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Dermatologie Dermatologie Dermatologie, Ästhetik
Facelift

Konventionellen Facelift-Techniken überlegen: Extended Deep-plane-Facelift

 Es gibt viele verschiedene Facelift-Techniken, die aufgrund ihrer Vielzahl schwer überschaubar sind. Ein Deep-plane-Facelift wurde entwickelt, weil man bemerkte, dass es einen sehr stark verwachsenen SMAS*-Anteil gibt („fixed“, eher ohrnah gelegen) und einen Anteil, der sehr gut verschieblich ist („mobiles” SMAS, Mittelgesicht-/ Nasen-Wangen-Falten-nah). Außerdem wurden Verklebungspunkte zwischen Haut und tiefergelegenen Strukturen beschrieben, die verhindern, dass sich das SMAS spannungsfrei redrapieren lässt. Im Folgenden erläutere ich die Gründe, warum diese Technik in meinen Augen den konventionellen Facelift-Techniken überlegen ist. – *superfizielles muskuloaponeurotisches System


06.10.2023
F. Z. Dagtekin
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Zitierweise: HAUT 2023;34(5):188-195.

Abstract

There are many different facelift-techniques,which are not easily surveyable due to their multitude.  A deep-plane facelift was developed because it was noticed that there is a fixed part of the SMAS (superficial musculoaponeurotic system) near the ear, and a mobile part (middle face, near nose and cheeks). Moreover, points of adherence between skin and deeper structures were described that prevent the SMAS from being redraped tension-free. In this article, I outline the reasons why I consider this technique to be superior to conventional facelift-technques.


Schlüsselwörter: Deep-plane-Facelift, SMAS, superfizielles muskuloaponeurotisches System



Schwer überschaubare Vielzahl an Facelift-Techniken

In den Anfängen der Gesichtschirurgie Anfang des 19. Jahrhunderts wurde nur die Haut gelöst, der Überschuss entfernt, dann folgten die ersten Raffnähte in der Tiefe1.

Die Gesichtschirurgie wurde dann tiefgründiger mit der Beschreibung von Skoog (1974)2, die unter der Haut gelegene Schicht zu präparieren, und diese bekam dann auch einen Namen durch Mitz und Peyronie (1976)3 – das SMAS (superfizielles muskulo­aponeurotisches System).

Diese Schicht verzahnt sich nach superfiziell in die Haut und in die Tiefe auf Muskeln und Nerven, ggf. mit dünnen Trennmembranen. Sie existiert in derselben Ebene im oberen Drittel des Gesichtes und heißt hier temporoparietale Fazie. Im unteren Drittel – am Hals – ist sie zum Platysma geworden.

Im mittleren Drittel – unserem Haupt­augenmerk – reicht sie von einer Region vor dem Ohr, die Parotis und den M. masseter überlagernd, bis zum M. zygomaticus major; weiter nasenwärts existiert kein SMAS mehr.

In den Jahrzehnten nach Erstbeschreibung des SMAS wurden die verschiedensten Präparationsausdehnungen des SMAS beschrieben – Low-SMAS- und High-SMAS-Facelifts – in Bezug auf den Joch­bogen, außerdem verschiedene Raffungs und Teilexzisionstechniken.

Die Raffungstechniken (Fogli sowie Tonnard und Verpaele4,5) konnten aber selbst mittelfristig keine guten Ergebnisse vorweisen, besonders nicht am Hals. Auch hier entwickelten sich Techniken zur Manipulation der Haut oder des Muskels am Hals, z. B. eine zentrale Platysmaplastik mit seitlicher oder zen­traler Inzision des Platysmas, um erschlaffte Muskelanteile dort wieder zu repositionieren und eine jugendlichere Kinn-Hals-­Kontur zu schaffen.

Da ich seit 2004 selbständig in eigener Praxisklinik bin, habe ebenfalls eine persönliche Entwicklung durchlaufen. Mit frühem Fokus auf die sehr spannende, aber ebenso anspruchsvolle Gesichtschirurgie machte ich zunächst klassische SMAS-Facelifts – also eine Präparation des SMAS vor dem Ohr über die Parotis hinaus, bis sich zwei Zügel trennen ließen, die wiederum in verschiedene Zugrichtungen „unter der Haut“ befestigt wurden. Später dann High-SMAS-Lifts.

Die Entwicklung zu einem Deep-plane-Facelift rührte daher, dass zum einen bemerkt wurde, dass es einen sehr stark verwachsenen SMAS-Anteil gibt („fixed“, eher ohrnah gelegen) und einen Anteil, der sehr gut verschieblich ist („mobiles“ SMAS, Mittelgesicht-/ Nasen-Wangen-Falten-nah). Die „Hauptalterung“ findet im beweglichen Teil des Mittelgesichts  statt.

