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Diagnostik

Thrombose und Lungenembolie – Wie sind akute Venenkrankheiten zu erkennen?

Die venöse Thromboembolie umfasst tiefe Venenthrombose und Lungenembolie. Im Praxisalltag liegen nicht immer typische Symptome vor. Die Diagnostik basiert auf Scoring-Systemen, D-Dimer-Bestimmung und bildgebenden Verfahren. Auch die oberflächliche Venenthrombose ist keine Bagatellerkrankung.


25.08.2026
F. Langer
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Tiefe Venenthrombose und Lungenembolie werden unter dem Krankheitsbild der venösen Thromboembolie zusammengefasst. Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg liegt die jährliche Inzidenz der VTE bei 1–2 ‰ (1). Dabei zeigt sich eine erhebliche Altersabhängigkeit: Während die VTE im Kindesalter eine Rarität darstellt, liegt das jährliche Risiko im Alter > 80 Jahre bei 1 % (2). Das frühzeitige Erkennen einer VTE ist entscheidend, um Morbidität und Mortalität zu senken. Da typische Symptome im Praxisalltag oft fehlen, kommen evidenzbasierte Diagnosealgorithmen zum Einsatz. Auch die oberflächliche Venenthrombose (Thrombophlebitis) ist keine Bagatellerkrankung und sollte ernst genommen werden. Dieser Beitrag beschreibt die Diagnostik der VTE in der hausärztlichen Praxis.


 

Einführung

Die venöse Thromboembolie (VTE) tritt bei beiden Geschlechtern in etwa gleich häufig auf. Allerdings ist die Inzidenz bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter aufgrund hormoneller Ursachen im Zusammenhang mit Kontrazeption, Schwangerschaft und Wochenbett höher (3). In zwei Drittel der Fälle handelt es sich um eine isolierte tiefe Venenthrombose (TVT), im verbleibenden Drittel um eine Lungenembolie (LE) mit oder ohne begleitende TVT. Evidenzbasierte Leitlinien zur Thromboseprophylaxe und umfangreiche Aufklärungskampagnen haben in Westeuropa zwar insgesamt zu einem stetigen Rückgang der VTE-assoziierten Morbidität und Mortalität geführt (4); die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer LE hospitalisiert zu werden, verharrt aber auf hohem Niveau (5). Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass sich die VTE im Praxisalltag mit vielseitigen und häufig uncharakteristischen Beschwerden oder sogar gänzlich ohne klinische Symptome präsentieren kann.

Die oberflächliche Venenthrombose (OVT), auch als Thrombophlebitis bezeichnet, wird in der medizinischen Fachliteratur nicht einheitlich dem Krankheitsbild der VTE zugeordnet. Wesentliche Gründe hierfür sind, dass sich die Risikofaktoren und pathophysiologischen Mechanismen sowie die therapeutischen Ansätze von denjenigen der TVT und LE unterscheiden. Trotzdem ist das rechtzeitige Erkennen einer OVT von zentraler Bedeutung, da diese ohne adäquate Therapie mit erheblichen Komplikationen assoziiert sein kann (1).

Tiefe Venenthrombose

Die TVT der unteren Extremitäten basiert auf einem thrombotischen Verschluss tiefliegender Venen des Unter- oder Oberschenkels sowie des Leisten- und Beckenbereichs (Abb. 1). Sind am Unterschenkel nicht die tiefen Leitvenen, sondern lediglich die Muskelvenen betroffen, wird von einer Muskelvenenthrombose gesprochen. Diese ist nicht mit der epifaszial im subkutanen Fettgewebe gelegenen OVT zu verwechseln. Beckenvenenthrombosen können sich bis in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) fortsetzen. Ist die TVT auf den Unterschenkel beschränkt, liegt eine distale Venenthrombose vor. Sobald die Vena poplitea betroffen ist, wird von einer proximalen Venenthrombose gesprochen. Abhängig von ihrer Ausbreitung im zeitlichen Verlauf können Venenthrombosen aszendierend (Ausbreitung von distal nach proximal) oder deszendierend (Ausbreitung von proximal nach distal) sein. Letzterer Verlauf tritt typischerweise bei Venenthrombosen infolge von pelvinen oder retroperitonealen Kompressionssyndromen auf, z. B. in der Spätschwangerschaft, beim May-Thurner-Syndrom oder bei malignen Erkrankungen (1).

