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Xenoöstrogene

Xenoöstrogene – Einfluss auf das Klimakterium

Xenohormone beeinflussen den Prozess der Menopause. Um diesen Einfluss zu verstehen und um Gegenmaßnahmen zu ergreifen, ist Forschung notwendig. Ziel künftiger Studien sollte es sein, evidenzbasierte Richtlinien für die klinische Praxis zu entwickeln.


16.10.2025
P. Frigo
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Zitierweise: 2025; 36 (5): 267-270

Schlüsselwörter: Xenoöstrogene, endokrine Disruptoren, endokrin aktive Substanzen (EAS), Menopause



Die Menopause ist ein komplexer biologischer Prozess, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, einschließlich der Exposition gegenüber Xenohormonen. Die Forschung zu diesem Thema ist von entscheidender Bedeutung, um besser zu verstehen, wie sich Umweltfaktoren auf die Gesundheit von Frauen in der Menopause auswirken und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um negative Folgen zu minimieren. Zukünftige Studien sollten sich darauf konzentrieren, die Mechanismen zu klären, durch die Xenohormone die Menopause beeinflussen, sowie darauf, evidenzbasierte Richtlinien für die klinische Praxis zu entwickeln.

Die Menopause stellt einen bedeutenden Abschnitt in der weiblichen Lebensspanne dar, der durch das Ende der reproduktiven Phase und einem Rückgang der endogenen Hormone, insbesondere Östrogen und Progesteron, gekennzeichnet ist. Diese hormonellen Veränderungen können eine Vielzahl von physischen und psychischen Symptomen hervor­rufen, darunter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Veränderungen der vaginalen Gesundheit. In den letzten Jahren hat das Interesse an Xenohormonen und deren potenziellen Einfluss auf die Menopause und die Gesundheit von Frauen zugenommen.

Xenohormone

Xenohormone (endokrine Disruptoren, endokrin aktive Substanzen (EAS)) sind chemische Verbindungen, die in der Umwelt vorkommen und hormonähnliche Wirkungen im menschlichen Körper entfalten können. Sie sind Bestandteile von vielen synthetisch hergestellten Produkten, besonders solchen aus Kunststoff. Sie können aber auch natürlichen Ursprungs sein (z. B. Phytoöstrogene). Zu den bekanntesten Xenohormonen gehören Bisphenol A (BPA), Phthalate und bestimmte Pestizide (9). Auch Dioxin aus verbranntem Plastik wirkt als Xenoöstrogen.


Welchen Einfluss hat diese Plastik- bzw. Hormonverschmutzung auf die Menopause?


Menopause: physiologische Veränderungen

Die Menopause tritt in der Regel zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr auf, wobei die durchschnittliche Altersgrenze in den industrialisierten Ländern bei etwa 51 Jahren liegt (2). Die physiologischen Veränderungen, die während der Menopause auftreten, sind das Ergebnis eines Rückgangs der Ovarialfunktion und eines Anstiegs der follikelstimulierenden Hormone (FSH) und luteinisierenden Hormone (LH) (6). Diese Veränderungen sind für die typischen Symptome der Menopause verantwortlich und können auch langfristige gesundheitliche Folgen haben, wie ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und kardiovaskuläre Erkrankungen (1).

Keine Nahrung ohne Plastik

Die Belastung mit Plastik und damit mit Xenohormonen nimmt weltweit nach wie vor zu. Mikroplastik umgibt uns mittlerweile immer und überall. In Plastik­flaschen, aus denen wir trinken, in unserem Essen oder in Hygieneartikeln. Oft wird zwar versucht, es zu reduzieren, aber ganz ohne schaffen wir es noch lange nicht. Die Menge an Mikroplastik, die wir jede Woche aufnehmen, entspricht einer Kredit­karte.

Mikroplastik

  • großes Mikroplastik: 1 – 5 mm Durchmesser
  • kleines Mikroplastik: < 1 mm Durchmesser
  • Typen: PP (Polypropylen), PET (Polyethylenterephthalat), PS (Polystyrol), LDPE (Low-density polyethylene), HDPE (High-density polyethylene)
  • Es kann sowohl in Gewässern als auch im Sediment nachgewiesen werden.
  • Menschen und Tiere nehmen Plastik mit der Nahrung auf – Mensch: ca. 5 g (1 Kreditkarte) pro Woche.
  • Die Auswirkungen auf Organismen sind sehr unterschiedlich. Gewisse Substanzen und Pathogene lagern sich an den Mikroplastikpartikeln an.

Wenn Plastikflaschen zerkratzen oder zu lange in der Sonne stehen oder wenn wir sie zu oft benutzen, löst sich daraus Mikroplastik, das wir mittrinken. Konkret handelt es sich um PET, das sich thermisch oder mechanisch aus dem Plastik der Plastikflaschen löst.

Dioxin

Wenn Plastik verbrannt wird, kommt ­Dioxin in die Umwelt. Dioxin ist kanzerogen und teratogen und ein wichtiges Xenohormon.