Zum anderen wurden Verklebungspunkte zwischen Haut und tiefergelegenen Strukturen beschrieben (Furnas6), die verhindern, dass sich das SMAS spannungsfrei von ohrnah redrapieren lässt.

Aufbauend auf den Erkenntnissen des australischen Chirurgen Bryan Mendelson7 hat der Amerikaner Jacono (QMP 2021)8 die Technik des Deep-plane-Facelifts verfeinert und erweitert (auf den Hals – deshalb „extended“). Er hat diese Technik sehr populär gemacht. Ob alle, die sich auf sie berufen, sie auch so konsequent umsetzen, lasse ich mal dahingestellt.

Diese Technik ist in meinem Augen konventionellen Facelift-Techniken überlegen, weil sie 

  • erst im Bereich des mobilen SMAS ansetzt und dann in die Tiefe geht, weil dort auch der Hauptalterungsbereich lokalisiert ist (es macht wenig Sinn, eine aufwendige, ohrnahe Präparation durchzuführen) – also kürzere Zugwege vom „Problem“ aus gesehen,
  • die Verklebungspunkte in der Tiefe (retaining ligaments), vor allem im Bereich des M. zygomaticus, komplett (!) löst,
  • weniger subkutanen Totraum kreiert, der potenziell nachblutungsgefährdet ist,
  • einen Composite-Lappen hebt, der aus SMAS und der Muskulatur besteht, also viel (!) natürlichere Ergebnisse ermöglicht, weil so
  • die Spannung komplett in die tieferen Schichten verteilt wird und man auch hier ohne größere Zugkraft auskommt, deshalb: spannungsfreier Hautverschluss – bessere Narben.

Die Technik des Deep-plane-Facelifts ist des Weiteren überlegen, weil sie außerdem

  • einen deutlicheren Effekt auf z. B. eine tiefe Nasen-Wangen-Falte entstehen lässt, da man weiter nach nasenwärts gelöst hat,
  • auch am Hals eine langlebigere Verbesserung durch eine „Muskelsuspension“ unterhalb der Kinnlie schafft,
  • die motorischen Äste des N. facialis in direkter Nachbarschaft – unter einer weiteren Faszie – in Sicht und Sicherheit liegen lässt (bei korrekter Präparationsebene).

Indikationen im Gesicht

Da dieses „natural deep-plane lift“ einen besonders deutlichen Verjüngungseffekt mit sich bringt, sollte man im Vorgespräch auch Zonen im Gesicht ansprechen, die eventuell schon vorher, aber sicher dann nach einem solchen Eingriff unter dem Aspekt der gleichwertigen Verjüngung deutlich abfallen.

Das Ziel eines guten Gesichtskonzeptes muss immer ein gleichmäßiges Endergebnis sein.

Anhebungen der Augenbrauen und Ober-/ Unterlidstraffungen eignen sich dazu, in derselben Sitzung gemacht zu werden, weil dann der entstehende Hautüberschuß gleich mit in die Schläfenregion „weiterverteilt“ werden kann und die Narbe an der Schläfe entlang des Haaransatzes nicht so weit nach kranial reichen muss.

Auch Eingriffe an den Lippen sind, besonders in der Frontalansicht, sehr wichtig für die Balance eines attraktiven, jugendlicheren Gesichtseindruckes. Lipofillings runden das Ergebnis ab.

Ich bevorzuge es, Eigenfetttransplantati­onen nicht in derselben Sitzung vorzunehmen, da der Effekt des Lipofilling dann nicht isoliert betrachtet werden kann. Das sollte er aber. Generell werden viele Kombinationseingriffe primär aus pekuniären Gründen vorgenommen. Selten ist das sinnvoll. Die genauer Reihenfolge ist mit den Patientinnen und Patienten zu besprechen. In meiner Praxisklinik nehme ich „Kleinigkeiten“ wie Schläfen-, Augen- und Lippeneingriffe gern vor dem eigentlichen Facelift vor (in lokaler Betäubung und Dämmerschlaf).

Anzeichnung

Inzisionslinien: dem Haaransatz im Schläfenbereich folgend, zum Ohr hinüber, bei Frauen in der Regel intratragal, Verlauf des N. frontotemporalis, „deep plane entry line“ (vom lateralen Lidwinkel bis zum knöchernen Kinnwinkel), dann Vorderrand des M.sternocleidomastoideus, N. auricularis magnus, mandibulares osteokutanes Ligament (Merkel‘sche Falte kinnseitig).

