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Haartransplantationen erfreuen sich großer Beliebtheit bei von Haarverlust betroffenen Personen. Das Verfahren kann zu guten ästhetischen Resultaten führen, die man früher so nie erwartet hätte. Voraussetzung für den Erfolg ist die fachgerechte Behandlung mit bestem Equipment durch ein spezialisiertes Team. Die Einzelentnahme der follicular Units (FUE) hat sich auch in Deutschland mit 70 Prozent Anteil etabliert. Eine gutes, ausreichend profundes Aufklärungsgespräch hilft den Betroffenen bei der Suche nach Spezialisten. Ärztliche Kompetenz und Qualitätsarbeit führen zu zufriedenen Patientinnen und Patienten – und zu positiven Bewertungen im Internet.
© Dr. med. Frank G. Neidel
Zitierweise: HAUT 2023;34(4):144-150.
Abstract
Hair transplants are very popular among people affected by hair loss. Good aesthetic results can be achieved which would never have been expected like this in the past. To be successful, a professional treatment by a specialized team using the best equipment is required. The individual removal of the follicular units (FUE) has been established in Germany, too, with a 70 percent share. A good, sufficiently profound pre-operation discussion helps patients in their search for a specialist. Medical competence and high quality work lead to satisfied patients – and to positive reviews on the Internet.
Schlüsselwörter: Haartransplantation, FUE-Technik, FUT-Technik, follicular Units, FAQ
Haartransplantationen sind in den letzten 10 Jahren mehr und mehr in den Fokus der rekonstruktiven Mikrochirurgie ehemals behaarter Regionen der Kopfhaut gerückt. Das liegt zum einen an den natürlichen Resultaten und zum anderen am Outing einiger bekannter Persönlichkeiten aus Sport und Politik. Ein nicht zu vergessender Fakt ist die revolutionäre Veränderung der Entnahmetechnik hin zu follicular Units. Das sind kleinste anatomische Einheiten von Haarwurzelgruppen, die 1 bis 5, manchmal auch mehr Haarfollikel beinhalten3.
Haarwurzeln wurden klassisch in örtlicher Betäubung in einem Hautstreifen unterschiedlicher Länge und Breite aus dem Haarkranz entnommen (Streifenentnahme, Strip-Technik, FUT). Der Hautstreifen wurde unter dem Mikroskop aufwendig und personalintensiv präpariert, sodass am Ende die so gewonnenen follicular Units in haarlose Regionen transplantiert werden konnten.
Seit 2002 Bill Rassmann die direkte Entnahme der follicular Units mit sehr kleinen Mikrobohrern publizierte, hat sich diese Methode nach und nach auch in Europa durchgesetzt4. Die Medizintechnik hat sich ergänzend dazu rasant entwickelt, sodass eine möglichst verlust- und verletzungsfreie Entnahme von Haarwurzeln möglich ist1,5. Die neue Entnahmetechnik wird bezeichnet als FUE-Verfahren (Follicular Unit Excision). Mit dieser Technik können Ärztinnen und Ärzte personalsparend nach einer kurzen Lernkurve schnell große Transplantatmengen gewinnen, was mehr und mehr operativ tätige Ärzte zur Anwendung ermutigt (Abb. 1).
Wie funktioniert eine Haartransplantation?
Es werden mikrochirurgisch Haarwurzeln aus einem gegen Haarausfall unempfindlichen Gebiet (meist hinterer und seitlicher Haarkranz) entnommen. Nach Qualitätscheck und ggf. Präparation werden die Kleinsttransplantate im Zielgebiet in Empfängerkanälchen eingesetzt.
Je nach Anzahl der zu transplantierenden Haarwurzeln, technischer Ausstattung und Trainingszustand des Teams dauert dieser Eingriff 3 bis 8 Stunden (Abb. 1–3). Die Haartransplantation ist eine Umverteilung von potenten Haarwurzeln, keine Haarvermehrung.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
In der Regel wird die Behandlung unter oraler Sedierung mit Midazolam oder ähnlichen Präparaten in örtlicher Betäubung durchgeführt und ist völlig schmerzfrei. Durch Knochenleitung wahrgenommenes Kratzen und Knirschen beim Arbeiten wird durch die Sedierung kaum wahrgenommen.
