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Allgemein- & Innere Medizin, Diabetologie, Gastroenterologie Allgemein- & Innere Medizin Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System
Stoffwechselrisiken gezielt adressieren

Typ-2-Diabetes: Was Omega-3-Fettsäuren und Cholin bei Fettleber leisten

Bei Patienten und Patientinnen mit Typ-2-Diabetes sind HbA1c und LDL oft gut eingestellt, während Triglyzeride, viszerales Fett und Fettleber weiter auffallen. Die Fettleber ist in diesem Zusammenhang meist metabolisch bedingt und wird als metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD) bezeichnet. Neben Lebensstil und Basistherapie sind hier essenzielle Biofaktoren relevant: Omega-3-Fettsäuren bei persistierender Hypertriglyzeridämie, Cholin für den Fetttransport aus der Leber.


16.09.2026
D. Birkelbach
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Fettleber und Typ-2-Diabetes: Entscheidend ist nicht allein der HbA1c

Typ-2-Diabetes ist selten nur Glukoseeinstellung. Häufig kommen Insulinresistenz, viszerale Adipositas, Hypertonie, atherogene Dyslipidämie und eine metabolisch bedingte Fettleber zusammen. Diese wird heute als metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD) bezeichnet1 und ist bei Typ-2-Diabetes häufig mit erhöhten Triglyzeriden sowie einem höheren kardiovaskulären Risiko verbunden.2,3,4 Entscheidend ist daher nicht allein der HbA1c, sondern die Senkung des kardiovaskulären Gesamtrisikos. Dazu gehören LDL-Senkung, Blutdruckkontrolle, Rauchstopp, Bewegung, Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung und eine individuell angepasste antidiabetische Therapie. Dennoch bleiben bei vielen Patienten erhöhte Triglyzeride bestehen, häufig im Rahmen der atherogenen Dyslipidämie bei Typ-2-Diabetes.

Hier können Omega-3-Fettsäuren eine Option sein, vor allem Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Bei persistierender Hypertriglyzeridämie können standardisierte EPA-/DHA-Präparate in ausreichender Dosierung zur Triglyzeridsenkung beitragen.5

Omega-3-Fettsäuren bei Hypertriglyzeridämie

Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA stammen vor allem aus fettreichem Seefisch, alternativ aus Algenöl oder geprüften Präparaten. Pflanzliche Alpha-Linolensäure wird nur begrenzt in EPA und DHA umgewandelt.6

Bei Typ-2-Diabetes treten erhöhte Triglyzeride häufig zusammen mit niedrigem HDL-Cholesterin und kleinen dichten LDL-Partikeln auf. EPA und DHA können hier ansetzen: Sie senken die hepatische Triglyzeridbildung und die Freisetzung triglyceridreicher VLDL-Partikel.5 Studien zu MASLD zeigen zudem Hinweise auf günstige Effekte von Omega-3-Fettsäuren auf Leberfett und einzelne metabolische Parameter.7

Zwischen Basisversorgung und Therapie

Basisversorgung: Für gesunde Erwachsene empfiehlt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 250 mg EPA plus DHA pro Tag.8

Triglyzeridsenkung: Für eine messbare Senkung erhöhter Triglyzeride wurden in Studien meist standardisierte EPA-/DHA-Dosierungen ab etwa 2 g täglich eingesetzt.9 Höhere Tagesdosen können im Einzelfall erforderlich sein; die EFSA stufte kombinierte EPA-/DHA-Zufuhrmengen bis 5 g pro Tag für Erwachsene als sicher ein.10

Kardiovaskulärer Zusatznutzen: Dieser ist vor allem für Icosapent-Ethyl belegt: In REDUCE-IT wurde Icosapent-Ethyl, also gereinigtes EPA, untersucht – 2 g zweimal täglich bei statinbehandelten Hochrisikopatienten mit erhöhten Triglyzeriden.11 Ergebnis: Schwere kardiovaskuläre Ereignisse traten seltener im Vergleich zu Placebo auf; auf Omega-3-Fettsäuren allgemein ließ sich das Ergebnis nicht übertragen.

