Indikation
Die Kryolipolyse findet Anwendung in der Therapie von sichtbaren, umschriebenen Fettdepots in unterschiedlichen Körperregionen. Zu den behandelbaren Arealen zählen Bauch, Flanken, Oberarme, Oberschenkel, Knie, Doppelkinn, Achselbereich und Rücken. Hierfür sind verschiedene Applikatoren verfügbar, um sich dem Behandlungsareal anzupassen. Es können gezielt störende, lokal begrenzte Fettdepots reduziert werden, ohne Ausfallzeiten zu verursachen.
Vor der ersten Sitzung muss unter Berücksichtigung der Patientenerwartung festgestellt werden, ob eine nichtinvasive Therapie das Verfahren der Wahl im Hinblick auf das gewünschte Ergebnis ist. Die Kryolipolyse ist kein Verfahren zur Behandlung einer generalisierten Adipositas, sondern zur gezielten lokalen Fettgewebsreduktion und zum Körper-Contouring1. Übergewicht oder viszerales Fettgewebe sind keine Indikationen zur Kryolipolyse. Hier sollte auf eine Lebensstiländerung gesetzt werden, beispielsweise durch Ernährungsoptimierung. Realistische Erwartungen sowie eine gründliche präinterventionelle Aufklärung sind nötig, um eine hohe Patientenzufriedenheit zu gewährleisten.
Kontraindikationen
Bei Erkrankungen mit veränderter Entzündungsreaktion, wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Kollagenosen und Lupus erythematodes, sollte eine strenge Indikationsstellung erfolgen, um eine zusätzliche Inflammation zu vermeiden6.
Die Kyolipolyse wirkt durch Kälteapplikation. Daher sind Erkrankungen, welche durch Kälte ausgelöst oder aggraviert werden, zum Beispiel Kryoglobulinämie, paroxysmale Kältehämoglobinurie, Kälteurtikaria oder kutane und systemische Mastozytose, absolute Kontraindikationen.
Auch alle Formen von Durchblutungsstörungen, Gerinnungsstörungen, Therapie mit Antikoagulanzien, neuropathische Störungen, Sensibilitätsstörungen der Haut, Schwangerschaft, Stillzeit, Hernien oder frische Operationswunden im Behandlungsareal und erfolgte Schrittmacherimplantation verbieten eine Kryolipolyse-Behandlung4.
Nebenwirkungen
Auch wenn die Kryolipolyse als nichtinvasives Verfahren eine sichere Methode der Fettgewebsreduktion ist, sind Nebenwirkungen beschrieben, über die der Patient präinterventionell sorgfältig aufgeklärt werden muss. Das Auftreten von Komplikationen ist mit unter einem Prozent (0,82 %) als selten zu bezeichnen3.
Regelmäßig treten direkt postinterventionell Rötungen, kleinere Hämatome und Schwellung im Behandlungsareal auf. Diese sind bedingt durch den bei der Behandlung herrschenden Unterdruck sowie durch die niedrige Temperatur. Direkt nach der Kryolipolyse können Schmerzen und zum Teil länger anhaltende Parästhesien auftreten. Zur Schmerztherapie sind nicht-antiinflammatorisch wirksame Medikamente zu bevorzugen, um die gewünschte Entzündung nicht zu hemmen und einem optimalen Ergebnis nicht entgegenzuwirken.
Seltener beschrieben werden postinterventionelle Hyperpigmentierungen und Fettgewebsatrophien4. Ein weiteres beschriebenes, aber sehr seltenes Phänomen ist die paradoxe adipöse Hyperplasie (PAH) (Abb. 3). Diese tritt meist zwei bis drei Monate nach der Behandlung auf und ist streng auf das Behandlungsareal begrenzt. Histologische Untersuchungen führen diese Reaktion auf eine Pannikulitis im Behandlungsareal zurück7. Die Häufigkeit dieser nichtreversiblen Gewebsreaktion liegt laut Herstellerangaben bei 0,0051 Prozent. Die PAH kann nur durch eine operative Nachbehandlung mittels Liposuktion korrigiert werden.
