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Cookie-Einstellungen anpassenMinimalinvasiver Suspensionslift zur Halskonturierung
Der minimalinvasive Suspensionslift kombiniert a) eine Liposuktion mit Radiofrequenzbehandlung zur Reduktion von überschüssigem subkutanem Fettgewebe und zur Straffung der Haut und des Bindegewebes, b) eine transkutane Platysma-Myotomie zur Behandlung von Platysmabändern bzw. zur Entlastung des Platysmas sowie c) spezielle Suspensionsnähte an das Mastoid zur Gewebsreposition und Stabilisierung der Konturen durch entsprechende Zugvektoren. Diese Technik kann durch die Zugvektoren der Mastoidfixierung den zervikomentalen Winkel und den Kieferwinkel definieren und dadurch die Kinnlinie (Jawline) betonen. Sie ist eine gute Option für Patienten, die keinen invasiveren Eingriff wünschen. Das (Face-) Necklifting mit der Möglichkeit zu subplatysmalen Modifikationen und verschiedenen medialen und lateralen Platysmaplastiken und -suspensionen bleibt allerdings unangefochten Goldstandard zur ästhetischen Behandlung des Halses.
Schlüsselwörter: minimalinvasiver Suspensionslift, Hals
Abstract
The minimally invasive suspension lift combines a) a liposuction with radiofrequency treatment to reduce excess subcutaneous fat and tighten the skin and connective tissue, b) a transcutaneous platysma myotomy to treat platysma bands or relieve the platysma, and c) special suspension sutures to the mastoid for tissue repositioning and contour stabilization through appropriate traction vectors. This technique can define the cervicomental angle and mandibular angle through the traction vectors to the mastoid, thereby emphasizing the jawline. It is a good option for patients who prefer a less invasive procedure. However, the (face and) neck lift with the option for subplatysmal modifications and various medial and lateral platysmaplasties and suspensions remains the undisputed gold standard for the aesthetic treatment of the neck.
Key words: minimally invasive suspension lift, neck
© via Dr. Asım Gueven
Zitierweise: HAUT 2024; 35 (5): 198-204
Die Halspartie spielt eine besondere Rolle bei der ästhetischen Wahrnehmung des gesamten Gesichts. Klassische chirurgische Konzepte zielen vor allem auf die Reduktion von subkutanem Fettgewebe und die Straffung der Haut und des Platysmamuskels ab, während modernere chirurgische Konzepte auch die Modifikation der tieferen Strukturen beinhalten. Minimalinvasive Behandlungsoptionen können hilfreiche Alternativen sein.
Prinzipiell sollte das Gesicht vom horizontalen (submandibulären, submentalen) Teil des Halses sowie vom vertikalen (zervikalen), zylinderförmigen Teil des Halses abgegrenzt werden können. Dies gelingt durch eine klare Kontur der Kinnlinie (Jawline), des Kieferwinkels und des zervikomentalen Winkels (Abb. 1).
Diese Konturen können durch verschiedene anatomische Veränderungen verschwinden – das Gesicht geht quasi in den Hals über. In der Profilansicht fällt besonders auf, wenn der Winkel zwischen horizontalem und vertikalem Teil des Halses (zervikomentaler Winkel) gerader wird und durch das Absacken von Gewebe die Kinn-Kieferlinie sich nach kaudal wölbt (Jowls). Auch sieht man oft, dass der Kieferwinkel einen flacheren Übergang nach posterior und inferior hat oder auch mal gar nicht mehr zu erkennen ist (Abb. 2).
Neben dem üblichen Alterungsprozess mit Verlust der Gewebsfestigkeit im Bindegewebe und der Muskulatur sowie dem Verlust von Fett- und Knochengewebe können weitere anatomische Veränderungen diese Konturauffälligkeiten an der Hautoberfläche verursachen. Volumenüberschüsse am submentalen Hals können durch vermehrtes subkutanes, aber auch subplatysmales Fettgewebe verursacht werden. Auch können vergrößerte oder abgesackte submandibuläre Speicheldrüsen hier eine Volumenzunahme verursachen. Am lateralen Hals kann hinter und um den Kieferwinkel eine vergrößerte Ohrspeicheldrüse (Parotis) den Übergang vom Gesicht zum vertikalen Halszylinder abflachen oder gänzlich aufheben (Abb. 1, 2). Knöcherne Auffälligkeiten, beispielsweise eine kurze Mandibula mit zu geringer Projektion, können ebenfalls dazu beitragen, dass insgesamt die Konturen und Übergänge ästhetisch unvorteilhaft beeinflusst werden.
und eine sichtbare Gewebslaxizität am gesamten Hals, was insgesamt vollumfänglich mit der genannten chirurgischen Technik behandelt werden konnte.
