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Mittelalterliches Weihnachten

Weihnachtseinkäufe im Spätmittelalter: Was Zollregister verraten

Londoner Zollregister geben Einblick zum weihnachtlichen Einkauf im Spätmittelalter. Spielzeug, Schmuck und Festtagswaren gelangten bereits vor über 600 Jahren in großen Mengen nach London und zeigen, dass gezieltes Einkaufen für Weihnachten keine moderne Erscheinung ist.


22.12.2025
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Große Weihnachtseinkäufe sind kein rein modernes Phänomen. Bereits im Spätmittelalter spielten gezielte Einkäufe für das Weihnachtsfest eine zentrale Rolle im städtischen Alltag. 

Darauf verweisen Forschungen der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und des Institute of Historical Research der University of London. In einem gemeinsamen Projekt analysierten die Forschenden Londoner Zollregister aus den Jahren 1380 bis 1560, die erstmals systematisch digitalisiert und ausgewertet wurden. 

Die Einträge dokumentieren umfangreiche Importe erschwinglicher Waren wie Spielzeug und Schmuck, die gezielt in den Wochen vor Weihnachten nach London gelangten. und zeichnen damit ein differenzierteres Bild mittelalterlicher Lebenswelten.

Zollregister als kulturhistorische Quelle

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Arts and Humanities Research Council (AHRC) geförderte Projekt „Unlocking Upcycled Medieval Data: London Customs Accounts 1380 to 1560“ macht mehrere Jahrhunderte von Zollaufzeichnungen digital durchsuchbar. 



Dafür nutzt das Team Methoden der Digital Humanities (DH). So entsteht ein groß angelegter Datensatz, der neue Forschung zu mittelalterlichem Handel, Konsum und Alltagsleben ermöglichen soll. Prof. Dr. Werner Scheltjens, Professor für Digitale Geschichtswissenschaften an der Universität Bamberg, beschreibt den Ansatz bewusst jenseits reiner Wirtschaftsgeschichte: „Wir verwandeln mittelalterliche Zollregister in Fenster zur Alltagskultur Europas.“ Entscheidend sei, so Scheltjens, dass die Forschenden die Quellen „nicht nur als Wirtschafts-, sondern als kulturhistorische Zeugnisse“ lesen, um nachzuzeichnen, wie sich „Geschmäcker, Konsumgewohnheiten und Vorlieben über Grenzen hinweg verbreiteten“.

Weihnachtseinkauf: Spielzeug, Schmuck und Genussmittel

Besonders aufschlussreich sind die Einträge aus den Monaten November und Dezember. Sie zeigen, welche Waren Händler gezielt für die Weihnachtszeit importierten. Genannt werden Spielzeuge wie Rasseln, Puppen, Würfel, Spielbretter oder Tennisbälle. Hinzu kommen religiöse Objekte, etwa Rosenkränze oder Agnus-Dei-Schmuck. Teilweise verzeichnen die Register erstaunliche Mengen. So nennt ein Eintrag die Lieferung von 14 Dutzend Jesusfiguren. Daneben erscheinen große Mengen Obst und Gewürze sowie Schmuck und feine Lederhandschuhe.

„Die Menge an Spielzeug, Schmuckstücken, Obst und festlichen Leckereien, die jeden Winter importiert wurden, zeigt, dass mittelalterliche Menschen eine lebendige Konsumkultur mit erschwinglichen Waren genossen“

- Dr. Justin Colson, Senior Lecturer für Urban and Digital History in London

Seltene Objekte und Spielzeughandel

Einen besonderen Erkenntniswert gewinnen die Zollregister, weil viele der dokumentierten Gegenstände heute nicht mehr existieren. Da günstige und kurzlebige Alltagswaren selten mehrere Jahrhunderte überdauern, fehlen sie häufig in Museumssammlungen. Die archivalischen Daten schließen diese Lücke und liefern daher seltene Hinweise auf den tatsächlichen Alltagsbesitz mittelalterlicher Stadtbewohner. Zwar bewahrt das London Museum einige herausragende Beispiele mittelalterlicher Haushaltsgegenstände, doch zugleich verdeutlichen die Register die einstige Vielfalt. „Die Verknüpfung der seltenen Museumsobjekte mit diesem wesentlich größeren Datensatz ermöglicht es uns, besser zu verstehen, wie weit verbreitet die Waren einst waren“, erläutert Meriel Jeater, Kuratorin am London Museum und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Forschungsprojekts.

Deutlich wird dies besonders beim Spielzeug, denn die Importe reichen von Tonfiguren aus den Benelux-Ländern über filigrane Metallrasseln bis hin zu massenhaft gelieferten Tennisbällen. Hazel Forsyth, Senior Curator am London Museum sieht darin eine Bestätigung jüngerer archäologischer Befunde, da Spielzeug im Mittelalter keineswegs selten war, sondern in großen Stückzahlen produziert und gehandelt wurde. Zudem unterstreichen Herkunftsorte wie Antwerpen, Venedig, Barcelona, Sevilla, Lissabon und der Ostseeraum Londons Rolle als europäisches Handelszentrum.

Quelle: Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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