Pathologisch handelt es sich bei der TVT um einen sog. Stase- oder roten Thrombus, der vorrangig aus einem Fibrinnetz und darin eingeschlossenen Erythrozyten besteht. Die thrombotische Obstruktion einer tiefen Leit- oder Muskelvene führt zu einer Behinderung des
venösen Rückstroms mit Blutstau in der vorgeschalteten Muskulatur. Als Folge weicht das Blut durch die perforierenden Venen aus dem tiefen in das oberflächliche Venensystem aus, und der angestiegene intravasale Druck führt zum Abpressen von Flüssigkeit in das Interstitium. Gleichzeitig wird der betroffene Venenabschnitt durch die Thrombose aufgedehnt. Zudem induziert die Gerinnungsaktivierung eine lokale Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus Thrombozyten, Leukozyten und Endothelzellen (6). Diese pathophysiologischen Prozesse erklären die typischen klinischen Symptome einer TVT. Hierzu gehören insbesondere:

  • Schwere-, Druck- und Spannungsgefühl der betroffenen Extremität
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Krampfartige Wadenschmerzen
  • Schwellung mit wegdrückbarem Ödem im Unterschenkel- und Knöchelbereich
  • Bläulich-livide verfärbte sowie glänzende und wächsern imponierende Haut
  • Überwärmung
  • Prominente, prallgefüllte oberflächliche Venen (Kollateralen)

Bei ausgeprägter Thrombuslast können in seltenen Fällen aufgrund der begleitenden Entzündungsreaktion Allgemeinsymptome wie Fieber auftreten. Sind die tiefen Beckenvenen sowie ggf. die untere Hohlvene betroffen, klagen die Betroffenen mitunter über tiefsitzende Rücken- und Flankenschmerzen oder ziehende Beschwerden im Hüftbereich. Führt eine komplette Thrombosierung der venösen Abflussbahn zur massiven Schwellung, Zyanose und arteriellen Durchblutungsstörung, liegt das lebensbedrohliche Krankheitsbild einer Phlegmasia cerulea dolens vor (7).

Sehr häufig sind krampfartige Wadenschmerzen, die von den Betroffenen wie Muskelkater beschrieben werden, das führende klinische Symptom einer TVT, ohne dass der betroffene Unterschenkel sichtbar geschwollen, gerötet oder überwärmt ist. In dieser Situation wird primär an eine muskuläre Ursache der Beschwerden gedacht, z. B. an eine Zerrung oder einen Muskelfaserriss. In vielen Fällen ist diese Interpretation der klinischen Symptomatik jedoch nicht plausibel, da die Betroffenen keine übermäßige Belastung und kein adäquates Trauma in der unmittelbaren Vorgeschichte angeben. Erschwert wird die Differenzialdiagnostik zwischen TVT und Muskelverletzung dadurch, dass auch Thrombosen eine akut einsetzende Schmerzsymptomatik verursachen können. Sehr häufig lässt sich retrospektiv nicht mehr klären, ob ein tatsächlich vorliegendes Muskeltrauma aufgrund der lokalen Entzündungsreaktion und Ödembildung mit (relativer) Immobilität zur Thrombose geführt hat oder ob die als Muskeltrauma gedeuteten Beschwerden bereits durch die TVT verursacht worden sind. Es entspricht der persönlichen Erfahrung des Autors, dass die Intensität der von den Betroffenen geäußerten Beschwerden keine Rückschlüsse auf die Ausdehnung einer Thrombose zulässt. So können isolierte Muskelvenenthrombosen im Unterschenkel schmerzbedingt ein Auftreten unmöglich machen, während oligo- oder asymptomatische Iliakalvenenthrombosen auch unerwartet in einer pelvinen CT-Diagnostik entdeckt werden (8, 9).

