Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Dermatologie, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Medizin Dermatologie Dermatologie, HAUT
HAUT 3/24

Nicht alle Mittel bei der PRP-Aufbereitung sind recht

Auf dem Markt konkurrieren zahlreiche Techniken zur Herstellung von plättchenreichem Plasma (PRP) und PRP-basierten Kombinationstherapien mit Hyaluronsäure. Die verwendeten Medizinprodukte sollten eine CE-Kennzeichnung aufweisen und die Vorgaben der Medical Device Regulation (MDR) erfüllen, um die erforderliche Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität der PRP-Therapie zu ermöglichen. In der Anwendungspraxis bleibt dennoch das Einhalten u. a. der QM-/ QS-Regeln (Qualitätsmanagement und -sicherung) der guten Laborpraxis (GLP) obligat. Mit derart regulatorisch einwandfrei hergestelltem PRP lassen sich zusammen mit evidenzbasierten Anwendungsprotokollen und sorgsamen Applikationstechniken hervorragende klinische Ergebnisse realisieren.


11.06.2024
E. Wenzel/N. Laube
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Schlüsselwörter: plättchenreiches Plasma (PRP) Rechtsrahmen, Transfusionsgesetz, Gebrauchsanweisung, GLP (gute Laborpraxis) -Regeln

Zitierweise: HAUT 2024;35(3):97-101.
 

Abstract

Currently, there are numerous competing techniques to produce platelet-rich plasma (PRP). Medical devices used to produce PRP should have a CE label, and fulfill the specifications of the medical device regulation to enable a safe and effective PRP therapy of high quality. In addition, practicing doctors’ offices should follow the standard GLP (good laboratory practice) rules. The production of PRP according to the regulatory laws in combination with evidence-based user protocols, and careful treatment techniques do enable excellent clinical results.
Key words: platelet-rich plasma (PRP), legal framework, transfusion law, instructions for use, GLP (good laboratory practice) rules
 

* Zur besseren Lesbarkeit kann in Texten das generische Maskulinum verwendet werden. Nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.


In vielen Bereichen gilt plättchenreiches Plasma (PRP) als einer der potentesten Schlüssel zur autologen Förderung regenerativer Prozesse in Weich- und Hartgeweben. PRP wird aus dem Vollblut des Patienten* primär mittels Zentrifugation gewonnen. Es besteht idealtypisch aus dem protein-, nährstoff- und hormonreichen Blutplasma mit einer gegenüber der Ausgangssitu­ation erhöhten Konzentration an Thrombozyten. Diese setzen u. a. ein breites Spektrum unterschiedlicher Wachstumsfaktoren frei; in einer (plasma-) physiologischen Umgebung aktivieren diese in der richtigen Reihenfolge die wichtigen Abschnitte der Wundheilung und sorgen für eine orches­trierte Wundheilung bzw. Geweberegeneration.

Als autologes Blutprodukt ist PRP ein völlig biokompatibles und nicht allergieaus­lösendes Agens. Am Anwendungsort kann es nebenwirkungsarm mit der Umgebung interagieren und mit seinem anabolen Wirkpotenzial geschwächte oder gestörte Regenerations- und Heilungsprozesse des Körpers auf natürlichem Wege anregen unds steigern. Eine beschleunigte Gewebeheilung, eine Verbesserung der Zellregeration und eine Steigerung der Kollagenproduktion sind die Folge.

Sehr bedeutsam sind neben der Qualität der PRP-Zusammensetzung die Anwendungstechnik und die Anzahl der Injekti­onen bzw. Sitzungen.

In der Dermatologie und ästhetischen Medizin hat sich PRP in zahlreichen Anwendungen als klinisch evident bewährt: bei der Therapie von etwa Wundheilungsstörungen, Narben und Melasmen, aber auch im Anti-Aging-Bereich – hier insbesondere in Verbindung mit einer geeigneten Hyaluron­säure (z. B. bezüglich Molgewicht, Vernetzungsart und -grad) für eine Tiefenhydratation und einem sanften Auffülleffekt.