Narkose

Der Eingriff selbst findet in der Regel in Dämmerschlaf statt; diese Narkoseart reicht gewöhnlich aus. Außerdem werden Blutdruckspitzen in der Extubationsphase vermieden. Die lokale Unterspritzung dient in erster Linie dazu, die Blutungsneigung he­rabzusetzen, und erst in zweiter Linie dazu, für intraoperative Schmerzfreiheit zu sorgen.

Unsere Mischung besteht aus 100 ml NaCl, dazu 100 ml 1% Lidocain gemischt mit 100 ml Bupivacain (0,25 %). 2 x 1-ml-Ampullen Epinephrin (1.000 mg/ml) – frisch dazu, da lichtempfindlich – und 2 Ampullen Tranexamsäure 10 ml (mit jeweils 1.000mg/10 ml), zusammen ca. 320 ml – je ca. 70 ml pro Gesichtsseite –, 70 ml für den Hals, Rest nach Belieben. 15 min Einwirkzeit.

Operation

Der Hautschnitt erfolgt mit einem 15er-Skalpell entlang der temporalen Haut, an der Haargrenze, sanft geschwungen, dort, wo die Haare etwas dichter werden, intra­tragal, übliche Schnittführung.

Dann 2 mm unterhalb des Oberläppchens schneiden, um den natürlichen Sulcus zwischen Ohrläppchen und Wange zu erhalten. Anschließend 1 bis 2 mm auf der Concha der Ohrmuschel entlang. Wenn sehr viel Haut am Hals zu entfernen ist, erfolgt die Umkehr auf Höhe der triangulären Fossa des Ohres – dies ist eigentlich auch bei mäßig viel Haut besser, weil man dann nicht so plissieren muss.

Subkutane Lösung

Scharfe Präparation mit Messer vor dem Ohr, wenig Fett für 2 cm belassen, unterhalb des Ohres auf der Faszie des M. sternocleidomastoideus bleiben! Cave: N. auricularis magnus.

Am Hals bis auf die Höhe des Ringknorpels (Krikoids) lösen. Wird verbunden mit der Gegenseite. Je nach Halsproblemen submentale Inzision zusätzlich.

An der Kinnlinie wird nun das mandibulare osteokutane Ligament subkutan gelöst. Die Haut in dessen Umgebung sollte sich richtig hochschieben oder hochrollen lassen.

Die subkutane Präparation reicht bis etwa 2 bis 4 mm hinter die „deep face entry“-Linie und umfasst die Kinnlinie (2 cm da­rüber und 2 cm darunter), je nach Hals­laxizität die Halshaut bis zum Krikoid, und reicht bis ca. 5 cm kaudal des Kinnwinkels.

Retroaurikulär – je nach Hautüberschuss am Hals – auf Höhe der Fossa triangularis wieder nach kaudal – den Haaransatz entlang.

An der Schläfe bitte viel subkutan freipräparieren, je nachdem, ob ein Augenbrauenlift mitgemacht wird oder nicht. Cave: Stirn­ast des N. facialis!

Deep-plane-Präparation

Am Kinnwinkel wird begonnen. Einen 5-fach-Haken parallel zur Inzisionslinie einsetzen, Lift nach oben und mit einer 10er-Klinge das SMAS an dieser Stelle einschneiden. Weiterführen des Schnittes von der Mandibula bis zur unteren Orbita­kante.

Vertikales Spreizen, um den Lappen von der Parotis-/ Masseter-Faszie zu heben. Die kutanen Masseter-Verklebungen werden so gelöst. Sie liegen an der anterioren Masseter-Kante. Dahinter kommen A. und V. facialis. Davor stop!

Nach kaudal/ halswärts wird die Präparation stumpf fortgesetzt. Also unter dem Platysma unterhalb der Mandibula und in Richtung des M. sternocleidomastoideus (SCM), um die Platysmaspaltung später vorzubereiten.

Im kranialen Teil der Entry-Linie darf man nicht so tief einschneiden, da es hier kein SMAS mehr gibt und der M. orbicularis quasi schon subkutan liegt! Hier stumpf eingehen (Finger). Hier sucht man Fasern des M. orbicularis, am besten die lateralen. Die Muskelfasern werden nach kaudal gestreift, es zeigt sich gelbes Fett am Dach der Präparation.

In der Ebene weiter nach kinnwärts sucht man die Schicht superfiziell zum M. zygomaticus major (Finger oder Schere), in dieser Schicht kann man medialwärts in den prämaxillären Raum weitermachen.

Bis zur Nasen-Wangen-Falte (NWF) gehen. „Finger assisted malar elevation“. Medial des M. zygomaticus major gibt es kein SMAS. Das, was man hebt, ist nur noch Haut und das malare Fettpolster.