© via Dr. Asım Gueven
Daher gilt es, zunächst die vorliegenden anatomischen Befunde individuell zu beurteilen und daraus die Behandlungsoptionen abzuleiten. Klassische chirurgische Konzepte zielen vor allem auf die Reduktion von subkutanem Fettgewebe und die Straffung der Haut und des Platysmamuskels ab. Modernere chirurgische Konzepte beinhalten auch die Modifikation der tieferen Strukturen, z. B. die Reduktion von subplatysmalem Fettgewebe oder der tiefen Halsmuskulatur und der submandibulären Speicheldrüsen sowie lateral auch der Ohrspeicheldrüsen (Abb. 2). Modifikationen des Kinns und des Kieferwinkels mithilfe von Implantaten oder knöchernen Plastiken stehen ebenfalls zur Verfügung. Obwohl diese Eingriffe in der Regel hervorragende Ergebnisse liefern können, wünscht sich ein Teil der Patienten Behandlungsalternativen mit geringerer Invasivität und günstigerem Risikoprofil, selbst wenn diese Methoden möglicherweise weniger effizient sind, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.
Die minimalinvasiven Behandlungsoptionen umfassen grundsätzlich verschiedene Methoden, um die gewünschten Veränderungen zu erreichen, wobei allen gleich ist, dass die tieferen anatomischen Strukturen kaum bis gar nicht manipuliert werden können. Typischerweise ist die Liposuktion des subkutanen Fettgewebes in Kombination mit einer Energie-basierten Behandlung (mittels Laser-, Ultraschall-, Radiofrequenz- oder Plasma-Technologie) der Haut und des Bindegewebes heutzutage eine etablierte Methode, wobei beide Ansätze auch einzeln verwendet werden können1-6. Diverse Fadenlifting-Methoden können helfen, die Haut in geeigneten Vektoren zu straffen bzw. umzuverteilen7,8. Auch ist bekannt, dass mithilfe von verschiedenen Füllmaterialien (Hyaluronsäuren, Eigenfettgewebe) Volumen an gewünschten Stellen, z. B. am Kinn, der Jawline oder dem Kieferwinkel, aufgebaut werden kann oder mit Neuromodulatoren Muskelaktivitäten und -volumen beeinflusst werden können9.
© via Dr. Asım Gueven
Methodik
Der minimalinvasive Suspensionslift kombiniert mehrere minimalinvasive Behandlungsansätze. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung ambulant durchgeführt und bedient sich der folgenden Methoden, um eine Form- und Konturkorrektur der Halsregion zu erzielen:
- Liposuktion mit Radiofrequenzbehandlung zur Reduktion von überschüssigem subkutanem Fettgewebe und zur Straffung der Haut und des Bindegewebes,
- transkutane Platysma-Myotomie zur Behandlung von Platysmabändern bzw. zur Entlastung des Platysmas,
- Suspensionsnähte zur Gewebsreposition (Suspensionslift) und Stabilisierung der Konturen durch entsprechende Zugvektoren.
© via Dr. Asım Gueven
Die Liposuktion in Tumeszenztechnik dient der Reduzierung von überschüssigem Unterhautfettgewebe. Der Fokus liegt allerdings mehr auf der flächigen Unterminierung der Haut als auf der übermäßigen Reduktion des Unterhautfettgewebes. Denn eine aggressive Fettabsaugung am Hals ist stets zu vermeiden, da dies zu subkutanen Verwachsungen, Vernarbungen und damit zu Unregelmäßigkeiten der Kontur führen kann. Des Weiteren ist eine entsprechende subdermale Fettschichtdicke notwendig, um eine natürliche Kontur und eine gleichmäßige Hautstruktur und -farbe zu erhalten10. Auch sollten die Menge an zugeführtem Lokalanästhetikum und etwaige patientenspezifische Risiken bezüglich einer Überdosierung von Lokalanästhetika beachtet werden11.