Neben der genauen Erfragung der Beschwerden und der Inspektion ist die klinische Untersuchung der betroffenen Extremität zur Differenzialdiagnostik erforderlich. Durch folgende Untersuchungsbefunde lässt sich der Verdacht auf eine TVT erhärten (1):

  • Homans-Zeichen (auch Homann-Zeichen): Bei gestrecktem Bein wird der Fuß kräftig in die Dorsalextension gebracht. Das Zeichen ist positiv, wenn entlang der Wade oder in der Kniekehle Schmerzen auftreten.
  • Payr-Zeichen: Mit den Fingern wird Druck auf die (mediale) Fußsohle ausgeübt. Das Zeichen ist positiv, wenn hierdurch Schmerzen in der Fußsohle oder Wade ausgelöst werden.
  • Meyer-Zeichen: Mit beiden Händen wird die Wadenmuskulatur komprimiert. Das Zeichen ist positiv, wenn hierdurch Schmerzen in der Wade ausgelöst werden (sog. Wadenkompressionsschmerz). Alternativ kann eine Blutdruckmanschette am Unterschenkel angelegt und auf etwa 60 mmHg aufgepumpt werden.

Die drei genannten klinischen Zeichen sind aufgrund ihrer geringen Sensitivität und Spezifität allein nicht ausreichend, eine TVT sicher nachzuweisen oder auszuschließen. Sie sind jedoch geeignet, die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung standardisiert in der Krankenakte zu dokumentieren.

Die klinische Wahrscheinlichkeit einer TVT wird mithilfe des Wells-Scores ermittelt (Tab. 1) (10).

Klinisches CharakteristikumPunkte
Aktive Krebserkrankung (d. h. Tumordiagnose < 6 Monate, Antitumortherapie oder Palliativsituation)1
Ruhigstellung eines Beines durch gelenküberschreitenden Verband oder infolge einer Parese1
Bettruhe an ≥ 3 Tagen oder großer chirurgischer Eingriff innerhalb der letzten 3 Monate1
Druckschmerz im Verlauf der tiefen Venen1
Schwellung des gesamten Beines1
Unterschenkelschwellung mit ≥ 3 cm Umfangsdifferenz im Vergleich zur Gegenseite1
Einseitiges Ödem am symptomatischen Bein1
Prominente, nicht-variköse oberflächliche Kollateralvenen1
Tiefe Venenthrombose in der Vorgeschichte1
Alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie TVT-2
Bewertung: 0–1 Punkt: niedrige (nicht-hohe) Wahrscheinlichkeit für TVT, ≥ 2 Punkte: hohe Wahrscheinlichkeit für TVT
Tab. 1: Wells-Score zur Abschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer tiefen Venenthrombose (TVT)

Neben den schmerzauslösenden Untersuchungstechniken spielt die Objektivierung der Beinschwellung und des Weichteilödems eine wichtige Rolle. Bezüglich anamnestischer Angaben sind aktive Krebserkrankungen, größere operative Eingriffe, mehrtätige Bettruhe aufgrund einer akuten Erkrankung (z.B. Pneumonie), Parese oder Immobilisation der Beine (z. B. Gipsruhigstellung) und eine bereits stattgehabte Thrombose in der Vorgeschichte relevant. Wenn eine alternative Diagnose (z. B. Erysipel, Lymphödem, rupturierte Baker-Zyste) mindestens ebenso wahrscheinlich ist wie eine TVT, werden vom Summenscore zwei Punkte abgezogen. Somit spielen bei der Anwendung des Wells-Scores die klinische Erfahrung und persönliche Einschätzung der Untersuchenden eine wichtige Rolle.

