Eigenkapital
Grundsätzlich kann Kapital nur aus der eigenen oder der fremden Tasche stammen. Eine anständige Eigenkapitalquote ist sehr empfehlenswert. In Deutschland aber kranken viele Freiberufler genau am Gegenteil. Dabei kann Eigenkapital in unterschiedlicher Hinsicht eine wichtige Rolle spielen. Es ist Puffer, der aufgezehrt werden kann, wenn es einmal nicht so gut läuft. Ist er aufgebraucht, gehört das gesamte Vermögen nebst Praxis den Gläubigern. Ist es sogar negativ, kann es innerhalb der Praxis zu einer Überschuldung kommen.
► Der Kreditnehmer sollte zehn bis fünfzehn Prozent Eigenkapital aufbringen können.
Eine andere wichtige Überlegung bezieht sich auf die Finanzierungsbelastung. Sie muss aus Überschüssen der Praxis erwirtschaftet werden. Damit muss die Praxis genügend Liquidität sowohl für den Zins als auch für die Tilgung abwerfen. Gleichwohl steigt der Liquiditätsdruck mit dem Fremdkapitalanteil. Und was tun bei unvorhergesehenen Ereignissen, Umsatzschwankungen, eigener Erkrankung oder bei zu optimistischer Planung im Vorfeld?
Das eigene Geld ist aber nicht immer in Form von liquiden Mitteln – oder solchen, die dazu kurzfristig verwandelt werden können – verfügbar. Immer wieder werden Vorhaben zu einer Zeit angestoßen, zu der das eigene Kapital anderweitig gebunden ist. Es steckt in selbst bewohnten Immobilien, Festgeld- oder Aktiendepots, Lebensversicherungspolicen etc. In diesen Fällen ist es jedoch ggf. beleihbar. Letzteres sollte auch bedacht werden, um etwa einen ausreichenden Anteil an Eigenkapital für die Beantragung von Fördermitteln darzustellen.
Fremdkapital
Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Fremdmitteln. Im Folgenden sollen lediglich kurze Hinweise auf deren Zweckmäßigkeit hinsichtlich der eigenen Zielsetzung für das Investitionsvorhaben und für das Bankgespräch gegeben werden. Im Sinne einer Vorhabensfinanzierung zählen Gelder des Praxisinhabers, die er beispielsweise als Inhaberdarlehen der Praxis gewährt, nicht als Fremdkapital. Aus der hier eingenommenen Perspektive wären dies immer noch eigenkapitalähnliche Mittel.
Nicht weit davon entfernt ist das sogenannte Mezzaninkapital (Mischung aus Eigen- und Fremdkapital mit Nachrangcharakter), bei dem die Kapitalgeber deutlich stärker das Risiko mit übernehmen, als es bei typischen Bankdarlehen der Fall ist. Mezzaninkapital wird mittlerweile von vielen institutionellen Investoren und Banken sowie von öffentlicher Seite über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), deren Tochtergesellschaften oder den Landesförderbanken angeboten. Bei der damit oft verbundenen Euphorie sollte klargestellt werden, dass eine solche Lösung in der Regel nur bei höheren Investitionssummen infrage kommt und im Alltag mit hohen Hürden verbunden ist.
Klassische Darlehen
Das klassische Darlehen, sei es öffentlich zinsverbilligt, Bürgschaft oder Haftungsfreistellung gefördert oder aus den Mitteln der Hausbank gewährt, zeigt sich hierzulande weiterhin als das typische Finanzierungsinstrument. Neben den langfristigen Krediten muss ebenfalls auf die Finanzierung der kurzfristigen Mittel wie Materialien, Gehälter oder ggf. auch die eigenen Lebenshaltungskosten eingegangen werden.
Leasing
Ein weiteres Finanzierungsmittel, über das es sich nachzudenken lohnt, ist das Leasing. Hier werden die benötigten Gegenstände seitens der Leasingbank erworben und dem Praxisinhaber gegen eine Leasinggebühr zur Verfügung gestellt. Da das Eigentum beim Leasinggeber liegt, werden in der Regel keine banküblichen Sicherheiten gefordert. Ohne weiter in die Tiefe dieser Finanzierungsform einzugehen, soll ein Hinweis nicht fehlen. Neben Leasing-Banken verfügen oft auch die Hausbanken über kooperierende oder dazugehörige Anbieter. In diesem Fall können Anfragen intern gebunden werden, was den Aufwand und die Zeit der Finanzierungsvorbereitung deutlich reduzieren kann. Andererseits – und dies trifft nicht nur auf das Thema Leasing zu – können es die Banken als vorteilhaft ansehen, wenn Risiken auf mehrere Schultern verteilt werden. Sollte im Vorfeld eine positive Aussage einer Leasingbank für einen Teil der Gesamtfinanzierung vorliegen, sind auch die Hausbanken dem Vorhaben nicht selten mehr zugeneigt.