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Endokrinologie, Medizin, Gynäkologie Gynäkologie Gynäkologie
DMG-Tagung 2024 - Teil 2

Urogenitales Menopausensyndrom – Fast jede Frau ist betroffen

Ein wichtiger Schwerpunkt der 28. Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG) war die Therapie des urogenitalen Menopausensyndroms. Weiterhin wurden aktuelle Erkenntnisse zu Menopause-Beschwerden thematisiert, bei denen interdisziplinäre Expertise erforderlich ist, wie Herz-Kreislauf- und Kebserkrankungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie Zahn- und Knochengesundheit.


08.04.2025
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Das Kongressprogramm gestalteten die Tagungspräsidenten Dr. Nele Freerksen-Kirschner aus Aachen und Prof. Peyman Hadji aus Frankfurt/Main. Der große Vortragssaal im Radisson Blu Hotel war an beiden Kongresstagen während aller Vorträge bis nahezu auf den letzten Platz besetzt.

Hadji freute sich besonders darauf, Prof. Peter Herbert Kann (Frankfurt/Main und Wiesbaden) als Festredner anzukündigen: Prof. Kann ist ein renommierter Experte auf dem Gebiet der Endokrinologie, Diabetologie und Osteologie. Neben seiner medizinischen Laufbahn promovierte er in Ethnologie und erwarb zusätzlich einen Master-Abschluss im Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. In seinem Vortrag „Evidenzbasierte Medizin: Leitlinie statt Großhirn?“ erörterte Kann unterhaltsam und humorvoll die Bedeutung und Herausforderungen der evidenzbasierten Medizin (EbM). Sie ist das heute favorisierte Konstrukt zur Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf die individuelle Patientenbehandlung und ist klinisch handhabbar in Form von Leitlinien. EbM dürfe aber nicht als Dogma verstanden werden, betonte Kann. Die praktische Umsetzung der EbM bewege sich stets im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Wissen und dem individuellen Menschen. „Behandle immer eine Patientin, nicht eine Krankheit“, stellte der Festredner heraus.

Urogenitales Menopausensyndrom – Patientinnen aufklären und beraten

In den Lunchsymposien der beiden Kongresstage wurden „Knifflige Fälle aus der Menopausensprechstunde“ vorgestellt, aber auch aktuelle Erkenntnisse rund um typische Beschwerden wie dem urogenitalen Menopausensyndrom. Zu ihm zählt auch die Vaginalatrophie. Tagungspräsidentin Freerksen-Kirschner begann ihren Vortrag mit einem Fall aus der Sprechstunde: Eine 57-jährige Patientin in der Postmenopause stellte sich zur regulären Vorsorgeuntersuchung vor. Neben leichten vasomotorischen Symptomen wie hin und wieder auftretenden Schlafstörungen und drei bis vier Hitzewallungen pro Woche sowie drei mit Antibiotika behandelten Harnwegsinfekten in den letzten Jahren nannte sie zunächst keine weiteren Beschwerden.

Die körperliche Untersuchung ergab jedoch eine vulvovaginale Atrophie mit einer sehr blassen, rissigen und dünnen Schleimhaut sowie einem hohen Vaginal-pH-Wert von 5,6. Der vaginale pH-Normwert liegt bei 3,5 bis 4,5. Darauf angesprochen, äußerte die Patientin schließlich ausgeprägte klinische Symptome, darunter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, eine dadurch herabgesetzte Libido, ein vaginales Trockenheitsgefühl sowie Juckreiz. „Nach der Verschreibung einer lokalen Estriol­therapie stellte sich die Patientin 15 Monate später wieder vor und sagte, die Therapie habe zwar geholfen, allerdings hätte sie versäumt, weitere Rezepte dafür anzufordern“, erläuterte Freerksen-Kirschner. Dementsprechend zeigte sich bei der Untersuchung erneut eine ausgeprägte Atrophie.



Urovaginale Veränderungen verringern Lebensqualität

Leider sei dies keine Seltenheit bei Frauen in der Postmenopause, so Freerksen-Kirschner. Aufgrund des im Laufe der Wechseljahre fortschreitenden östradiolen Mangels dünnen die Zellen im vaginalen Epithel extrem aus. Das vaginale Mikrobiom verändert sich, wodurch der Vaginal-pH-Wert steigt. „Ähnliche Vorgänge finden auch im Bereich der Vulva und der Harnwege statt – deshalb sprechen wir mittlerweile von einem urogenitalen Menopausensyndrom, abgeleitet aus dem englischen Begriff Genitouri­nary Syndrome of Menopause (GMS)“, erklärte die Tagungspräsidentin. Sind in der späten Perimenopause etwa 20 % der Frauen von Beschwerden wie zunehmender Schleimhaut­trockenheit, erhöhtem Harndrang, Inkontinenz, Harnwegsinfekten und sexueller Dysfunktion betroffen, werden es mit zunehmendem Lebensalter bis zu 90 %.