Eine PRP-Aufbereitung ist mehr als nur ein simples „Plättchensammeln“

Um aus Vollblut ein PRP mit dem bestmöglichen therapeutischen Effekt zu gewinnen, müssen bei der Herstellung einige verfahrenstechnische Hürden genommen werden, deren Rahmenbedingungen durch die folgenden Anforderungen gesetzt werden.

Aus biologischen Überlegungen heraus kann abgeleitet werden, dass PRP dann besonders gut die komplexen biologischen Regenerationsprozesse stimulieren kann, wenn es die folgenden Eigenschaften aufweist:

  • physiologische Plasma-Zusammensetzung.
  • hohe Plasma-Rückgewinnung,
  • moderate Thrombozyten (TZ) -Konzen­tration,
  • hohe Konzentration an jungen, besonders potenten TZ,
  • hohe TZ-Viabilität und -Vitalität,
  • geringe Kontamination mit pro-inflam­matorisch/ katabol wirkenden Blutzellen (insbesondere neutrophile Granulozyten).

Die verschiedenen zellulären Blutkomponenten unterscheiden sich nur geringfügig in ihren Dichtewerten. Während der Zentrifugation sollte eine Hämolyse ausgeschlossen werden und das Potenzial der TZ – die gegenüber äußeren Einflüssen empfindlich sind – sollte möglichst nicht beeinträchtigt werden. Führt man sich all dies vor Augen, so wird deutlich: Die gezielte Abtrennung der TZ voneinander mittels einer „Pi-mal-Daumen“-Aufbereitung mit händischer Aspiration des PRP-Überstands ist weder zielführend noch mit hinreichender Reproduzierbarkeit möglich.

Zur PRP-Aufbereitung sollten daher immer geeignete – und dafür zugelassene – Medizinprodukte (MP) verwendet werden, welche aufgrund ihrer Eigenschaften helfen, sicherzustellen, dass die vom Transfusionsgesetz zur PRP-Herstellung gesetzten Kriterien eingehalten werden:

  • Es wird nur eine geringfügige Blutmenge (üblicherweise 25 bis 30 ml) entnommen.
  • Aufbereitung in Gegenwart des Patienten (point of care).
  • Das PRP wird nur von einem Arzt oder einer Ärztin angewendet.
  • Reinjektion des PRP unmittelbar nach der Herstellung.
  • Die Blutaufbereitung erfolgt in einem sterilen geschlossenen System.

Die Qualität und Sicherheit von zugelassenen MP muss regelmäßig gegenüber den zulassenden Behörden belegt werden. Doch auch dann gibt es beträchtliche Unterschiede, welche für den Praxisalltag relevant sein können: Neben den verschiedenen MDR-Risikoklassen, mit welchen MP jeweils zertifiziert worden sind, ergeben sich – bedingt durch die verschiedenen Verfahrenstech­niken zur PRP-Aufbereitung – auch zum Teil maßgeblich voneinander abweichende Zellprofile und damit auch PRP mit unterschiedlichen therapeutischen Potenzialen. Besonders voreilhaft sind Techniken, die im geschlossenen System eines Zentrifugenröhrchens mittels eines „plug and play“-Trennverfahrens und im Rahmen eines nicht manipulierbaren und irreversiblen physikalischen Zwangsprozesses sicher­stellen, dass

  • bei der Handhabung die obligatorische Sterilkette – von der Blutentnahme bis zur Reinjektion – nicht unterbrochen wird
  • und die hergestellten PRP immer die gleiche definierte Zusammensetzung aus Plasma und hochpotentem Zellprofil aufweisen.

Dies ist die zentrale Voraussetzung für eine systematisch nach wissenschaftlichen Standards durchgeführte orthobiologische Therapie.

Das beste Medizinprodukt ist nur so gut, wie seine Anwendung sach- und fachgerecht erfolgt.

Damit die Möglichkeiten der unterschied­lichen Medizinprodukte ausgeschöpft werden können, müssen diese sachgemäß gehandhabt werden. Dies bedeutet, dass in der Praxis immer die Vorgaben der „good laboratory practice“-Regeln eingehalten werden:

  • Beachten der Gebrauchsanweisung,
  • „Please Respect the Protocol“,
  • Einhalten der Hygienestandards.