Zusätzlich ist es sinnvoll, weitere Risikofaktoren zu erfragen, um die Wahrscheinlichkeit einer TVT als Ursache der berichteten Beschwerdesymptomatik abzuschätzen. Hierzu gehören z. B.:

  • Östrogenhaltige hormonelle Kontrazeption mit einem oralen Kombinationspräparat oder einem Vaginalring (vor allem, wenn diese in den vergangenen 1–2 Jahren begonnen oder gewechselt worden ist)
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Langstreckenreisen (insbesondere Flug­reisen) von > 6–8 Stunden Dauer
  • Chronisch-entzündliche Grunderkrankungen wie z. B. rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  • Bekannte (angeborene) Thrombophilie wie z. B. Faktor-V-Mutation Leiden

Wird die klinische Wahrscheinlichkeit einer TVT in der Hausarztpraxis als hoch eingestuft, sollte primär eine Ultraschalldiagnostik veranlasst werden, entweder als Point-of-Care-Ultraschall (proximale Kompressionssonographie oder 2-Punkte-Kompressionssonographie) oder als duplexunterstützte komplette Kompressionssonographie der tiefen Bein- und Beckenvenen (1). Ist eine Ultraschalldiagnostik nicht zeitnah verfügbar, sollte bis zur definitiven Klärung der Diagnose eine (in der Regel therapeutisch dosierte) Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin, Fondaparinux, Apixaban oder Rivaroxaban eingeleitete werden. Bei niedriger (nicht-hoher) klinischer Wahrscheinlichkeit schließen normwertige D-Dimere im Plasma eine TVT sicher aus. Wenn die D-Dimere (altersadjustiert) erhöht sind, ist zur definitiven Diagnosesicherung eine Ultraschalldiagnostik erforderlich.

Oberflächliche Venenthrombose

Die OVT wurde früher auch als Phlebitis, Thrombophlebitis oder Varikophlebitis bezeichnet. Entweder führt eine epifaszial gelegene intravasale Thrombose zur begleitenden Entzündungsreaktion oder die Thrombose entsteht als Folge einer inflammatorischen Veränderung der Venenwand. Entsprechend stehen bei der klinischen Präsentation die typischen Entzündungszeichen im Vordergrund (11):

  • (Brennende) Schmerzen
  • Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen Hautareals
  • Eingeschränkte Beweglichkeit bei gelenkübergreifender Ausdehnung

Nicht selten ist bei der Palpation ein derber subkutaner Strang tastbar. Die OVT tritt mit einer Inzidenz von 0,64–1,31 ‰ in etwa so häufig auf wie die TVT und gilt als häufigste thromboembolische Erkrankung in der Hausarztpraxis (12–14). Die Prävalenz steigt mit dem Lebensalter an; Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. In den meisten Fällen sind varikös veränderte Stammvenen der unteren Ex­tremitäten (Vena saphena
magna und Vena saphena parva) betroffen. In bis zu 25 % der OVT-Fälle muss mit einer begleitenden TVT gerechnet werden; bei bis zu 4–5 % der Betroffenen liegt eine symptomatische LE vor. Somit stellt die OVT häufig nur die Spitze des Eisbergs dar (13, 15, 16).

Neben Lebensalter und weiblichem Geschlecht sind bekannte Krampfadern und Adipositas wichtige Risikofaktoren für das Auftreten einer OVT. Typischerweise handelt es sich um eine wiederkehrende Erkrankung: Bei etwa 30 % der Betroffenen ist bereits eine OVT in der Vorgeschichte bekannt (17). Tritt die OVT langstreckig in einer nicht-varikös veränderten Vene auf, muss an eine maligne oder chronisch-entzündliche Grunderkrankung oder eine relevante Thrombophilie (z. B. Antiphospholipidsyndrom) gedacht werden. Die Anlage von peripheren Venenverweilkanülen und die Verabreichung von die Venenwand reizenden Substanzen (z. B. Antibiotika, Zytostatika) sind häufige Ursachen für eine OVT im Bereich der oberen Extremitäten. Der Morbus Mondor stellt eine Sonderform der OVT dar und ist durch einen plötzlich auftretenden derben Strang im Brustbereich entlang der thorakoepigastrischen oder mammären Venen gekennzeichnet. In seltenen Fällen ist beim Mann die dorsale Penisvene betroffen (18).