Mithilfe von Radiofrequenz-Energie wird die Kontraktion der Haut und des Bindegewebes gefördert12. Dies hilft insbesondere im Bereich des neuen Halswinkels und im Bereich der Jowls – sofern diese vorhanden sind – , wobei stets die Nervenäste des Ramus marginalis mandibulae des N. facialis zu schonen sind. Auch ist die applizierte Energiemenge zu beachten, um Verbrennungen des Gewebes bzw. der Haut zu vermeiden.
Bei Platysmabändern werden diese mit einer Stichinzision auf der Höhe des neuen zervikomentalen Übergangs und wahlweise durch weitere Stichinzisionen inferior von dieser durchtrennt, wie es bereits in der Literatur beschrieben ist13,14. Bei dieser Technik – die praktisch wie eine Drahtsäge nach Gigli funktioniert – wird ein Faden unterhalb und dann oberhalb des Platysmas geführt, sodass bei hin- und hergehendem Zug am Faden eine Transsektion des Gewebes dazwischen resultiert. Dabei ist es in den meisten Fällen dienlich, die medialen Ränder des Platysmas so zu inzidieren, dass dies dann quasi als Entlastungsschnitt (Back-cut) dient. Dies wiederum hilft, das Platysma bei der Reposition besser aufzuspannen und anzulegen sowie einem unerwünschten „Bowstring“ (Bogensehnen) -Effekt entgegenzuwirken.
Das Grundkonzept einer Nahtsuspension (Suspensionslift) ist es, das zu straffende bzw. repositionierende Gewebe mithilfe von Fäden an eine stabile anatomische Struktur zu fixieren. Übliche Fadenlifts bleiben subkutan und nutzen ein System aus Widerhaken, um Spannungskräfte an die Umgebung zu verteilen. Das Suspensionslifting nutzt grundsätzlich die Tatsache, dass zwischen den oberflächlichen Gewebsschichten des Gesichts (Haut, subkutanes Fettgewebe, muskulo-aponeurotische Schicht) und den tiefen Gewebsschichten (tiefe Faszie, Periost) eine Gleitschicht besteht15-17. Dadurch gleitet das oberflächliche Gewebe en-bloc und kann an die tiefen Gewebsschichten stabil vernäht werden. Beispielsweise können auch die Augenbrauen- und Schläfenregion sowie das Mittelgesicht nach kraniolateral an die tiefe Temporalfaszie oder die Stirn- und Augenbrauenregion nach kranial an das Periost des Kapillitiums verankert werden. Die Halsregion hingegen kann üblicherweise an das Periost des Mastoids fixiert werden. Durch die fehlende Dissektion und Durchtrennung der „retaining ligaments“ in der Gleitschicht bleibt allerdings das Haltebandsystem der Gewebe unverändert und ein dauerhafter Repositionierungseffekt bleibt aus. Auch bei nicht auflösbaren Fäden sinkt das Gewebe, den Bändern und der Schwerkraft folgend, mit der Zeit an die ursprüngliche Stelle zurück. Dieser Effekt tritt zwar deutlich langsamer ein als bei klassischen Fadenliftings, allerdings dennoch recht individuell und von der entsprechenden Haut- und Gewebsqualität abhängig. In der Halsregion kann eine längere Haltbarkeit durch die Liposuktion des Halses erreicht werden, da damit wie zuvor beschrieben eine gewisse subkutane Dissektion bzw. Unterminierung einhergeht. Dadurch kann sich die Haut im Heilungsverlauf ein Stück weit zurückziehen und an die neue Form des Halses anlegen. Auch verteilen sich etwaige Hautüberschüsse durch die Hautreposition besser als ohne Unterminierung.
