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Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Medizin Dermatologie Dermatologie
Fettgewebsreduktion

Kryolipolyse

Die Kryolipolyse ist ein effektives Verfahren zur nichtinvasiven Fettgewebsreduktion. Messen lassen muss sie sich an etablierten invasiven Verfahren wie der Liposuktion sowie an anderen nichtoperativen Methoden. Das Wirkprinzip der Kryolipolyse ist Gegenstand aktueller Forschung. Der momentan favorisierte Mechanismus ist, dass eine räumlich und zeitlich begrenzte Kühlung des Fettgewebes zur Apoptose der Adipozyten und konsekutiv zum Abbau lokaler Fettdepots führt. Die klinische Wirkung wurde durch zahlreiche experimentelle sowie klinischen Studien belegt. Die Kryolipolyse ist ein sicheres Verfahren, Komplikationen sind selten und meistens voll reversibel. 
Schlüsselwörter: Kryolipolyse, Bodycontouring


17.04.2019
A. Goy et al.
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Abstract

Cryolipolysis is a safe and effective treatment among non-invasive procedures for the local reduction of adipose tissue. It utilizes cooling to induce apoptosis in adipocytes which results in the reduction of local fat depots. However, the exact mechanism of action is not yet completely understood and still under investigation. The efficacy and safety of cryolipolysis have been shown in several experimental and clinical studies, complications are rare and, in most cases,completely reversible.
Key words: cryolipolysis, body contouring

Als nichtinvasives Verfahren zur gezielten Fettreduktion gewinnt die Kryolipolyse einen immer größeren Stellenwert in der ästhetischen Medizin und hat sich als Goldstandard der nichtinvasiven Fettgewebs­reduktion etabliert. Bei den invasiven Eingriffen zur Fettreduktion sind Krankenhausaufenthalt, Narkose, Schmerzen, Narben und die allgemeinen Operationsrisiken wie Infektion, Blutung und Embolie für viele Patienten ein Hemmnis. 

Der häufigste operative ästhetische Eingriff zur Fettgewebsreduktion ist die Liposuktion, an der sich Innovationen hinsichtlich Sicherheit und Effizienz messen müssen1,3. Bei der Liposuktion ist eine Nachsorge mittels Kompressionsmiederbehandlung erforderlich. Die Kryolipolyse ist ein schonendes und nebenwirkungsarmes Verfahren ohne die klassischen Operationsrisiken. Hieraus resultieren geringere Komorbidität, keine Ausfallzeiten und weniger Schmerzen im Vergleich zu den invasiven Therapieoptionen.

Durch mediale Verbreitung gewinnt die Kryolipolyse zunehmend an Popularität, sodass durch die steigende Nachfrage das Verfahren auch wirtschaftlich zu einer interessanten Alternative zur bisher gängigen operativen Fettgewebsreduktion wird.

Nichtinvasive Verfahren der gezielten Fettreduktion

In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl an Methoden der physikalischen Fettreduktion vorgestellt. In der Einzeltherapie erwiesen sich diese als nicht effektiv genug und werden daher eher als Begleittherapie zur Liposuktion eingesetzt. 

Derzeit gibt es nur vier von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassene nichtinvasive Techniken zur Fettgewebsreduktion: fokussierter Ultraschall (mit oder ohne Kavitation), welcher von den Patienten oft als sehr schmerzhaft beschrieben wird, die Low-Level-Laser-Therapy (LLLT) mit einem 635-nm-Laser, welche in der Praxis jedoch oft zu keiner konsistenten effektiven Fettreduktion führte, die hyperthermische Lipolyse mittels Laser sowie die Kryolipolyse4

Wirkprinzip der Kryolipolyse 

Der Grundstein zur Kryolipolysetherapie wurde von Dieter Manstein und Rox Anderson an der Harvard Medical School gelegt. Sie fanden heraus, dass die Kältetoleranz von Fettzellen geringer ist als die sonstiger Gewebestrukturen. So wurde im November 2008 im Fachjournal „Lasers in Surgery and Medicine“ der erste Beitrag zur Reduktion von Fettzellen durch Kälteapplikation veröffentlicht. Schon hier konnte gezeigt werden, dass die Haut und das umliegende Gewebe durch die Kryolipolyse nicht geschädigt werden1.