Besteht der klinische Verdacht auf eine OVT der unteren Extremität, wird eine komplette Kompressionssonographie der oberflächlichen und tiefen Beinvenen empfohlen, um die folgenden Fragen zu beantworten (1):

  • Was ist die Längenausdehnung der OVT?
  • Liegt eine begleitende TVT vor?
  • Was ist der Abstand der OVT zum tiefen Venensystem, insbesondere zur saphenofemoralen Einmündung (Crosse)?

Durch alleinige Palpation wird die Längenausdehnung der OVT in den meisten Fällen signifikant unterschätzt (19). Normwertige D-Dimere schließen eine OVT nicht sicher aus; erhöhte D-Dimere können auf eine Beteiligung des tiefen Venensystems hinweisen.

Bei isolierter OVT gilt eine Längenausdehnung von > 5 cm als Indikation zur antikoagulatorischen Therapie. Zugelassen ist Fondaparinux 2,5 mg subkutan täglich über 30–45 Tage. Beträgt der Abstand zur Crosse < 3 cm, wird wie bei TVT behandelt (1).

Lungenembolie

Die LE beschreibt den embolischen Verschluss einer Pulmonalarterie durch einen Thrombus, der in den allermeisten Fällen in den tiefen Bein- oder Beckenvenen entstanden ist. Schulter-/Arm- oder Halsvenenthrombosen verursachen seltener eine LE (20). Während der COVID-19-Pandemie wurde die Entstehung von In-situ-Thrombosen in der arteriellen Lungenstrombahn als Folge der durch SARS-CoV-2 induzierten lokalen Thromboinflammation mit massiver Endothelzellschädigung postuliert (21). In Abwesenheit einer primären Schädigung des Lungengewebes stellen ortständige Thrombosen jedoch sehr wahrscheinlich eine Rarität dar (22).

Der akute embolische Verschluss einer Pulmonalarterie führt zur Unterversorgung und Infarzierung des nachgeschalteten Lungengewebes sowie zur Druckbelastung im vorgeschalteten Lungenkreislauf. Hieraus resultieren die typischen klinischen Symptome und Befunde einer LE (1):

  • Akute Luftnot, insbesondere bei körperlicher Belastung
  • Thorakale Schmerzen
  • Arterielle Hypotonie bis hin zur Synkope
  • Bedarfstachykardie
  • Hypoxämie mit Abfall der peripheren Sauerstoffsättigung
  • Tachypnoe mit respiratorischer Alkalose (Hypokapnie)
  • Hämoptysen bei hämorrhagischer Infarzierung
  • Fieber, Husten und Schüttelfrost bei Infarktpneumonie

Wie bei der TVT muss das Ausmaß des embolischen Gefäßverschlusses nicht notwendigerweise mit der klinischen Symptomatik korrelieren. So kann eine kleine periphere LE, die mit Lungeninfarkt und Pleuritis einhergeht, stärkste thorakale Schmerzen verursachen, während insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit aktiver Krebserkrankung die unerwartete Diagnose einer zentralen beidseitigen LE im Rahmen einer routinemäßigen CT-Untersuchung keine Seltenheit darstellt (23).

Wenn die LE-bedingte Luftnotsymptomatik nicht akut, sondern eher schleichend und vor allem belastungsabhängig einsetzt, ist die Abgrenzung von primären Atemwegserkrankungen schwierig. Während im Frühjahr und Sommer häufig die initiale Verdachtsdiagnose eines Asthma bronchiale gestellt wird, stehen im Herbst und Winter bronchopulmonale Infekte differenzialdiagnostisch im Vordergrund. Selbst bei einer konventionell-radiologisch nachgewiesenen Pneumonie sollte an die Möglichkeit einer LE gedacht werden, insbesondere wenn die Betroffenen unter antibiotischer Therapie trotz Rückgang der pulmonalen Infiltrate und Abfall der Entzündungsparameter über andauernde Luftnot klagen. Entsprechendes gilt für persistierende Beschwerden trotz effektiver bronchospasmolytischer Therapie bei Verdacht auf Asthma-Anfall oder COPD-Exazerbation.