Was sind Dioxine?

Dioxine sind eine Gruppe chemisch verwandter, hochgiftiger Verbindungen, die als Umweltgifte bekannt sind. Dazu gehören polychlorierte Dibenzodioxine (PCDDs) und polychlorierte Dibenzofurane (PCDFs). Sie entstehen hauptsächlich als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen (z. B. Müllverbrennung), chemischen Herstellungsverfahren oder bei der Papierbleiche.

Warum sind Dioxine gefährlich?

  • Sie sind sehr giftig und können bei Menschen und Tieren zu schweren Gesundheitsproblemen führen.
  • Sie reichern sich in der Umwelt und vor allem im Fettgewebe von Lebewesen an (Bioakkumulation).
  • Dioxine können Krebs verursachen, das Immunsystem schädigen, Hormone stören und Entwicklungs- und Fortpflanzungsprobleme verursachen.

Hauptquellen der Belastung

  • Über die Nahrung (vor allem Fleisch, Milchprodukte, Fisch und Meeresfrüchte) gelangen Dioxine in den menschlichen Körper.
  • Menschen, die in bestimmten Industrien arbeiten, können auch berufsbedingt belastet sein.

Gesundheitliche Auswirkungen von Dioxinen

  • Hautkrankheiten wie Chlorakne
  • Schwächung des Immunsystems
  • erhöhtes Krebsrisiko
  • Entwicklungsstörungen bei Kindern

Xenohormone und ihr Einfluss auf die Menopause

Die Forschung zu den Auswirkungen von Xenohormonen auf die Gesundheit von Frauen in der Menopause ist erst am Anfang. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Exposition gegenüber bestimmten Xenohormonen das Risiko für Menopausenbeschwerden erhöht oder die hormonelle Balance stören könnte (7). Beispielsweise wurde BPA mit einem erhöhten Risiko für Hitzewallungen und andere menopausale Symptome in Verbindung gebracht (8).

Darüber hinaus können Xenohormone auch die Wirksamkeit von Hormon­ersatztherapien (HRT) beeinflussen, indem sie die Rezeptoraktivität modulieren oder die Metabolisierung körpereigener Hormone beeinflussen. Dies könnte zu einer variablen Reaktion auf HRT führen und die individuelle Behandlungsstrategie für menopausale Frauen beeinflussen (10).

Plastik macht dick

Die adipogene Wirkung von Xeno­hormonen führt zu einer Zunahme des Körperfetts: Da Xenohormone lipophil sind, werden mit zunehmender Menge an Körperfett mehr davon gespeichert. Dies kann zu einer Aufwärtsspirale hin zu mehr Körperfett und damit zu einer höheren Belastung des Körpers mit Xenohormonen und auch mit anderen lipophilen Umweltschadstoffen führen (11).

Xenoöstrogene wirken als Obesogene

Obesogene sind chemische Substanzen, die das Körpergewicht beeinflussen können, indem sie z. B. die Fettbildung (Adipozytenbildung), den Stoffwechsel oder den Hormonhaushalt stören. Sie können dazu führen, dass der Körper mehr Fett einlagert oder das Hungergefühl steigt.

Obesogene wirken über eine Reihe von Mechanismen, wie:

  • Vermehrung und Vergrößerung der Fettzellen,
  • Veränderung der endokrinen Regulierung der Entwicklung des Fettgewebes,
  • Modulierung der Hormone, die den Appetit, das Sättigungsgefühl und die Nahrungspräferenz regulieren,
  • Modifikation der Grundumsatzrate, der Energiebilanz, zugunsten der Speicherung von Kalorien.
  • Veränderung der Insulinempfindlichkeit und des Fettstoffwechsels im endokrinen Gewebe.

Es ist bekannt, dass die Adipogene/Obesogene natürliche Hormone nachahmen oder teilweise imitieren und unerwünschte biologische Wirkungen haben (12).


Der durchschnittliche BMI (Body-Mass-­Index) ist in den vergangenen Jahrzehnten trotz gleicher Kalorienzufuhr und gleicher körperlicher Aktivität gestiegen.


Xenoöstrogene potenzieren die Östogendominanz in der Perimenopause

Die Perimenopause ist die Übergangs­phase vor der Menopause (der endgültigen Einstellung der Monatsblutung bei Frauen). Sie bezeichnet die Zeit, in der die Hormonproduktion der Eierstöcke allmählich abnimmt und die Fruchtbarkeit nachlässt. Diese Phase kann mehrere Jahre dauern – oft zwischen 2 und 8 Jahren – und beginnt in den meisten Fällen mit Mitte Vierzig. Gekennzeichnet ist diese Phase durch einen Abfall der Progesteron­produktion und damit den Auswirkungen eines Progesteron­mangels: Dysmenorrhoe, verstärkte Blutungen sowie Verkürzung des Blutungsintervalls. Auch Stimmungs­schwankungen und Schlafstörungen können auftreten. Im Gegenzug überwiegt das Östradiol, das bedeutet: Östrogen­dominanz, die durch Xenohormone verstärkt werden kann – was zu Ödemen sowie zur Zunahme des ­Körpergewichtes führen kann.