Es folgten zahlreiche Studien, die den Effekt der Kryolipolyse auf Adipozyten untersuchten und die konsekutive Lipolyse in porcinen sowie in In-vitro-Versuchsmodellen bestätigten2,9,10,17,22.

Der Wirkmechanismus der Kryolipolyse ist noch nicht vollständig ergründet. Der aktuelle Stand der Forschung geht davon aus, dass es direkte sowie indirekte Effekte der Kälteapplikation gibt. So führt die Kältebehandlung bei gleichzeitiger Unterdruck­applikation indirekt zu einer Ischämiereaktion, welche konsekutiv zur Apoptose der Adipozyten führt. Man geht des Weiteren davon aus, dass die nach der Kältetherapie einsetzende Reperfusion mit massiver Freisetzung von Stoffwechselprodukten einhergeht, etwa reaktive Sauerstoffspezies, aber auch mit einem Anstieg des Kalziumspiegels im Behandlungsareal, zusätzlich zur Apoptoseinduktion5. Der Reperfusionsschaden kann durch Erwärmen des behandelten Gewebes vor und nach der Behandlung verstärkt werden2,9,10,17,22. Als direkte Wirkung von Kälte- und Unterdrucktherapie wird die Kristallisation von Lipiden, welche unterhalb von 10,4 °C beobachtet wurde, postuliert.

Auch eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems mit hieraus resultierender verstärkter Noradrenalinfreisetzung, welche über beta-adrenerge Rezeptoren die Genexpression moduliert, scheint eine Rolle zu spielen. Es kommt hierdurch zu einer Veränderung der Thermogenese und des zellulären Energieverbrauchs. So konnten Ye al. nach Beta-Rezeptor-Aktivierung die Hydrolyse intrazellulärer Triglyceride und Oxidierung von Fettsäuren nachweisen16

So konnte gezeigt werden, dass Fettzellen nach Kälteexposition (–1 bis –7 °C) innerhalb von 72 Stunden einer Inflammation unterliegen, welche nach circa 14 Tagen ihr Maximum erreicht. Zwischen dem 14. und dem 30. Tag nach der Behandlung beginnt die Phagozytose der Fettzellen. Nach 60 bis 90 Tagen verringert sich anschließend das Volumen der Adipozyten und die interlobuläre Septumdicke nimmt ab. Dies führt, nach einem Zyklus von circa 90 Tagen, zu einer lokalen Reduktion von subkutanem Fettgewebe11 (Abb. 1, 2).

Sicherheit und Effektivität

Die Wirksamkeit der gezielten Lipolyse durch Kälteapplikation wurde durch zahlreiche tierexperimentelle sowie klinische Studien belegt17-21,23. Anfängliche Studien am Schwein zeigten, dass eine signifikante Reduktion der Fettschicht durch nichtinvasive Anwendung von Kälte ohne Schädigung der Haut möglich ist. Es konnte außerdem keine Veränderung von Serumlipidspiegel oder Leberfunktion festgestellt werden23.

In weiteren tierexperimentellen Studien zeigte sich postinterventionell eine Reduktion der oberflächlichen Fettschicht um 80 Prozent17. Andere klinische Studien belegten die Wirksamkeit der Kryolipolyse im unteren/ oberen Abdomen, an Innen- und Außenschenkeln sowie im Flankenbereich und am Rücken18

In einer von Garibyan et al. durchgeführten klinischen Studie kamen Sonografie, Umfangsmessung wie auch 3D-volumentrische Messung zur Anwendung. Hier zeigte sich zwei Monate nach Kälteapplikation an der Flanke eine Volumenreduktion von etwa 40 cm³ 20

Ingargiola et al. veröffentlichten 2015 eine Metastudie zum Thema Kryolipolyse, in die sie 19 Studien einschlossen. Auch hier zeigte sich eine signifikante Reduktion von Fettgewebe bei einer durchschnittlichen Reduktion der Umfänge zwischen 14,67 und 28,5 Prozent. Sonografisch ließ sich eine durchschnittliche Reduktion zwischen 10,3 und 25,5 Prozent nachweisen21. In Untersuchungen über sechs bis neun Jahre konnte die Langlebigkeit der Fettgewebsreduktion bestätigt werden24