Typisch für eine Pleuritis bei Lungen­infarkt sind atemabhängige thorakale Schmerzen. Wenn diese dorsolateral auftreten, kann die Abgrenzung von vertebragenen Beschwerden schwierig sein. Bei zentraler LE wird von den Betroffenen häufig ein thorakales Druck- oder Engegefühl berichtet, sodass in dieser Situation das akute Koronarsyndrom eine wichtige Differenzialdiagnose darstellt.

Für die Ermittlung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer LE stehen vereinfachte Versionen des Wells-Scores (Tab. 2) und des revidierten Geneva-Scores (Tab. 3) zur Verfügung (24, 25). Beide Punktesysteme differenzieren eine hohe von einer niedrigen (nicht-hohen) Wahrscheinlichkeit. Wie bei der TVT spielen im Wells-Score die subjektive Einschätzung und klinische Erfahrung der Anwendenden eine Rolle: Wenn die LE wahrscheinlicher ist als eine alternative Diagnose, erfolgt die Zuteilung von einem Punkt zum Summenscore. Der revidierte Geneva-Score basiert dagegen allein auf anamnestischen Angaben und objektivierbaren Befunden.

Klinisches CharakteristikumPunkte
Klinische Zeichen einer tiefen Venenthrombose1
LE wahrscheinlicher als alternative Diagnose1
Kürzlich zurückliegende Operation oder Immobilisierung1
Herzfrequenz > 100/min1
Venöse Thromboembolie in der Vorgeschichte1
Hämoptysen1
Aktive Krebserkrankung1
Bewertung: 0–1 Punkt: niedrige (nicht-hohe) Wahrscheinlichkeit für LE, ≥ 2 Punkte: hohe Wahrscheinlichkeit für LE
Tab. 2: Vereinfachte Version des Wells-Scores zur Abschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie (LE)
Klinisches CharakteristikumPunkte
Alter > 65 Jahre1
OP oder Fraktur in den letzten 4 Wochen1
Aktive Krebserkrankung1
Hämoptysen1
Herzfrequenz 75–94/min1
Herzfrequenz ≥ 95/min2
Venendruckschmerz und einseitiges Ödem1
Einseitige Beinschmerzen1
Venöse Thromboembolie (VTE) in Vorgeschichte1
Bewertung im zweistufigen Score: 0–2 Punkte: niedrige (nicht-hohe) Wahrscheinlichkeit für LE, ≥ 3 Punkte: hohe Wahrscheinlichkeit für LE
Tab. 3: Vereinfachte Version des revidierten Geneva-Scores zur Abschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie (LE)

Wenn die klinische Vortestwahrscheinlichkeit nicht hoch ist, schließen normwertige D-Dimere im Plasma eine LE mit hinreichender Sicherheit aus (1). Bei erhöhten D-Dimeren oder bei primär hoher klinischer Wahrscheinlichkeit müssen dagegen bildgebende Verfahren veranlasst werden, um die Diagnose einer LE sicher ein- oder auszuschließen. Hierzu zählen die kontrastmittelgestützte CT-Pulmonalisangiographie und die Ventilations-/Perfusionsszintigraphie. Alternativ kann die Therapieentscheidung im Einzelfall mithilfe ultraschallbasierter Untersuchungstechniken getroffen werden, mit denen sich eine LE (Echokardiographie, Lungenultraschall) oder eine begleitende TVT (venöse Duplex- und Kompressionssonographie) nachweisen lassen. Wie bei der TVT sollte bei dringendem Verdacht auf eine LE die Einleitung einer Antikoagulation nicht verzögert werden, bis die Ergebnisse einer bildgebenden Diagnostik verfügbar sind.