Große Umfragen zeigten, wie sehr dies zur Einschränkung der Lebensqualität führen kann: „An der von Prof. Rosella E. Nappi in 2016 vorgestellten REVIVE-Untersuchung1 nahmen online mehr als 3.700 Frauen aus Deutschland, Spanien, Italien und England teil. Sie äußerten postmenopausale Probleme in Bezug auf Intimität, sexuelle Befriedigung und Sexualspontanität. In der Sprechstunde berichten viele Frauen erst dann über ihre Beschwerden, wenn man sie aktiv darauf anspricht“, bedauerte Freerksen-Kirschner. Dass urogenitale Veränderungen im Gegensatz zu vasomotorischen Beschwerden jedoch dauerhaft seien, wüssten viele Frauen leider nicht. „Wir müssen sie daher darüber informieren, ihnen frühzeitig eine Behandlung ermöglichen und die Patientinnen darüber aufklären, warum die Therapie konsequent sowie dauerhaft notwendig ist!“ In der AWMF S3-Leitlinie Peri- und Postmen­opause – Diagnostik und Interventionen (Stand 1/2020)2 steht die explizite Empfehlung: „Frauen mit symptomatischer urogenitaler Atrophie soll die Anwendung von Befeuchtungs-, Gleitmitteln alleine oder zusammen mit einer vaginalen Estrogentherapie (ET) angeboten werden. Die Therapie kann so lange wie erforderlich angewendet werden.“

Vielfältige Behandlungsoptionen

Verschiedene Therapien stehen zur Verfügung: Gleitgele können die vaginale Gleitfähigkeit beim Geschlechtsverkehr vorübergehend erhöhen sowie Befeuchtungsgele den vaginalen pH-Wert senken. Oral und vaginal verabreichte Probiotika fördern die Milchsäureproduktion, welche die vaginale Immunität steigert. Lokal wirkende, gering dosierte Hormontherapien mit Estradiol oder Estriol als Tablette, Creme oder Vaginalring verbessern die Beschwerden ohne erhöhte Risiken für Endometriumhyperplasien. Auch Prasteron, ein endogenes Steroidhormon, kommt zur lokalen Therapie infrage. Es wird in den Zellen der Vaginalwand ohne systemische Steroidsteigerung absorbiert und kann die Funktion der Nervenzellfasern verbessern.

Curriculum Menopause

Frauen „Ü40“ – endokrinologisch verstehen … die Prä-, Peri- und Postmenopause …

  • Modul I – Basiswissen Endokrinologie
    28.–29. November 2025, online
  • Modul II – Was sollten Frauenärztinnen und -ärzte aus anderen Fachgebieten wissen?
    19.–20. September 2025, online

Bei einer Vaginallaserbehandlung werden an mehreren Terminen im Abstand von jeweils vier bis sechs Wochen mit unterschiedlichen Wellenlängen gezielt vaginale Mikrotraumata gesetzt. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Neovaskularisation und Kollagenbildung, das Vaginalepithel wird wieder flexibler und elastischer. Diese auch in Studien gezeigten Verbesserungen halten jedoch nur etwa 24 Monate an. „Darüber hinaus sind zu den genannten Behandlungsoptionen weitere Studien notwendig“, resümierte Freerksen-Kirschner. Bei Patientinnen, die ein Mammakarzinom hatten, plädierte die Tagungspräsidentin für die hormonfreien Optionen, wobei niedrig dosierte lokale Anwendungen jedoch grundsätzlich möglich und nach Risiko-Nutzen-Abwägung vertretbar seien. Frauen, die eine systemische Hormonersatztherapie (HRT) erhalten, können davon gegebenenfalls auch hinsichtlich urogenitaler Beschwerden profitieren. Zusätzlich müsse jedoch auch oft eine lokale Therapie angeboten werden.

Interdisziplinäre Expertise bei vielen Beschwerden unabdingbar

Dass die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden häufig eine interdisziplinäre Expertise erfordern, zeigten die Vorträge rund um Herz-Kreislauf-bezogene Themen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Zahn- sowie Knochengesundheit. Die Volkskrankheit Osteoporose geht unter anderem mit einem Estrogenmangel einher, erläuterte Tagungspräsident Hadji. Auch die Mundschleimhaut, Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat werden, ähnlich wie die Vaginalschleimhaut, davon beeinflusst. Daher entwickeln viele Frauen in den Wechseljahren eine Parodontitis. Der „Zürcher Gesprächskreis“ gab ein Update rund um die Hormonersatztherapie, Brustkrebs-Screening und zum Meningeomrisiko durch Gestagene.3

Die Tagungsteilnehmenden verfolgten an beiden Tagen aufmerksam alle Sessions der DMG-Tagung, stellten im Anschluss an die Vorträge zahlreiche Fragen und ehrten die Referierenden mit viel Applaus. Tagungspräsidentin Freerksen-Kirschner verabschiedete die Zuhörenden mit der Hoffnung, die „DMG-Familie so zahlreich oder noch zahlreicher bei der 29. Jahrestagung am 7. und 8. November 2025 wiederzusehen.“

Pressestelle der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V.

1 Nappi RE et al. Maturitas 2016:91:81–90. DOI: 10.1016/j.maturitas.2016.06.010.

2 S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-062

3 https://www.zuercher-kreis-hormone.eu/hormontherapie.html

Die DMG

DMG-Präsidentin: Dr. med. Katrin Schaudig, Praxis für gynäko­logische Endokrinologie Schaudig & Schwenkhagen, HORMONE-HAMBURG, Hamburg

Tagungspräsidenten: Dr. med. Nele Freerksen-Kirschner, Uniklinik RWTH Aachen, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, und Prof. Dr. med. Peyman Hadji, Frankfurter Hormon- & Osteoporosezentrum

Die nächste DMG-Jahrestagung findet am 7. und 8. November 2025 in Frankfurt/Main statt.

Quelle: Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V., 15.–16. November 2024 in Frankfurt/Main

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