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Controlling

Effektives Abrechnungs-Controlling leicht gemacht

In Anbetracht der gegenwärtigen finanziellen Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen sollten Honorarpotenziale nicht ungenutzt bleiben. Viele Abrechnungen in Arztpraxen bergen zudem Risiken für Prüfungen und Honorarkürzungen. Diese sind dem Praxisinhaber aber oft nicht bewusst. Lesen Sie im Beitrag, welche Kennzahlen Sie im Blick haben sollten, um ein effektives Controlling Ihrer Leistungen zu etablieren.


10.09.2024
G. Lübben
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Die ambulante Versorgung steht unter Druck. Die Gründe sind seit langem bekannt. Hierzu gehören eine älter und kränker werdende Bevölkerung, stark gestiegene Kosten, der Mangel an Medizinischen Fachangestellten (MFA), der Rückgang an Arztzeit durch den Trend zur Anstellung sowie eine immer noch in vielen Bereichen dysfunktionale Digitalisierung. Da auch immer mehr Arztsitze – gerade im hausärztlichen Bereich – unbesetzt bleiben, resultieren diese Faktoren in einer spürbaren Arbeitsverdichtung mit Belastung der Praxisteams. Die chronische Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung führt dann weiterhin dazu, dass der Praxisgewinn erheblich unter Druck steht. 

Entbudgetierung mit kleinem Effekt

Die sehnlichst erwartete Entbudgetierung für die hausärztlichen Basisleistungen sowie die Hausbesuche ist über das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) auf dem Weg. Sie wird voraussichtlich erst im 4. Quartal 2025 Realität und der Effekt wird viel kleiner ausfallen als sich die meisten Praxen erhoffen. Im fachärztlichen Bereich hat die Politik vergleichbare Pläne als wünschenswert, aber nicht finanzierbar abgelehnt. Eine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist in dieser Legislaturperiode politisch nicht gewünscht.

Keine Honorarpotenziale verschenken

Während Finanz- und Steuerberater primär die Praxiskosten im Blick haben, sind Praxisinhaber in der Regel für die Einnahmeseite (allein) verantwortlich. Nach unserer Erfahrung werden beispielsweise in einer hausärztlichen Einzelpraxis im Durchschnitt Leistungen im Wert von 8.000 € bis 20.000 € nicht abgerechnet, obwohl alle Voraussetzungen zur Abrechnung erfüllt sind. Dies ist schade, denn keine Praxis hat in der momentan angespannten finanziellen Lage Geld zu verschenken.

Die klassische Abrechnungskontrolle

In den meisten, aber längst nicht allen Praxen wird die Abrechnung über die Kontrolle von Leistungslisten am Ende eines Praxistages gesteuert. Zum Quartalsende versuchen die MFA dann mithilfe des Praxisverwaltungssystems, zum Teil über selbst erstellte Excel-Listen, die Abrechnung auf der Ebene der einzelnen Ziffern zu kontrollieren. Viele Praxen müssen für diese aufwändige Endkontrolle den Praxisbetrieb für einen halben oder ganzen Tag unterbrechen und schließen. Am Ende dieser sehr stressigen und nicht selten mit Überstunden verbundenen Phase werden die Fehler des KBV-Prüfmoduls korrigiert und die Abrechnungsdatei an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) versandt. Jede Praxis arbeitet hier mithilfe praxisinterner Routinen unter starkem Zeitdruck. 

Überblick verschaffen

Ein Gesamtüberblick fehlt häufig. So werden in vielen Praxen die komplexen Regeln der Honorarverteilung ebenso wenig berücksichtigt wie die Kriterien zur Beurteilung von Wirtschaftlichkeit und Plausibilität der Abrechnung. Dies hat zur Folge, dass z. B. viel Arbeit für Leistungen aufgewendet wird, die bei einer Budgetüberschreitung nur noch minimal vergütet werden. Andere Potenziale bleiben unangetastet stehen. Zudem weisen viele Abrechnungen signifikante Risiken für Prüfungen und Honorarkürzungen auf. Diese sind dem/den Praxisinhaber(n) in der Regel nicht bewusst.

Wenn dann vier bis sechs Monate später der Honorarbescheid kommt, entspricht das ausgewiesene Honorar häufig im Vergleich zur aufgewendeten Arbeit nicht den Erwartungen. 

