Zitierweise: HAUT 2023;34(1):10-12.
Abstract
In 2022, polymerized polynucleotides (PDRN) were introduced in the German aesthetic market as a new substance class of the so-called injectables. What are PDRN, why are they so different to other fillers, and for which purposes can they be applied clinically? This short overview shall answer these questions. It raises, however, no claim to completeness.
Key words: polymerized polynucleotides (PDRN), aesthetics, filler
Polymerisierte Polynukleotide (PDRN) – Grundlagen
Die Desoxyribonukleinsäure (DNA) setzt sich bekanntlich aus vielen Nukleotid-Bausteinen zusammen. Beteiligt sind an deren Aufbau drei Komponenten: das Zuckermolekül Desoxyribose, eine Phosphatgruppe und eine der vier organischen Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Die Nukleotide liegen in der DNA als Doppelhelix vor, die sich strickleiterförmig um die eigene Achse dreht. Zusammengehalten werden die Ketten durch die Bildung von Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den komplementären Basenpaaren. Polymerisierte Polynukleotide (PDRN) werden als natürlicher Bestandteil in der DNA aus marinen Organismen (z. B. aus dem Lachs) gewonnen.
Einsatz von PDRN in der Medizin
Der klinische Einsatz von PDRN begründet sich nicht aus der ästhetischen Medizin, sondern vielmehr aus Chirurgie und innerer Medizin. Genutzt werden hier vor allem die entzündungshemmenden und regenerativen Eigenschaften der PDRN. PDRN stehen in Zusammenhang mit antiosteonekrotischen sowie antiosteoporotischen Effekten zur Knochenregeneration, zur Prävention von Gewebeschäden und Narben sowie zur Heilung von akuten Gewebeverletzungen und Sehnenrissen. Des Weiteren belegen tierexperimentelle Daten das bessere Anwachsen transplantierter Organe unter dem Einsatz von Polynukleotiden. Ebenfalls am Tiermodell haben präklinische Experimente das Potenzial von PDRN als Zusatzstoff gezeigt: bei der Vorbehandlung zur Verbesserung der Haltbarkeit von Eigenfett zur autologen Transplantation. Spannend sind ferner Daten zu antiinflammatorischen Effekten im Imiquimod-Psoriasis-Tiermodell.
Klinische Daten zur Injektion von PDRN in die Kopfhaut zeigen die Normalisierung einer gestörten Haaraktivität bei Alopezie, teils auch die Repigmentierung bei Canities (dem Ergrauen der Haare). In Anbetracht der breiten grundlagenwissenschaftlichen und klinischen Datenlage mit durchweg positiven bioregenerativen Eigenschaften lässt sich auch für den Einsatz in der ästhetischen Medizin ein großes Potenzial vermuten.
Injizierbare PDRN
In Deutschland sind injizierbare Polynukleotide für den Einsatz in der ästhetischen Medizin erstmals seit Herbst 2022 in Form eines elastischen, farblosen, sterilen und resorbierbaren Gels verfügbar. Diese PDRN werden, wie gesagt, aus dem Lachs gewonnen. Da PDRN aus marinen Organismen eine hohe Analogie zur menschlichen DNA aufweisen und die Gele keine Proteinbestandteile enthalten, ist die Gefahr von Nebenwirkungen als gering einzuschätzen. Propagiert werden die neuen PDRN-Filler, vergleichbar mit anderen sogenannten „Skin-Boostern“, für den Einsatz zur Hautverjüngung und Hydratisierung. Die Wirkweise ist dabei durchaus komplex, denn Polynukleotide können sich auf verschiedene Weise positiv auswirken. So tragen PDRN aufgrund ihrer hydrophilen und polyanionischen Eigenschaften zum Binden von Wassermolekülen bei, was zu einer zeitlich limitierten Tiefenhydration im Gewebe führt. Gleichzeitig ermöglicht die Struktur der PDRN das Abfangen von freien Sauerstoffradikalen. Über eine Aktivierung des Adenosinrezeptor-Signalwegs induzieren PDRN verschiedene Wachstumsfaktoren wie FGF (fibroblast growth factor), VEGF (vascular endothelial growth factor) oder EGF (epidermal growth factor). Schließlich können hautstrukturelle Zellen die DNA-Bausteine nutzen, um ihrerseits leichter eigene DNA zu synthetisieren, sich also leichter zu teilen. In der Summe schaffen PDRN somit ein optimales Milieu für die Migration und Proliferation von Fibroblasten und anderen hautstrukturellen Zellen, was letztlich in einer verbesserten Hautqualität resultieren soll.
Einsatzgebiete
Von ihrer Wirkweise und den zu erwartenden klinischen Effekten her sind PDRN als innovative Biostimulatoren am ehesten der Produktkategorie der sogenannten „Skinbooster“ zuzuordnen. Ziel ist eine Verbesserung der Hautqualität und die sanfte Bekämpfung von Anzeichen der Hautalterung. So wird die Injektion von PDRN insbesondere bei Patientinnen und Patienten mittleren Alters empfohlen, die unter beginnendem Elastizitätsverlust leiden. Aber auch für alle anderen Anzeichen der Hautalterung (wie leichte Fältchen, Verlust der Ausstrahlung) sowie für eine transiente Tiefenhydration bieten sich PDRN an. Ebenso kann über eine Regulation der Tyrosinase eine Verminderung des zellulären Melaningehalts erreicht werden, wodurch sich Pigmentstörungen regulieren lassen.
Spannend klingen zudem Daten zum Einsatz bei Haarverlust. So wurde über einen Injektionszyklus von 12 Wochen eine deutliche Verbesserung des Haarwachstums beschrieben.
Gemäß internationaler Konsensusempfehlungen lassen sich Unterspritzungen mit PDRN synergistisch mit anderen Methoden kombinieren, z. B. mit der Injektion von Hyaluronsäurefillern, mit Laserbehandlungen, mit Peelings oder präoperativ zur Reduktion der Narbenbildung.
Fazit
Es dürfte spannend sein, zu beobachten, ob injizierbare PDRN in der ästhetischen Medizin halten können, was Daten aus der Grundlagenforschung und anderen klinischen Bereichen versprechen, und ob sie sich auch in der Ästhetik etablieren werden.