Die Nerven zu den mimischen Muskeln hier kommen von unten an die Muskeln heran. Daher ist das sicher.

Jetzt sollten die zygomatischen, osteo­kutanen Ligamente zwischen dem unteren und oberen Lappen isoliert worden sein.

Scharfe Lösung dieses Hauptligamentes superfiziell zu den Mm. zygomatici mit dem 10er-Messer. Stumpf weiter. Evtl. noch ein mililäres Band stumpf lösen. Jetzt ist das Mittelgesicht offen.

Nun kann – von superfiziell – auch das buccale Fett reduziert werden. Der Fettkörper hat eine dünne Kapsel, in der der Äste des N. facialis laufen. Also wenn, dann vorsichtig und maßvoll reduzieren (Abb. 3).

Hals tief

Die Haut am Hals wurde inzwischen subkutan gelöst. Jetzt erfolgt eine Markierung ca. 5 cm vom Kinnwinkel nach kaudal entlang der anterioren Seite des SCM zum Platsyma. Das ist de facto in unmittelbarer Nähe und Projektionsebene zum Kiefernwinkel und zur Anfangslefze des bereits gehobenen SMAS-Lappens. An den N. auricularis magnus denken!

Die superfizielle Faszie des SCM am ventralen Muskelbauch entlang auf 4 bis 5 cm einritzen, hier unter den Muskel gehen und circa 1 bis 1,5 cm weit zur Halsmitte präparieren. So werden die vor dem Muskel liegenden zervikalen Haltebänder gelöst.

Lichtretraktor unter SCM-Kante einsetzen, spannen und stumpf spreizend weiter nach anterior lösen. Direkt unter dem Platysma ist es sicher (Nerven laufen unter der Halsfaszie).

Die Präparation unter dem Platsyma geht (wieder), wie auch im Sub-SMAS-Bereich, nur bis in den Bereich, wo die A. facialis die Mandibula kreuzt, circa 4 cm anterior ab der anterioren Kante des SCM. Hier wird auch der marginale Ast des N. facialis oberflächlich und wäre in Gefahr. Nicht weiter präparieren! Nach kaudal setzt man die Präparation bis etwa 5 cm fort. Es folgt eine anti­biotische Spülung des OP-Areals mit Gentamycin und Bacitracin mit viel Wasser.

Vectoring/ Suspension

Der subplatysmale Lappen sollte jetzt idealerweise mit dem Sub-SMAS-Lappen in continuitatem verbunden sein.

Das Mittelgesicht (MG) -SMAS an 2 Stellen nehmen und von ganz horizontal bis ganz vertikal rotieren. Der Winkel, der das Jowling (überschüssige Haut im unteren Gesichtsbereich) am besten korrigiert, ohne das Mittelgesicht zu flach erscheinen zu lassen, wird gewählt.

Insgesamt werden 4 bis 7 Aufhängungspunke entlang des Stumpfes des SMAS gewählt, die von kaudal beginnend nach schräg oben pexiert werden (4x 0 PDS). Mit der ersten Naht des Composite-Lappens an die präaurikuläre Faszie ist auch der Punkt der späteren Platysma-Durchtrennung fest­gelegt.

Der „Steigungswinkel“ der Aufhängung kann trotzdem noch etwas variiert werden. Generell kann man sich am Verlauf des M. zygomaticus major orientieren und parallel dazu bleiben.

Zentraler Hals

Wenn sich mit latero-kranialem Zug (präoperativ zu testen) der zentrale Hals gut korrigieren lässt und auch kein subplatysmales Fett vorhanden ist,  muss man den zentralen Hals nicht zwingend öffnen.

Eine Korsettplastik bringt, wenn notwendig, wieder mehr Volumen in den su­prahyoiden Unterkinn-Aspekt. Das verschleiert aber andererseits die gewünschte Definition in diesem Bereich und keiert außerdem eine Gegenkraft zur lateralen Platsyma-Aufhängung, die dann weniger wirksam ist.

Postoperative Behandlung

Sprühpflaster, evtl. Steristrips. Aufgeschüttelte Kompressen hinter dem Ohr, Watte, selbstklebende Wickelung. Fibrinkleber oder Redondrainage.

Die Fäden werden nach 7 Tagen entfernt, in behaarten Bereichen auch etwas später. Krustpflege mit Dexpanthenol, dann Silikon-Narbengel mit Sonnenschutz.

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Autor

Dr. Falk Z. Dagtekin
Ärztlicher Leiter
Isartal-Klinik
Nördliche Münchner Straße 23, 82031 Grünwald
E-Mail: dagtekin(at)isartal-klinik.de