrombosierte Vene, im Vergleich zur begleitenden Arterie, häufig einen größeren Durchmesser auf (3). Frische Thrombosen stellen sich sonographisch eher als echoarm, homogen und mit unscharfer Venenwand dar, während ältere Thromben echoreich, inhomogen und mit scharfer Wandbegrenzung zur Darstellung kommen (3, 4). Da die Kompressionssonographie im Beckenvenenbereich nicht durchführbar ist, erfolgt hier der Einsatz der farbkodierten Duplexsonographie bzw. die Ableitung des Flussprofils in der V. femoralis communis mittels Dopplersonographie. Besteht hier ein seitengleiches Signal mit regelrechter Atemmodulation, gilt dies als Ausschluss einer Beckenvenenthrombose (1–3). Allerdings kann die Diagnostik einer isolierten Beckenvenenthrombose erschwert sein, sodass eine weitere Bildgebung mittels CT oder MRT indiziert sein kann (1). Die Untersuchung der Becken- und Oberschenkelvenen erfolgt zunächst im Liegen mit leicht nach außen rotiertem Bein. Zur Untersuchung der Popliteal- und Unterschenkelvenen ist es anschließend sinnvoll, Patienten in sitzender Position mit herabhängendem Bein zu untersuchen, da so eine bessere Venenfüllung erreicht wird (2).

In den aktuellen Leitlinien werden zwei mögliche Ultraschallprotokolle beschrieben, die sich anhand des Ausmaßes sowie der notwendigen Anzahl der Untersuchungen unterscheiden (Abb. 1):

  • duplexunterstützer vollständiger Kompressionsultraschall (dv-KUS)
  • limitierter bzw. Point-of-Care-Ultraschall (POCUS)

Beim vollständigen Kompressionsultraschall werden alle Venen von der Leiste bis zum Unterschenkel beurteilt. Folgende Venen sollten dabei dargestellt und dokumentiert werden: V. femoralis communis, V. femoralis, V. poplitea, Vv. fibulares. Vv. tibiales posteriores sowie Muskelvenen der Soleus- und Gastrocnemiusmuskulatur (1). Da Thrombosen der Vv. tibaiales anteriores eine Rarität sind, werden sie nur bei gezielten Fragestellungen untersucht (2). Zusätzlich sollten die Mündungsregionen der V. profunda femoris sowie der V. saphena magna und parva dargestellt werden. Ebenso sollte die dopplersonographische Ableitung eines Strömungssignals der V. femoralis communis bzw. V. poplitea erfolgen (1). 

Da vor allem die Diagnostik einer Unterschenkelvenenthrombose bei geringer Erfahrung des Untersuchers erschwert sein kann und eine entsprechende duplexsonographische Expertise nicht immer vorhanden ist, wurde die Möglichkeit eines limitieren bzw. Point-of-Care-Ultraschalls beschrieben (1). Dabei erfolgt lediglich eine Darstellung der V. femoralis communis bzw. der V. poplitea (Abb. 1). Allerdings ist regelmäßig eine erneute Untersuchung nach ca. einer Woche durchzuführen, um beispielsweise distale Thrombosen zu diagnostizieren, die zwischenzeitlich aszendiert sind (1). Dieses Konzept eignet sich beispielsweise für wenig erfahrene Untersucher in Notfallambulanzen. Bei entsprechender Erfahrung sollte jedoch immer eine vollständige Duplexsonographie durchgeführt werden (1). 

Interessenskonflikte: Der Autor erklärt, dass keine Interessenkonflikte bestehen. 



1. Linnemann B, Blank W, Doens T et al. Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023.https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002
2.    Valentin ML, Clemens R, Thalhammer C. [Duplex ultrasound of deep vein thrombosis of the leg]. Dtsch Med Wochenschr 2016; 141: 946-949. 2016/07/01. DOI: 10.1055/s-0042-108930.
3.    Atteneder M. Duplexsonographie der peripheren Venen. In: Katzenschlager RA, Hirschl M, Ugurluoglu A (Hrsg.) Duplexsonographie der Gefäße. Kause und Pachernegg GmbH, Gablitz 2004.
4.    Mantke R, Bürger T. Sonographie der Arterien und Venen. In: Mantke R, Peitz U (Hrsg.). Sonographie für Chirurgen. Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart, New York 2001.

Korrespondenzadresse

PD Dr. med. Dr. med. univ. Dominic Mühlberger
Klinik für Gefäß­chirurgie, Marien Hospital Herne – 
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum
Hölkeskampring 40, 44625 Herne
dominic.muehlberger(at)gmail.com