Blutet es über die Zeit und bei der Menge der Kleinstöffnungen stark?
Nein. Voraussetzung ist eine lege artis durchgeführte Lokalanästhesie genau in die gefäßführende Schicht der Haut, nämlich intrakutan. Subkutane oder gar subgaleale Injektionen sind wirkungslos und führen zu starken Blutungen und zu Unübersichtlichkeit im Behandlungsgebiet. Dem Lokalanästhetikum wird immer Adrenalin oder Noradrenalin im Verhältnis 1:100.000 zugesetzt (Abb. 3).
Warum ist ab dem 3. Tag postoperativ die Orbitalregion ödematös und hämatös verändert?
Bei Haartransplantationen im frontalen Bereich kommt es in der ersten postoperativen Nacht zu Hämatombildungen unter der Kopfhaut. Diese verursachen eine lokale Schwellung, die sich durch die Schwerkraft immer über die Periorbitalregion nach kaudal im Gesicht verteilt und auflöst. Dieses Phänomen verursacht trotz Aufklärung bei einigen Patientinnen und Patienten Panik. Es wird in diesem Zusammenhang auch eine Infektion befürchtet, was nicht der Fall ist. Eine Antibiotikatherapie ist daher nicht indiziert; Lymphdrainage oder orale Antiphlogistika können hilfreich sein. Nach weiteren 3 Tagen sind die Schwellungen in der Regel abgeklungen (Abb. 4).
Wie ist mit Gerinnungshemmern zu verfahren – absetzen oder umstellen?
Sogenannte moderne NOAK-Präparate (nicht Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien) sollen 2 Tage präoperativ abgesetzt werden. Die Behandlung kann, falls für erforderlich gehalten, unter „Low-Dose-Heparinisierung“ erfolgen. Patienten unter Warfarin oder ähnlichen Stoffgruppen müssen dies 7 bis10 Tage vorher absetzen, Low-Dose-heparinisieren und können nach Kontrolle der Gerinnungsfaktoren die Behandlung durchführen lassen.
Patienten, die lediglich 100 mg ASS täglich zuführen, können behandelt werden. Gegebenenfalls kann das Präparat am Tag vorher für 2 Tage ausgesetzt werden.
Wann ist man wieder „gesellschaftsfähig“?
Mikrochirurgisch durchgeführte Haartransplantationen gewährleisten eine sehr schnelle Wundheilung innerhalb von 10 bis 12 Tagen. Krustenbildung und Schwellungen im Sinne eines Brillenhämatoms klingen spätestens nach einer Woche ab. Durch tägliche milde Haarwäsche lösen sich Krusten ohne weiteres Zutun von selbst. Empfindliche Hauttypen können im Behandlungsgebiet etwas länger Rötungen aufweisen, die mittels zinkhaltiger Lotionen gut therapierbar sind. Die Entnahmezone heilt ebenso problemlos ab, die verbliebenen Haare wachsen permanent weiter, sodass der Eingriff nach 2 Wochen hier kaum noch optisch wahrnehmbar ist (Abb. 5).
Wie hoch ist die Anwuchsrate der Transplantate und der zu erwartende Haarwuchs?
Bei gesunden Patientinnen und Patienten beträgt die Anwuchsrate der Kleinsttransplantate nahezu 100 Prozent, handelt es sich doch um körpereigenes Material. Voraussetzungen sind eine verletzungsfreie Entnahme der Haarwurzelgruppen und eine atraumatische Implantation. Der zu erwartende Haarwuchs beträgt je nach Team, Equipment, Technik und Erfahrung des Arztes 50 bis 95 Prozent, in der Regel bei geübtem Team 90 Prozent. Bei starken Rauchern über 45 Jahren und bei starken Vernarbungen des Transplantationsareals kann der Haarwuchs spärlicher ausfallen.
Warum beginnt der neue Haarwuchs erst 3 Monate nach der Operation?
Durch intra- sowie postoperativen Sauerstoff- und Nährstoffmangel gehen die Haarwurzelzellen in die Ruhephase über. Sie regenerieren sich innert 2 bis 3 Monaten, dann beginnt die Wachstumsphase. Bis die ersten – zunächst vellusartigen – neuen Haare sichtbar werden, vergeht unter Umständen ein weiterer Monat. Erst nach 4 bis 5 Monaten wird der Haarwuchs kräftiger. Das Endresultat der Transplantation soll demzufolge nach Ablauf von 10 bis 12 Monaten begutachtet werden (Abb. 6a-c).