Übersicht über die relevanten Steuerungsgrößen

1. Entwicklung im aktuellen Quartal vs. Vorquartal bzw. Vorjahresquartal

Kenngrößen

Check der

  • Fallzahlen vs. Fachgruppe
  • abgerechneten Leistungsmenge
  • abgerechneten Leistungsmenge im Vergleich zum Tätigkeitsumfang bzw. zu den Tätigkeitsumfängen
  • Budgetauslastung – Unter- bzw. Überschreitung,
    ggf. hausärztlich und fachärztlich
  • extrabudgetär vergüteten Leistungen

Betrachtung

  • für einzelne Ärzte/Fachgruppen
  • für Nebenbetriebsstätten/Zweigpraxen
  • für die gesamte Praxis, hier zusätzlich
    • Kooperationsgrad (bei Berufsausübungsgemeinschaften)
    • voraussichtlich erwirtschafteter Umsatz
    • Soll-Ist-Vergleich mit dem geplanten Ziel- bzw. Mindestumsatz

2. Leistungs-Controlling im aktuellen Quartal

  • Potenziale umsatzrelevanter Leistungen*
  • Risiken (Prüfprävention)
    • Check der Tages- oder Quartalsprüfzeit
      Aufgreifkriterien für Plausibilitätsprüfungen
    • Check der abgerechneten Leistungen bzw. Leistungsgruppen
      > 1,5- bzw. 2-fache des Fachgruppendurchschnitts
      Aufgreifkriterium für Wirtschaftlichkeitsprüfungen
    • Check der Diagnosen für Leistungen mit Indikations- bzw.
      explizitem Diagnosebezug
      Sind qualifizierende Diagnosen kodiert worden?
    • Check der Diagnosesicherheit je nach Leistung

*Diese sind fachgruppenspezifisch. Beispielhaft seien genannt:

  • Hausärztlicher Versorgungsbereich: Gespräche, Chronikerpauschalen, Geriatrie, Heimbesuchsleistungen, Psychosomatik
  • Orthopädie: Komplexe, Akupunktur, Psychosomatik, ambulante
    Operationen
  • Neurologie und Psychiatrie: Gespräche, Betreuungsleistungen

Abrechnungs-Controlling

Die meisten Leser haben – ebenso wie der Verfasser des Beitrags – primär ihren Beruf gewählt, um Patienten zu behandeln. Die Inhalte eines notwendigen Leistungs-Controllings für die eigene Praxis werden in der ärztlichen Weiterbildung kaum vermittelt.

Welche Kenngrößen sollten Sie daher sinnvollerweise im Blick haben? Die nebenstehende Infobox gibt dazu einen Überblick in Form einer Checkliste. Diese ist je nach der Konstellation der eigenen Praxis anzupassen. Durch einen regelmäßigen Check dieser Parameter lassen sich für die Praxis sinnvolle Strategien definieren, z. B.:

bei Plausibilitätsproblematiken

  • Sollten bei großen Praxen mit Plausibilitätsproblemen Patienten vermehrt in Selektivverträge, wie z. B. die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV), eingeschrieben werden? Und wenn ja, wie viele Patienten?
  • Kann die abgerechnete Leistungsmenge in Bereichen mit einem geringen Umsatz pro Minute Prüfzeit ohne allzu nachteiligen Effekt auf den Umsatz reduziert werden?

bei Budgetüberschreitungen

  • hausärztlicher Bereich: Welche extrabudgetären Leistungsbereiche können ausgebaut werden?
  • fachärztlicher Bereich: Werden die Möglichkeiten des Hausarztvermittlungsfalls bzw. der offenen Sprechstunde vollumfänglich genutzt?

Mit dem AAC-Praxisnavigator® steht eine für Arzt und MFA intuitiv zu bedienende Controlling-Software zur Verfügung. So kann die Abrechnung während des laufenden Quartals über Potenzial-, Fehler- und Hinweislisten sowie Übersichten der Kenngrößen in kleinen Arbeitseinheiten quasi nebenbei bearbeitet und gesteuert werden. Ein einfaches Farbschema unterstützt dabei den Bearbeitungsprozess. Der Stress zum Quartalsende entfällt, die Abrechnungsqualität verbessert sich spürbar bereits nach zwei Quartalen. Die freiwerdende Arbeitszeit kann für die Patientenversorgung eingesetzt werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.aac-ag.de/leistungen/abrechnung 


Autor

Dr. med. Georg Lübben
Vorstand
AAC Praxisberatung AG
Am Treptower Park 75
12435 Berlin
030-22 44 523-0
www.aac-ag.de