Cholin für den Fetttransport aus der Leber

Cholin ist notwendig für die Bildung von Phosphatidylcholin, das den Einbau von Triglyzeriden in VLDL-Partikel und deren Sekretion aus der Leber unterstützt. Bei unzureichender Versorgung wird der Abtransport von Triglyzeriden aus der Leber erschwert.12 Epidemiologische Daten stützen diese Relevanz: Auswertungen der NHANES-Daten zeigen eine Assoziation zwischen höherer Cholinzufuhr und günstigeren Leberparametern, darunter geringere Hinweise auf Steatose und Fibrose sowie niedrigere Leberenzymwerte.13

Bei Typ-2-Diabetes, erhöhten Triglyzeriden oder Fettleber ist eine kurze Ernährungsanamnese sinnvoll – insbesondere bei veganer, sehr einseitiger oder länger stark kalorienreduzierter Kost. Gute Cholinquellen sind Eier, Fleisch, Leber, Fisch und Geflügel; auch Hülsenfrüchte und Kartoffeln tragen dazu bei.14 Die EFSA empfiehlt für Erwachsene eine Tagesdosis von 400 mg Cholin. Wird dieser Bedarf über die Ernährung dauerhaft nicht erreicht, kann eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein.15

Fazit für die Praxis

Erhöhte Triglyzeride hängen bei Typ-2-Diabetes meist mit viszeraler Adipositas, Insulinresistenz und MASLD zusammen – und damit mit einem erhöhten kardiometabolischen Risiko. An dieser Stelle werden Biofaktoren interessant, die in diese Stoffwechselwege eingreifen: Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA können Triglyzeride senken, während Cholin für den hepatischen Fetttransport erforderlich ist.

1 Roeb et al.: Amendment „Neue Nomenklatur zur MASLD (Metabolic Dysfunction Associated Steatotic Liver Disease; metabolische Dysfunktion assoziierte steatotische Lebererkrankung)“ zur S2k-Leitlinie „Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung“ (v.2.0/April 2022) der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Z Gastroenterol 2024 Jul; 62(7): 1077–1087
2 Driessen S et al.: Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease and the heart. Hepatology 2025 Aug 1; 82(2): 487–503 
3 Capone F et al.: Decoding the Liver-Heart Axis in Cardiometabolic Diseases. Circ Res. 2025 May 23; 136(11): 1335–1362
4 EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD): Executive Summary. Diabetologia 2024 Nov; 67(11): 2375–2392
5 Djuricic I, Calder PC: N-3 Fatty Acids (EPA and DHA) and Cardiovascular Health - Updated Review of Mechanisms and Clinical Outcomes. Curr Atheroscler Rep 2025 Nov; 27(1): 116
6 Burdge GC, Calder PC: Conversion of alpha-linolenic acid to longer-chain polyunsaturated fatty acids in human adults. Reprod Nutr Dev 2005 Sep-Oct; 45(5): 581–597
7 Kim SJ et al.: Omega-3 polyunsaturated fatty acids and nonalcoholic fatty liver disease in adults: A meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Nutr 2025 Jul; 50: 164–174
8 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for fats, including saturated fatty acids, polyunsaturated fatty acids, monounsaturated fatty acids, trans fatty acids, and cholesterol. EFSA Journal 2010; 8(3): 1461
9 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to eicosapentaenoic acid and docosahexaenoic acid and maintenance of normal blood concentrations of triglycerides pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 2010; 8(10): 1796
10 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of eicosapentaenoic acid (EPA), docosahexaenoic acid (DHA) and docosapentaenoic acid (DPA). EFSA Journal 2012; 10(7): 2815
11 Bhatt DL et al.: Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia. N Engl J Med 2019 Jan 3; 380(1): 11–22
12 Corbin KD, Zeisel SH: Choline metabolism provides novel insights into nonalcoholic fatty liver disease and its progression. Curr Opin Gastroenterol 2012 Mar; 28(2): 159–165
13 Chai C et al.: Dietary choline intake and non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD) in U.S. adults: National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) 2017-2018. Eur J Clin Nutr 2023 Dec; 77(12): 1160–1166
14 National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements. Choline – Health Professional Fact Sheet. Bethesda, MD: NIH; 2022. Available from: https://ods.od.nih.gov/factsheets/Choline-HealthProfessional/
15 EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for choline. EFSA Journal 2011; 9(4): 2056
 

Autorin
Dr. Daniela Birkelbach
Heilpraktikerin
Die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB)

Nach ihrem Studium der Chemie und der anschließenden Promotion ist sie heute als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Darüber hinaus unterstützt sie die Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB)

Die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB)
Fruwirthstraße 30
70599 Stuttgart