Wie lange wachsen transplantierte Haare, warum fallen manche wieder aus?
In der Regel produzieren transplantierte Haarwurzelzellen permanent, also lebenslang, neuen Haarwuchs. Voraussetzung dafür ist die Entnahme der Wurzeln aus dem Haarkranz, also den kaudalen Regionen der behaarten Kopfhaut. Diese werden stammesgeschichtlich der Körperbehaarung zugerechnet und sind gegen eine vererbte Empfindlichkeit auf Dihydrotestosteron (DHT) unempfindlich. Auch Körperhaare aus Brust- oder Bartregion wachsen permanent. Werden Haarwurzeln aus Gebieten entnommen, die mit zunehmendem Alter kahl werden, dann produzieren diese Haarwurzeln nur zeitlich begrenzt Haarwuchs. Auch bei der Transplantation beschädigte Haarwurzeln können unter Umständen nur einen Zyklus Haarwuchs produzieren und stellen dann ihre Tätigkeit ein.
Werden Haartransplantate auch in Narben anwachsen und Haare produzieren?
Ja, auch Narbengebiete verschiedener Art können wieder mit Haarwurzeln aufgefüllt werden. Je besser die Durchblutung im Narbengebiet, desto besser wird der zu erwartende Haarwuchs sein. Bei großen Narbenflächen kann es zentral, ähnlich dem Prinzip der letzten Wiese, zu Durchblutungsstörungen kommen. Der Haarwuchs bleibt dort aus. Wegen des sogenannten Trainingseffekts kann eine Zweitbehandlung, kombiniert mit einer allgemeinen Verdichtung, zu vollständigem Haarwuchs führen. Deshalb soll bei Transplantation in Narben die Zweitoperation immer vorab einkalkuliert werden.
Ist eine Haartransplantation bei narbigen Alopezien der Kopfhaut sinnvoll?
Erkrankungen der Kopfhaut sind unter anderem die frontal fibrosierende Alopezie (FFA), Lupus erythematodes (LE) und Lichen planopilaris (PPL). Wenn diese Krankheiten medikamentös therapiert und stabilisiert sind, ist eine Haartransplantation möglich. Die Betroffenen sind besonders dankbar, denn in der Regel produzieren die Transplantate, anders als erwartet, permanent Haarwuchs. Rezidive o. g. Erkrankungen sind zu vermeiden, indem Lokalbefunde kontrolliert und frühzeitig therapiert werden. Denn sie können schlimmstenfalls zu erneutem Haarverlust führen. Nach mehreren Jahren kann es bei den genannten Krankheiten zu erneutem Haarausfall im Behandlungsgebiet kommen. Die Betroffenen sind trotzdem sehr dankbar für die temporäre Verbesserung und können bei guter Spendersituation eine erneute Haartransplantation durchführen lassen.
Ist bei Alopecia areata eine Haartransplantation indiziert?
Solange es sich um ein akutes Stadium handelt, ist medikamentöse Behandlung die erste Wahl. Hier haben sich gerade in letzter Zeit vielversprechende neue Therapieoptionen eröffnet. Ist die Areata nach 2 Jahren Therapie „ausgebrannt“, monofokal bzw. im behaarten Kopf umschrieben klein, dann ist eine Haartransplantation auf eigenes Risiko möglich. Etwa 50 Prozent der transplantierten Patienten erliegen einem Rezidiv.
Kann man Körperhaare transplantieren?
Die „Body Hair Transplantation“ (BHT) kann ergänzend bei Mangel an Haarwurzeln der normalen Spenderregion durchgeführt werden (z. B. AGA Typ 7). Körperhaare sind immer dann optisch wirksam, wenn ihre Struktur dem normalen Spenderhaar ähnelt. Die Einzelentnahme ist dort besonders gut zu handhaben, wo weiche Unterhautverhältnisse herrschen, also im Bartbereich hinter dem Kinnvorsprung und im Brustbereich. Rückenhaar und auch Flaumhaar der Extremitäten ist schwer entnehmbar und sehr selten für eine BHT geeignet. Körperhaare eignen sich zu einer allgemeinen Verdichtung im Ober- und Hinterkopfbereich, jedoch nicht zur Rekonstruktion des Haaransatzes.