Die Umsetzung gehört in der Regel zu den unverhandelbaren Obliegenheiten des Laborpersonals (z. B. Sicherheits-, QM-, Geräte-Beauftragte) und steht unter der Aufsicht des ärztlichen Personals.

Nur bei Einhalten dieser Standards der Qualitätssicherung können Ärztinnen und Ärzte und die Behandelten von einer verlässlichen und hochwertigen Behandlung profitieren und das Vertrauen in die innovative Therapieoption PRP wird langfristig gestärkt.

Die regulatorisch einwandfreie ­PRP-HA-Kombinationstherapie

So wie die MP-Hersteller ihren gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen unterliegen, sind auch die MP-Anwender verpflichtet, die jeweiligen Vorgaben einzuhalten, um zu jedem Zeitpunkt die Sicherheit für Patient, Anwender sowie Dritte sicherzustellen. Neben der selbstverständlichen Einhaltung der Praxishygiene stehen dabei das Befolgen der Gebrauchsanweisung des MP und des Anwendungsprotokolls im Vordergrund.

Abb. 1 illustriert eine mögliche Methodik zur regulatorisch einwandfreien Herstellung einer Mischung aus plättchenreichem Plasma mit Hyaluronsäure. Bereits nach sieben Arbeitsschritten kann das fertige Blut­produkt angewendet werden: (1) Bereitstellung der notwendigen Materialien; im Zentrifugenröhrchen („lab in a tube“) ist die Hyaluronsäure (HA) bereits unterhalb des thixotropen Trenngels (TG) und das Antikoagulans (Na3-Citrat, AK) oberhalb vorgelegt. (2) Die Blutentnahme erfolgt per Unterdruck über den Blutentnahme-Adapter (BA) direkt und steril in das Zentrifugenröhrchen. Das Blut strömt besonders schonend ein und lässt sich gut beobachten, wenn das Röhrchen während der Entnahme senkrecht gehalten wird. (3) Nach der Entnahme ist das Blut mit dem Antikoagulans vermischt; die zweck­optimierte HA befindet sich, ohne Gefahr einer frühzeitigen Vermischung, immer noch unterhalb des Trenngels (TG). (4) Zentrifugation der Blutprobe im Aufbereitungsröhrchen (gelb) mit richtig positioniertem Ausgleichsgewicht (rot). (5) Nach dem durch die Zentrifugation ausgelösten physikalischen Prozess der Trenngelwanderung befinden sich die in einem PRP unerwünschten Blutbestandteile unterhalb des wieder verfestigten Trenngels; sie sind irreversibel sowohl vom physiologienah zusammengesetzten Regen-PRP® (PRP) als auch von der dieses überlagernden Hyaluronsäure abgetrennt. (6) Durch ein sachtes Auf-den-Kopf-Stellen wandern das Regen-PRP® und die Hyaluronsäure ineinander und vermischen sich dabei homogen („BLUBB“). (7) Über einen Transferadapter (TD) kann nun die fertige, definiert zusammengesetzte Cellular Matrix® steril in die Applikationsspritze (AS, siehe (1)) überführt werden. Es besteht keine Gefahr der Vermischung mit den abgetrennten Blutbestandteilen. (8) Die fertige Cellular Matrix® kann aufgrund ihrer geringen Viskosität mit einer dünnen (30 G), spitzen Kanüle z. B. im Gesichtsbereich appliziert werden. Die Cellular Matrix® wird anwender­unabhängig und standardisiert hergestellt.



