ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(5): 168-171
Die endovenöse Lasertherapie hat besonders weitreichende Evolutionen hinsichtlich der verwendeten Wellenlängen, Faserspitzen und Art der Lichtabstrahlung erfahren. Die Entwicklung von radial abstrahlenden Laserfasern mit geringeren Durchmessern von 1,25 mm (Außendurchmesser der Faserspitze: 16 G) bzw. 1,5 mm (14 G), ermöglicht die kombinierte Behandlung von Stammvenen, Perforatoren und Seitenastvarikose in einer Sitzung. Das Einbringen der Fasern ist bei dünneren Durchmessern mit Direktpunktion einfach möglich.
Therapieziel ist die endovenöse Ablation der relevanten transfaszialen Refluxquellen, der epifaszialen Varikose bis zum distalen Insuffizienzpunkt inklusive der insuffizienten Stammvenen und akzessorischen Venen und relevanten Perforatoren mit einer Faser („all at once“). Als zusätzliche Therapie erfolgt im Anschluss nur noch eine Verödung der Restvenen im direkten bzw. frühen Follow-up.
Kann dieses Behandlungsprinzip in allen Fällen einer Varikose angewendet werden? Gibt es Grenzen für diese Methode? Sind bestimmte klinische Befunde für diesen Therapieansatz nicht geeignet?
Physik
Ein besseres Verständnis der Physik ist hilfreich für eine Modulation der Parameter. Wasser ist das häufigste Chromophor im biologischen Gewebe. Die Absorption der Photonen durch Wasser ist bei 1.940 nm ca. vierfach stärker als bei 1.470 nm. Die Lichtenergie wird von den Elektronen der Wassermoleküle absorbiert und das Gewebe dadurch indirekt erwärmt. Bei längeren Wellenlängen im nahen infraroten Bereich (near infrared spectrum/NIR) reduziert sich möglicherweise die Eindringtiefe der Photonen in das Gewebe durch die höhere Wasserabsorption (2).
Verlässt Strahlung die Venenwand, wird sie von der perivenösen Tumeszenzlösung aufgenommen. Dieser Effekt bewirkt möglicherweise eine bessere Gewebeprotektion und ist bei der Bestrahlung sehr oberflächlicher Seitenäste zum Schutz der Haut und Unterhaut bzw. in der Fossa poplitea zur Protektion der Leitnerven (Nervus tibialis) bedeutsam. Hierfür ist das Herstellen einer ausreichenden Tumeszenzschicht unmittelbar vor der Laserablation notwendig. Die externe Kompression durch die Injektion des Tumeszenmantels begünstigt den Faserkontakt mit der Venenwand und ggf. den direkten Energietransfer. Die Effekte der Laserbestrahlung sind durch Gesetze der Physik definiert und im Wesentlichen vorhersagbar.
Verfahren
In unserem gefäßchirurgischen Zentrum lag der Schwerpunkt bei der Behandlung der Varikose zunächst auf Crossektomie und Stripping in Kombination mit Miniphlebektomie, Ligatur relevanter Perforatoren und einer simultanen oder späteren Verödung. Das Behandlungsprinzip wurde sukzessive auf rein endovenöse Technik umgestellt. Seit acht Jahren wird auf Inzisionen komplett verzichtet. Bei sehr ausgeprägten Befunden war es anfänglich unklar, ob für diese Methode Grenzen existieren, vor allem bei sehr großen Venendurchmessern im Mündungsbereich (> 3 cm), bei Behandlung oberflächlicher, subkutan oder intrakutan verlaufender Seitenäste oder beim Verschluss von klinisch relevanten Perforatoren im epifaszialen und subfaszialen Verlauf.