Im Folgenden wollen wir die drei wichtigsten Tilgungsmethoden anschauen und Ihnen einen Überblick verschaffen, wie sich diese zueinander verhalten.
1. Die Tilgungsmethode
Finanzierungen können grundsätzlich auf drei Wegen getilgt werden.
a) Annuitätendarlehen
Die Annuität wird aus Zinssatz und anfänglichem Tilgungssatz berechnet und bleibt während der Zinsfestschreibung konstant. Durch die laufende Tilgung sinkt die Restschuld und somit der zu zahlende Zinsbetrag, während der in der Rate enthaltene Anteil für die Tilgung entsprechend steigt. Die stetige Tilgungserhöhung führt zu einer Laufzeitverkürzung. Die gleichbleibende Annuität während der Zinsfestschreibung bietet eine hohe Kalkulationssicherheit für den Liquiditätsbedarf.
b) Tilgungsdarlehen
Hier bleibt der Tilgungsbetrag immer gleich und bildet zusammen mit der Zinszahlung die Rate, die folglich mit jeder Zahlung sinkt. Da die Tilgung nicht gesteigert wird, ist die Laufzeit eines Tilgungsdarlehens länger als beim Annuitätendarlehen, wenn man mit der gleichen Tilgung anfängt.
c) Endfällige Darlehen mit Tilgungsträger
Diese Darlehen werden während der Laufzeit nicht direkt getilgt, sondern die Tilgung wird über einen separaten Tilgungsträger parallel aufgebaut.
Während die Zinsen über den gesamten Zeitraum in voller Höhe entstehen und steuerlich geltend gemacht werden können, wird der Tilgungsträger so gewählt, dass die dort entstehenden Erträge günstiger besteuert werden. Dies führt zu einem steuerlichen Vorteil.
Man versucht also mit steuerlicher Unterstützung ein Zinsdifferenzgeschäft zu erzeugen, dass im Ergebnis wirtschaftlich vorteilhafter ist, als eine der beiden genannten klassischen Finanzierungsformen.
Auswahl des Tilgungsträgers wichtig
Aber: „Wo Chancen vorhanden sind, sind Risiken nicht weit.“ Da die Risiken im Tilgungsträger stecken, ist dessen Auswahl sehr wichtig.
- Bis Ende 2004 wurden oft Kapitallebensversicherungen als Tilgungsträger genutzt, da deren Erträge – unter bestimmten Voraussetzungen – steuerfrei vereinnahmt werden konnten.
- Seit 2005 werden diese Erträge aber zu mindestens 50 % besteuert und die Beiträge können nicht mehr als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Zudem hat sich die Garantieverzinsung von Kapitallebensversicherungen in den letzten Jahren immer weiter abgesenkt.1
Aktuell werden deshalb auch breit gestreute Kapitalanlagen wie zum Beispiel weltweit investierende Aktienfonds als Tilgungsträger genutzt, deren Erträge der Abgeltungssteuer von 25 % (zzgl. SolZ, KiSt) unterliegen. Da die meisten Ärzte einen deutlich höheren Grenzsteuersatz haben, ist auch hier ein Zinsdifferenzgeschäft möglich.
► Natürlich sind dabei auch die Kursrisiken einer solchen Kapitalanlage zu beachten.
Darüber hinaus muss bedacht werden, dass die Tilgungsträger immer als Sicherheit der finanzierenden Bank dienen. Sollte sich ein Kursrisiko während der Laufzeit realisieren, kann es zu Nachschusspflichten kommen.
2. Konkrete Belastungsvergleiche
Um die drei Tilgungsmethoden zu vergleichen wurde jeweils ein Finanzierungsvolumen von Euro 150.000, mit einem Zinssatz von 3,5 % zugrunde gelegt. Dieser Betrag wird über zehn Jahre getilgt und für den genutzten Tilgungsträger wurde ein Ertrag von 3,5 % unterstellt. Als Tilgungsträger soll eine Kapitalanlage dienen, die der Abgeltungsteuer unterliegt.
Die Restschuldentwicklung bei den Alternativen unterscheidet sich kaum. Es ergeben sich aber interessante Unterschiede hinsichtlich der Liquiditätsbelastung.