Die Zufriedenheit der Patienten postinterventionell lag durchschnittlich bei 80 Prozent. Mehr als 80 Prozent würden die Behandlung weiterempfehlen19

Eine Fibrosierung des Fettgewebes als Folge einer Fettgewebsnekrose konnte in den bisherigen Arbeiten nicht nachgewiesen werden12. Insgesamt ist die Kryolipolyse eine sichere, wirksame, kontrollierte und nicht­invasive Methode zur Behandlung von unerwünschtem Fett in verschiedenen Bereichen des Körpers11

Indikation

Die Kryolipolyse findet Anwendung in der Therapie von sichtbaren, umschriebenen Fettdepots in unterschiedlichen Körperregionen. Zu den behandelbaren Arealen zählen Bauch, Flanken, Oberarme, Oberschenkel, Knie, Doppelkinn, Achselbereich und Rücken. Hierfür sind verschiedene Applikatoren verfügbar, um sich dem Behandlungsareal anzupassen. Es können gezielt störende, lokal begrenzte Fettdepots reduziert werden, ohne Ausfallzeiten zu verursachen.  

Vor der ersten Sitzung muss unter Berücksichtigung der Patientenerwartung festgestellt werden, ob eine nichtinvasive Therapie das Verfahren der Wahl im Hinblick auf das gewünschte Ergebnis ist. Die Kryolipolyse ist kein Verfahren zur Behandlung einer generalisierten Adipositas, sondern zur gezielten lokalen Fettgewebsreduktion und zum ­Körper-Contouring1. Übergewicht oder viszerales Fettgewebe sind keine Indikationen zur Kryolipolyse. Hier sollte auf eine Lebensstil­änderung gesetzt werden, beispielsweise durch Ernährungsoptimierung. Realistische Erwartungen sowie eine gründliche prä­interventionelle Aufklärung sind nötig, um eine hohe Patientenzufriedenheit zu gewährleisten. 

Kontraindikationen

Bei Erkrankungen mit veränderter Entzündungsreaktion, wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Kollagenosen und Lupus erythematodes, sollte eine strenge Indikationsstellung erfolgen, um eine zusätzliche Inflammation zu vermeiden6.

Die Kyolipolyse wirkt durch Kälteapplikation. Daher sind Erkrankungen, welche durch Kälte ausgelöst oder aggraviert werden, zum Beispiel Kryoglobulinämie, par­oxysmale Kältehämoglobinurie, Kälteurtikaria oder kutane und systemische Mastozytose, absolute Kontraindikationen.

Auch alle Formen von Durchblutungsstörungen, Gerinnungsstörungen, Therapie mit Antikoagulanzien, neuropathische Störungen, Sensibilitätsstörungen der Haut, Schwangerschaft, Stillzeit, Hernien oder frische Operationswunden im Behandlungs­areal und erfolgte Schrittmacherimplantation verbieten eine Kryolipolyse-Behandlung4.

Nebenwirkungen

Auch wenn die Kryolipolyse als nichtinvasives Verfahren eine sichere Methode der Fettgewebsreduktion ist, sind Nebenwirkungen beschrieben, über die der Patient präinterventionell sorgfältig aufgeklärt werden muss. Das Auftreten von Komplikationen ist mit unter einem Prozent (0,82 %) als selten zu bezeichnen3.

Regelmäßig treten direkt postinterventionell Rötungen, kleinere Hämatome und Schwellung im Behandlungsareal auf. Diese sind bedingt durch den bei der Behandlung herrschenden Unterdruck sowie durch die niedrige Temperatur. Direkt nach der Kryolipolyse können Schmerzen und zum Teil länger anhaltende Parästhesien auftreten. Zur Schmerztherapie sind nicht-antiinflammatorisch wirksame Medikamente zu bevorzugen, um die gewünschte Entzündung nicht zu hemmen und einem optimalen Ergebnis nicht entgegenzuwirken.