Zur Suspension wird bei dieser Technik ein bidirektionaler 2-0-PDO-Faden mit Widerhaken genutzt und mithilfe einer stumpfen Hohlnadel über mehrere Stichinzisionen von medial nach lateral zum Kieferwinkel geführt (Abb. 3). Dies erfolgt in einer tiefen subkutanen Schicht. Es werden zwei kleine Stichinzisionen über der Vorderseite des Mastoids vorgenommen, versteckt hinter dem Ohrläppchen (Abb. 4). Nach leichter Mobilisierung der Haut wird hier mit einem 3-0-PDS-Faden eine Rückstichnaht von anterior nach posterior und zurück am Periost des Mastoids verankert. Die 2-0-PDO-Naht wird mithilfe der Hohlnadel zur vorderen Mastoid-Stichinzision geführt (Abb. 4). Die gleichen Schritte werden auf der kontralateralen Seite durchgeführt. Zum Schluss werden die PDO-Nähte auf beiden Seiten mit den verankernden PDS-Nähten verknotet. Dabei sieht man, wie sich das Gewebe des Halses nach kranial und lateral aufspannt und gleichzeitig, dass der zervikomentale Übergang am Hals sowie der Übergang hinter dem Kieferwinkel als Negativkontur sichtbar werden (Abb. 3). Die Inzisionen werden dann wahlweise mit feinem Nahtmaterial oder mit Steristrips verschlossen und ein Taping-Verband wird angelegt.
© via Dr. Asım Gueven
Diskussion
Der minimalinvasive Suspensionslift kann durch die Zugvektoren der Mastoidfixierung den zervikomentalen Winkel und den Kieferwinkel definieren und dadurch die Jawline betonen (Abb. 5.). Er ist eine gute Option für Patienten, die keinen invasiveren Eingriff wünschen.
In der Literatur sind mehrere Ansätze beschrieben, die ein ähnliches Konzept nutzen. Tiryaki et al. beschreiben in ihrer Arbeit zum sogenannten Micro-Shuttle-Lifting ein ähnliches Konzept einer Fadensuspension wie auch Mueller et al.18,19. Beide Autoren demonstrieren gute Ergebnisse mit ihren Techniken. Während bei Tiryaki et al. keine Energie-basierten Behandlungen und auch keine spezielle Myotomie des Platysmas beschrieben werden, nutzen Mueller et al. regelmäßig beide Techniken. Hinzu kommt, dass bei Mueller et al. auch ein Hilfsmittel zur Visualisierung der Nadel- bzw. Nahttiefe – ein Licht an der Spitze der Nadel – während der Durchführung durch das Gewebe genutzt wird. Beide Arbeiten beschreiben eine umfangreiche Stabilisierung des Platysmas zur Straffung und Anhebung des submentalen Anteils des Halses, was sie beide insgesamt technisch aufwendiger macht als die in dieser Arbeit beschriebene Technik.
Die Stabilisierung mittels Suspensionsnaht erfolgt in der vorgestellten Technik als einzelne Naht, um vor allem die Negativkontur des zervikomentalen Winkels hinter dem Kieferwinkel zu erzeugen und damit die Jawline zu betonen. Eine andauernde Anhebung des submentalen Anteils des Halses ist – gerade bei vergrößerten subplatysmalen Geweben (Drüsen, Fettgewebe, Muskulatur) – mit Fadensuspensionen allein weniger wahrscheinlich. Denn diese subplatysmalen Volumenüberschüsse können über eine gewisse Zeit oft wieder absacken. Daher ist die Indikation für Patientinnen und Patienten mit bereits präoperativ auffällig erhöhtem subplatysmalem Volumen zurückhaltend zu stellen – und eine chirurgische Lösung zu empfehlen. Es profitieren vor allem jene Patienten von dieser Technik, die keine größeren Inzisionen wünschen, außerdem Patienten, die sich eine Liposuktion des Halses wünschen und bereits sichtbare Platysmabänder aufweisen. Die Limitationen und Kontraindikationen liegen in der fehlenden Möglichkeit, subplatysmales Volumen und einem starken Hautüberschuss ausreichend anzugehen. Ein moderater Hausüberschuss kann durch eine retroaurikulär versteckte Inzision allerdings suffizient entfernt werden (Abb. 6). Das (Face-) Necklifting mit der Möglichkeit zu subplatysmalen Modifikationen und verschiedenen medialen und lateralen Platysmaplastiken und -suspensionen bleibt allerdings unangefochten der Goldstandard zur ästhetischen Behandlung des Halses.
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Dr. med. Asım Gueven, MBA
Facharzt für Plastische und
Ästhetische Chirurgie
Livion, Neuer Wall 38, 20354 Hamburg
E-Mail: info@asimgueven.com
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