Aromatase

Die Aromatase ist der Motor der Östrogen­produktion im weiblichen Körper und kann durch Ernährung (Alkohol) und durch das eigene Körperfett stimuliert werden. Daher führt eine hohe Aromataseaktivität zu vermehrter Östrogenproduktion, die das Körpergewicht und die Fett­einlagerung fördert. Xenohormone wie Dioxin sind ebenfalls zum Teil starke Stimulatoren der Aromatase.

In der Nahrung finden sich aber auch Aromatasehemmer, z. B. Zitrone oder viele Gemüsesorten. Gerade in der Perimenopause kann daher durch gezielte Ernährung eine Östrogendominanz ausgebremst werden. Eine Zinksubstitution (20 mg täglich) kann diesen Effekt verstärken und damit die Wirkungen der Xenohormone zumindest auf das Gewicht reduzieren.

Aromataseförderer

  • Xenoöstrogene
  • Alkohol
  • Kuhmilch
  • vor allem aber Körperfett

Aromatasehemmer

  • Reiner Kaffee beispielweise ist ein guter Aromatasehemmer. Die Aromastase-Diät basiert darauf, solche Lebensmittel vermehrt in die Ernährung einzubauen, wie Gemüse (rote Rüben, Karotten, Kohl) und Zitrone!
  • Zink: Besonders im Klimakterium ist eine entsprechende Zinksubstitution zu empfehlen (> 20 mg).

Wie kann eine Belastung mit Xenohormonen vermieden werden?

Es gibt wenig bis keine Testungen auf Plastik beziehungsweise Xenohormone. Plastikflaschen und deren Entsorgung sind allerdings ein Thema geworden.

Pestizide sind in unserer Nahrung – hier kann man nur auf die Hinweise der Produzenten vertrauen.

Weitere Quellen von Xenohormonen sind Kosmetikartikel, Waschmittel, Weichmacher, Putzmittel und Textilien.

Fazit 

Das Vermeiden von Xenohormonen ist z. B. durch Diversität möglich. So scheint es am besten, nicht auf einige wenige Nahrungsmittel zu vertrauen, sondern lieber abwechslungsreich zu essen. Regionale und saisonale Gemüse als Grundlage einer Aromatasehemmung sind zu empfehlen. Lebensmittelverpackungen mit Plastik sollte man so weit wie möglich vermeiden, vor allem bei direktem Kontakt von Plastik mit dem Lebensmittel.

1 Bliwise DL et al. Menopause and Sleep: A Review of the Literature. Menopause 2017;24(5):547-554.

2 Freeman EW et al. Menopause Transition and Quality of Life. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2014;99(4):1438-1445.

3 Frigo P. Mühelos schlank mit der Kraft der Hormone. Edition A, 2022.

4 Frigo P. Im Wechsel. Ueberreuterverlag, 2023.

5 Frigo P. et al. Hormonfibel – Magistrale Rezepturen. Apothekerverlag, 2020.

6 Kumar R. et al. Hormonal Changes and Symptoms During the Menopause Transition. Menopause: The Journal of The North American Menopause Society 2019;26(5):537-542.

7 Meyer HE. et al. Xenoestrogens and Their Effects on Human Health. Environmental Health Perspectives 2016;124(2):174-180.

8 Miller KK et al. BPA and Menopausal Symptoms: A Review. Journal of Women’s Health 2015;24(1):1-8.

9 Rudel RA et al. Environmental Exposures and Health Outcomes. Environmental Research 2011;111(8):1079-1085.

10 Schug TT et al. Endocrine Disruption and the Role of Xenohormones. Nature Reviews Endocrinology 2016;12(12):709-721.

11 Darbre Pd.Curr Obes Rep.2017 Mar;6(1):18-27. Doi:10.1007/s13679-017-0240-4. PMID:28205155.

12 Vandenberg LN, Colborn T, Hayes TB et al. Hormones and endocrine-disrupting chemicals: low-dose effects and nonmonotonic dose responses. Endocr Rev. 2012;33:378-455. doi: 10.1210/er.2011-1050.

Autor/Korrespondenzadresse

Univ.-Prof. Dr. Peter Frigo

Universitätsklinik für Frauenheilkunde

Klinische Abteilung für Gynäkologische Endo­krinologie und Re­produktionsmedizin

Währinger Gürtel 18-20, A-1090 Wien

E-Mail: peter.frigo(at)meduniwien.ac.at 

Interessenkonflikte

Finanzielle Interessen: keine.

Nichtfinanzielle Interessen und Mitgliedschaften: Univ.-Prof. Dr. Peter Frigo ist im Vorstand der Österreichischen Menopausegesellschaft, der Österreichischen Andropause­gesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Sterilität, Fertilität und Endokrinologie.

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