Die Herstellung des Blutprodukts muss in ein Gesamtkonzept aus sorgsamer Patientenvorbereitung, -behandlung und -nachsorge eingebettet sein, um das therapeutische Potenzial bestmöglich ausschöpfen zu können. Abb. 2 illustriert anhand einer präventiv-regenerativen Gesichts­behandlung zur Auffrischung des Teints („aging with grace“) beispielhaft eine Vorgehensweise, welche die PRP-Wirkung begünstigt: (1) Vorbereitung des Patienten mit Reinigung des Behandlungsgebiets mittels alkoholfreiem Desinfektionstuch bzw. -tupfer. (2 – 4) Systematische Anwendung sofort nach der Herstellung der Cellular Matrix®: Beginnend mit der Augenpartie werden die subkutanen Injektionen mit einer spitzen Kanüle (30 G) im Abstand von ca. 0,5 bis 1 cm über Wangen und Stirn geführt. (5) Nach der Injektionsbehandlung kann die irritierte Haut durch das Auflegen einer kühlenden alkoholfreien HA-Tuchmaske (hier: CellularMask®, RegenLab SA) beruhigt werden. (6) Nach rund 15 Minuten Einwirkzeit hat sich die Haut des Patienten beruhigt; er kann schmerz- und irritationsfrei sowie nahezu ohne Ausfallzeit (downtime) nach Hause gehen. Die nachhaltigen regenerativen Effekte der PRP-HA-Injektionen stellen sich meist nach zwei bis drei Behandlungen ein und behalten regelmäßig ihre Wirkung über bis zu vier Monate hinweg bei. Treten im Zusammenhang mit einer PRP-Anwendung Hautreaktionen wie Brennen, Jucken oder Rötung auf, handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich um eine nachvollziehbare natürliche milde, passagere Reaktion der Haut auf die Injektionsverletzung, welche in der Regel gut toleriert wird und sich in kürzester Zeit normalisiert; schwere oder andauernde Neben­wirkungen sind extrem selten.

Qualität statt dubioser „Internetschnäppchen“ oder „Marke Eigenbau“
 

Die Aufbereitung eines plättchenreichen Plasmas ist kein Verfahren, an dessen Ende ein „irgendwie geartetes PRP“ steht. Da das erhaltene Blutprodukt der autologen Re­injektion dient, unterliegt der gesamte Herstellungsprozess strengen regulatorischen Vorgaben. Für das Einhalten verantwortlich sind sowohl die Hersteller der verwendeten Medizinprodukte als auch die MP- und PRP-Anwender. Während die MP-Hersteller das Einhalten der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Qualitätsanforderungen über Zertifizierungsnachweise dokumentieren, ist das Praxispersonal in der Pflicht, die im Praxislabor festgeschriebenen Regeln der Qualitäts­sicherung, die „good laboratory practice“ (GLP) -Regeln und die Hygienevorschriften einzuhalten.

Aktuell konkurrieren zahlreiche PRP-Herstellungstechniken auf dem Markt. Selbstverständlich müssen alle eingesetzten Medizinprodukte den jeweiligen gesetzlichen Anforderungen genügen. Die zur PRP-Aufbereitung verwendeten Medizinprodukte müssen eine CE-Kennzeichnung mit der Nummer der zulassenden benannten Stelle (notified body, z. B. „2797“) aufweisen und die Vorgaben der Medical Device Regulation (MDR) erfüllen, um bei sach- und bestimmungsgemäßem Gebrauch die Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität der PRP-Therapie sicherzustellen. Billige „Internetschnäppchen“ dubioser Anbieter erfüllen selten die mandatorischen Anforderungen.

„do-it-yourself“-Lösungen sind obsolet; mittels IVD-Röhrchen gewonnene „PRP-Aufbereitungen“ sind prinzipiell unzulässig, da diese Produkte nicht für die Injektion in den Körper zugelassen sind.

Literatur bei den Verfassern.

Interessenkonflikte

Dr. Elisângela Wenzel ist Anwenderin von RegenLab®-Produkten und wissenschaftliche Beraterin der RegenLab GmbH.
Dr. rer. nat. habil. Norbert Laube ist Mitarbeiter der RegenLab GmbH.

Autorin & Korrespondenzadresse

Dr. Elisângela Wenzel
Privatpraxis Dr. Wenzel
Dorfstraße 32a, 40667 Meerbusch
E-Mail: wenzel(ett)praxis-drwenzel.de