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Gynäkologie, Medizin Gynäkologie Biofaktoren, Frauengesundheit
Supplementierung

Wie die Pille Nährstoffmangel verursacht

Hormonelle Kontrazeptiva wie die Pille können die Versorgung mit wichtigen Biofaktoren wie B-Vitaminen, Magnesium und Zink beeinträchtigen. Studien zeigen, dass Frauen unter hormoneller Verhütung häufiger einen Nährstoffmangel aufweisen – mit potenziell nachteiligen gesundheitlichen Folgen.


06.10.2025
D. Birkelbach
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Zahlreiche Arzneimittel können den Biofaktorenhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen – dazu zählen auch orale Kontrazeptiva.1,2,3 Die synthetischen Hormone der Pille verändern den Stoffwechsel bestimmter Biofaktoren und führen so zu einem höheren Verbrauch. Zudem greifen hormonelle Verhütungsmittel in Enzymprozesse ein, die auf diese Biofaktoren angewiesen sind. Dadurch wird deren Abbau beschleunigt, und der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen steigt zusätzlich.

Dieses Nährstoffe sind besonders betroffen

Die synthetischen Estrogene und Gestagene in oralen Kontrazeptiva beeinflussen vermutlich verschiedene Enzyme des Folsäure-Stoffwechsels – darunter die Folsäure-Dekonjugase im Darm, die für die Aufnahme von Folsäure entscheidend ist, sowie die Dihydrofolat-Reduktase auf zellulärer Ebene. Die Folge: Die Verfügbarkeit aktiver Folat-Verbindungen sinkt, was langfristig die Folsäure-Reserven erschöpfen und zu einem Mangel führen kann. Doch auch andere Biofaktoren sind betroffen, darunter die Vitamine B6 und B12, Magnesium und Zink. Außerdem ist bekannt: Das Risiko für einen Biofaktorenmangel steigt mit der Dauer der Kontrazeptiva-Einnahme.

Vitamin B12, Magnesium- und Zink

  • Die Einnahme oraler Kontrazeptiva kann den Vitamin-B12-Spiegel im Blut senken.7 Laut Studien wird vor allem das freie Vitamin B12 im Serum durch die Langzeitanwendung reduziert, während die Werte in den Erythrozyten meist stabil sind.8,9,10 Grund dafür ist vermutlich die geringere Konzentration von Transcobalamin, dem Transportprotein für Vitamin B12. Über 30 % der jungen Frauen zwischen 14 und 24 Jahren erreichen nicht die empfohlene Vitamin-B12-Zufuhr – bei vegetarischer oder veganer Ernährung steigt das Risiko zusätzlich.11
  • Der Magnesium- und Zinkhaushalt kann durch die Pille ebenfalls aus dem Gleichgewicht geraten.12 Beide Biofaktoren sind für zahlreiche Stoffwechselprozesse unentbehrlich.

Ein solcher Biofaktorenmangel bleibt oft unbemerkt, kann aber gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Tatsächlich stellt sich mitunter die Frage, ob einige Nebenwirkungen gar nicht durch die Hormone selbst, sondern durch Defizite essenzieller Vitamine und Mineralstoffe bedingt sind.4 Beispiel Vitamin B6: Ein Estrogen-induzierter Mangel kann den Tryptophan-Stoffwechsel stören und die Serotoninbildung beeinträchtigen, was sich in Nervosität, Reizbarkeit und Depressionen zeigen kann. Eine Crossover-Studie aus dem Jahr 2022 zeigte, dass die tägliche Einnahme von 100 mg Vitamin B6 über vier Wochen bei jungen Frauen mit oraler Kontrazeption die Depressionssymptome um 20 % reduzieren konnte.5

Wenn die Pille zum Folsäure-Räuber wird

Orale Kontrazeptiva führen zu einer verminderten Verfügbarkeit von Folsäure. Die Folge: ein Folsäuremangel. Studien, teils in Form von Metaanalysen zeigen, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva mit signifikant niedrigeren Plasma- und Erythrozyten-Folat-Konzentrationen einhergeht.6 Aufgrund des erhöhten Risikos für einen solchen Folsäuremangel und der immensen Bedeutung des Biofaktors für eine komplikationsfreie Schwangerschaft wird empfohlen, bei Frauen im gebärfähigen Alter auf eine ausreichende Folsäureversorgung zu achten und einen eventuellen Mangel gezielt auszugleichen.

Fazit für die Praxis: Bio­faktoren gezielt ausgleichen

Angesichts der Einflüsse hormoneller Kontrazeptiva auf den Biofaktoren-Haushalt erscheint eine gezielte Supp­lementierung zum Ausgleich eines Mangels sinnvoll. Auch Interventionsstudien sprechen dafür: So zeigte beispielsweise eine Arbeit aus dem Jahr 2022, dass die Zufuhr bestimmter Biofaktoren – darunter Folsäure, Vitamin B12, Magnesium und Zink – typische Nebenwirkungen kombinierter oraler Kontrazeptiva spürbar abmildern kann. Die Autoren der Arbeit heben hervor, dass insbesondere der erhöhte Bedarf und der beschleunigte Abbau dieser Biofaktoren unter hormoneller Verhütung einen gezielten Ausgleich notwendig machen.13

Autorin

Dr. Daniela Birkelbach

Gesellschaft für Bio­faktoren e. V.

daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren.de 

www.gf-biofaktoren.de

Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern. Weitere Informationen: www.gf-biofaktoren.de

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