Behandlungsablauf
Vor der Behandlung müssen in einem Beratungsgespräch die Indikation geprüft sowie realistische Resultate, Kontraindikation und Nebenwirkungen mit dem Patienten besprochen und seine schriftliche Einwilligung in der Behandlung eingeholt werden. Präinterventionell sollte mittels Pinch-Test die Mobilisierbarkeit des Fettgewebes geprüft werden.
Meist ist mit einer einmaligen Behandlung ein gutes Resultat zu erzielen. Bei größeren Fettdepots oder auf Wunsch des Patienten können aber auch mehrere Sitzungen nötig sein, um optimale Resultate zu erreichen.
Vor jeder Behandlung sollte mit dem Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt werden. Das Gewicht sollte vor der Behandlung erfasst werden. Zudem wird eine standardisierte Fotodokumentation mit prä- und postinterventionellen Bildern empfohlen, um den Behandlungserfolg festzuhalten und zu präsentieren.
Die Behandlung selbst kann an nichtärztliches, geschultes Fachpersonal delegiert werden. Eine Sitzung kann, abhängig von der Wahl des Applikators und der Anzahl der zu behandelnden Areale, zwischen 35 Minuten und mehreren Stunden dauern.
Zunächst wird die Haut mit einem alkoholhaltigen Tuch vorbereitet und ein spezielles Kälteschutzvlies luftblasenfrei auf das Behandlungsareal aufgelegt, um Erfrierungen vorzubeugen. Anschließend wird der entsprechende Applikator auf das zu behandelnde Areal aufgelegt. Durch das erzeugte Vakuum im Inneren des Applikators wird das Fettdepot in den Applikator gesaugt. Andere Applikatoren arbeiten ohne Vakuum und ausschließlich als aufgelegte Kälteplatten. Es gibt, angepasst an jede Körperregion, Aufsätze, die sich in Größe und Form unterscheiden. Über einen Zeitraum von 35 bis 45 Minuten erfolgt nun die Kühlung mit –11 °C, um im Zielgewebe eine Temperatur von 4 °C zu erreichen.
Postinterventionell sollte das behandelte Areal für mindestens zwei Minuten von geschultem Fachpersonal massiert werden, um den Reperfusionsschaden zu verstärken.
Nach Ende der Behandlung kann der Patient nach kurzer Ruhephase seinen Alltagstätigkeiten nachgehen. Erste Ergebnisse sind oft schon nach circa vier bis sechs Wochen sichtbar, ein vollständiges Behandlungsergebnis sieht man in der Regel erst nach drei Monaten.
Kosten
Derzeit gibt es keine GOÄ-Ziffer für die Reduktion von Fettgewebe durch Kälteanwendung. Die Behandlungen sind umsatzsteuerpflichtig. Seitens der Hersteller werden Empfehlungen für die anzusetzenden Kosten gegeben3. Zu erwähnen ist, dass bei einigen Herstellern für jede einzelne Anwendung Kosten anfallen können (pay-per-use), zusätzlich zu den Anschaffungs-, Personal- und Raumkosten.
Geräte
Derzeit sind in Deutschland die Kryotherapie-Systeme vor allem dreier Hersteller verbreitet. Der wachsende Markt und die große Nachfrage an nichtinvasiven ästhetischen Behandlungen führen zu einem regelrechten Boom der Produktion von Kryolipolyse-Geräten. Hier sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass viele dieser Geräte weder eine Indikationszulassung haben noch Schutzmechanismen besitzen, die Erfrierungen vermeiden können. Daher sollten nur zertifizierte Geräte zur Behandlung verwendet werden. Hier ist im Rahmen des neuen Medizinproduktegesetzes mit einer Marktbereinigung zu rechnen, da nur wenige Hersteller eigene Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit vorweisen können.
Fazit
Die Kryolipolyse ist ein etabliertes, sicheres und effizientes nichtinvasives Verfahren zur gezielten Reduktion störender, umschriebener Fettpolster, was in zahlreichen Studien belegt wurde. Es zeigt sich eine sehr hohe Patientenzufriedenheit. Nebenwirkungen sind moderat und meist voll reversibel4.