Kann man Haarwurzeln zur Rekonstruktion der Bartbehaarung oder der Augenbrauen nutzen?
Ja, das ist möglich. Bei Bartrekonstruktionen kann man Spenderhaarwurzeln aus gleicher Region benutzen oder auch klassisch aus dem hinteren oder seitlichen Haarkranz entnehmen. Für Rekonstruktionen der Augenbrauen benutzt man in der Regel Haarwurzeln aus dem Nackenbereich, weil diese der Struktur der Augenbrauen ähneln. Es gilt zu beachten, dass wegen des programmierten Längenwachstums die neuen Haare zwei Mal pro Woche gestutzt werden müssen.
Wer darf in Deutschland Haartransplantationen durchführen?
Nach deutschem Gesetz muss jede invasive Tätigkeit am Menschen, z. B. die Haut eröffnen, durch eine(n) approbierte(n) Arzt oder Ärztin erfolgen. Eine Ausbildung in einem operativen Fach ist hilfreich und wünschenswert. Wichtig ist ein gut trainiertes Operationsteam, denn allein kann eine umfangreiche Transplantation nicht bewältigt werden. Ärztinnen und Ärzte sollten sich ggf. auf diese Art Eingriff spezialisieren, also nationale und internationale Workshops mit „hands-on-training“ absolvieren. Eine längere Hospitation bei einem erfahrenen „Haarchirurgen“ ist hilfreich bei der Entscheidung für oder gegen dieses Spezialgebiet. Für „Neuorientierung“ im fortgeschrittenen Lebensalter trifft allerdings oft der Spruch zu: „Schuster bleib bei deinem Leisten“. Denn die Neuorientierung erfordert etwa 5 Jahre für manuelles Training sowie für Personalstrukturierung, Adaptieren der räumlichen Strukturen und geeignetes Equipment.
Wie sind in Deutschland tätige „Spezialistenteams“ aus dem Ausland einzuschätzen?
Gelegentlich wird von Patientinnen und Patienten berichtet, dass Haartransplantationen durch aus dem Ausland speziell angereiste Spezialistenteams durchgeführt werden. Meist stehen dahinter rein pekuniär orientierte Gesellschaften, die Ärzte und Hilfskräfte ohne Lizenz und Approbation für Deutschland hier arbeiten lassen. Das ist kein Kavaliersdelikt und kann zu straf- und standesrechtlichen Konsequenzen für den deutschen „Gastgeber“ führen.
Wo kann man sich profunder informieren?
Die größte internationale ärztliche Vereinigung auf diesem Gebiet ist die International Society of Hair Restoration Surgery,
www.ISHRS.org . Die Aufnahmekriterien sind im Internet abrufbar. Außerdem gibt es auch in Deutschland eine kleinere fachärztliche Vereinigung, die sich auf Haartransplantationen spezialisiert hat: der Verband Deutscher Haarchirurgen, www.vdhc.de .
Dr. med. Frank G. Neidel
Spezialpraxis Haartransplantation
HAIRDOC
Königsallee 30, 40212 Düsseldorf
E-Mail: info(ett)hairdoc.de
https://www.hairdoc.de/
1. Devroye J. Powered FU extraction with the short-arc-oscillation flat punch FUE system. Hair Transplant Forum Int’l 2016;26(4):129-136 DOI: doi.org/10.33589/26.4.0129a
2. https://ishrs.org/ishrs-2022-practice-census-results/, zugegriffen am 20.7.2023.
3. Neidel FG. Haartransplantation. Springer Heidelberg, New York 1. Aufl. 2022;S 69-80 DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-662-64853-7
4.Rassmann WR et al. Follicular Unit Extraction: Minimally Invasive Surgery for Hair Transplantation. Dermatol Surg 2002;28:720-728.
5. Trivellini R. The Trivellini System and Technique. Hair Transplant Forum Int‘l 2018;28(5):188-190; DOI: https://doi.org/10.33589/28.5.0188
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