Besonderheit Schwangerschaft

Insbesondere in der Spätschwangerschaft stellt das Erkennen einer VTE eine Herausforderung dar (26). So klagen die meisten Frauen im dritten Trimenon über ein Schwere- und Spannungsgefühl der Beine. Zudem werden Wassereinlagerungen, Wadenkrämpfe und sichtbare Venen sowie die Neuausbildung einer Varikose oder das Verschlechtern eines bekannten Krampfaderleidens berichtet. Aufgrund einer eingeschränkten Zwerchfellatmung bei erhöhtem intraabdominellem Druck und einer Anämie infolge von Eisenmangel und Hämodilution sind Ruhe- oder Belastungsluftnot häufig geäußerte Beschwerden. Als Folge typischer Veränderungen des Hämostasesystems steigen die D-Dimere im Schwangerschaftsverlauf an, sodass dieser Laborparameter bei nicht-hoher klinischer Wahrscheinlichkeit zum Ausschluss einer TVT oder LE weniger gut geeignet ist, wenn der übliche Cut-off-Wert von 0,5 mg/l zur Anwendung kommt (27). Letztendlich muss auch bei Schwangeren die Verdachtsdiagnose einer VTE durch bildgebende Verfahren so weit abgeklärt werden, dass eine eindeutige Therapieentscheidung getroffen werden kann (1, 28).

Fazit für die Praxis

Das rechtzeitige Erkennen einer VTE ist Voraussetzung dafür, die Morbidität und Mortalität dieses potenziell potenziell lebensbedrohlichen Krankheitsbildes zu senken. Nicht immer liegen im Praxisalltag die typischen Symptome einer TVT oder LE vor. Bei Verdacht auf VTE kommen evidenzbasierte, leitlinienkonforme Diagnosealgorithmen zum Einsatz. Diese beinhalten die Anwendung validierter Scoring-Systeme zur Ermittlung der klinischen Vortestwahrscheinlichkeit, eine Bestimmung der D-Dimere im Plasma und das Veranlassen von geeigneten bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder CT-Angiographie. Die OVT (Thrombophlebitis) ist keine Bagatellerkrankung und sollte daher nicht unterschätzt werden.

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2 Heit JA. Epidemiology of venous thromboembolism. Nat Rev Cardiol. 2015;12(8):464-74.

3 Zöller B, Li X, Sundquist J, Sundquist K. Age- and gender-specific familial risks for venous thromboembolism: a nationwide epidemiological study based on hospitalizations in Sweden. Circulation. 2011;124(9):1012-20.

4 Hagiya H, Harada K, Nishimura Y et al. Global trends in mortality related to pulmonary embolism: an epidemiological analysis of data from the World Health Organization mortality database from 2001 to 2023. EClinicalMedicine. 2025;86:103389.

5 Hughes M, Russell MD, Roy R et al. Temporal trends in hospitalisations for venous thromboembolic events in England: a population-level analysis. BMJ Open. 2025;15(3):e090301.

6 Navarrete S, Solar C, Tapia R et al. Pathophysiology of deep vein thrombosis. Clin Exp Med. 2023;23(3):645-54.

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23 Meyer HJ, Wienke A, Surov A. Incidental pulmonary embolism in oncologic patients-a systematic review and meta-analysis. Support Care Cancer. 2021;29(3):1293-302.

24 Gibson NS, Sohne M, Kruip MJ et al. Further validation and simplification of the Wells clinical decision rule in pulmonary embolism. Thromb Haemost. 2008;99(1):229-34.

25 Klok FA, Mos IC, Nijkeuter M et al. Simplification of the revised Geneva score for assessing clinical probability of pulmonary embolism. Arch Intern Med. 2008;168(19):2131-6.

26 Linnemann B, Hart C. Diagnostik und Therapie einer VTE in der Schwangerschaft. Phlebologie. 2023;52(05):231-43.

27 Morse M. Establishing a normal range for D-dimer levels through pregnancy to aid in the diagnosis of pulmonary embolism and deep vein thrombosis. Journal of Thrombosis and Haemostasis. 2004;2(7):1202-4.

28 Kevane B, Áinle FN. Prevention, diagnosis, and management of PE and DVT in pregnant women. Hematology Am Soc Hematol Educ Program. 2023;2023(1):237-47.

Autor
Prof. Dr. med. Florian Langer
Facharzt Innere Medizin, Hämatologie - Internistische Onkologie, Hämostaseologie

Oberarzt am Zentrum für Onkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) 

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