Seltener beschrieben werden postinterventionelle Hyperpigmentierungen und Fettgewebsatrophien4. Ein weiteres beschriebenes, aber sehr seltenes Phänomen ist die paradoxe adipöse Hyperplasie (PAH) (Abb. 3). Diese tritt meist zwei bis drei Monate nach der Behandlung auf und ist streng auf das Behandlungsareal begrenzt. Histologische Untersuchungen führen diese Reaktion auf eine Pannikulitis im Behandlungsareal zurück7. Die Häufigkeit dieser nichtreversiblen Gewebsreaktion liegt laut Herstellerangaben bei 0,0051 Prozent. Die PAH kann nur durch eine operative Nachbehandlung mittels Liposuktion korrigiert werden. 

Behandlungsablauf

Vor der Behandlung müssen in einem Beratungsgespräch die Indikation geprüft sowie realistische Resultate, Kontraindikation und Nebenwirkungen mit dem Patienten besprochen und seine schriftliche Einwilligung in der Behandlung eingeholt werden. Präinterventionell sollte mittels Pinch-Test die Mobilisierbarkeit des Fettgewebes geprüft werden. 

Meist ist mit einer einmaligen Behandlung ein gutes Resultat zu erzielen. Bei größeren Fettdepots oder auf Wunsch des Patienten können aber auch mehrere Sitzungen nötig sein, um optimale Resultate zu erreichen. 

Vor jeder Behandlung sollte mit dem Patienten ein individueller Behandlungsplan erstellt werden. Das Gewicht sollte vor der Behandlung erfasst werden. Zudem wird eine standardisierte Fotodokumentation mit prä- und postinterventionellen Bildern empfohlen, um den Behandlungserfolg festzuhalten und zu präsentieren.

Die Behandlung selbst kann an nichtärztliches, geschultes Fachpersonal delegiert werden. Eine Sitzung kann, abhängig von der Wahl des Applikators und der Anzahl der zu behandelnden Areale, zwischen 35 Minuten und mehreren Stunden dauern.

Zunächst wird die Haut mit einem alkoholhaltigen Tuch vorbereitet und ein spezielles Kälteschutzvlies luftblasenfrei auf das Behandlungsareal aufgelegt, um Erfrierungen vorzubeugen. Anschließend wird der entsprechende Applikator auf das zu behandelnde Areal aufgelegt. Durch das erzeugte Vakuum im Inneren des Applikators wird das Fettdepot in den Applikator gesaugt. Andere Applikatoren arbeiten ohne Vakuum und ausschließlich als aufgelegte Kälteplatten. Es gibt, angepasst an jede Körperregion, Aufsätze, die sich in Größe und Form unterscheiden. Über einen Zeitraum von 35 bis 45 Minuten erfolgt nun die Kühlung mit –11 °C, um im Zielgewebe eine Temperatur von 4 °C zu erreichen.

Postinterventionell sollte das behandelte Areal für mindestens zwei Minuten von geschultem Fachpersonal massiert werden, um den Reperfusionsschaden zu verstärken.

Nach Ende der Behandlung kann der Patient nach kurzer Ruhephase seinen Alltags­tätigkeiten nachgehen. Erste Ergebnisse sind oft schon nach circa vier bis sechs Wochen sichtbar, ein vollständiges Behandlungsergebnis sieht man in der Regel erst nach drei Monaten. 

Kosten

Derzeit gibt es keine GOÄ-Ziffer für die Reduktion von Fettgewebe durch Kälteanwendung. Die Behandlungen sind umsatzsteuerpflichtig. Seitens der Hersteller werden Empfehlungen für die anzusetzenden Kosten gegeben3. Zu erwähnen ist, dass bei einigen Herstellern für jede einzelne Anwendung Kosten anfallen können (pay-per-use), zusätzlich zu den Anschaffungs-, Personal- und Raumkosten.

Geräte

Derzeit sind in Deutschland die Kryotherapie-Systeme vor allem dreier Hersteller verbreitet. Der wachsende Markt und die große Nachfrage an nichtinvasiven ästhetischen Behandlungen führen zu einem regelrechten Boom der Produktion von Kryolipolyse-Geräten. Hier sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass viele dieser Geräte weder eine Indikationszulassung haben noch Schutzmechanismen besitzen, die Erfrierungen vermeiden können. Daher sollten nur zertifizierte Geräte zur Behandlung verwendet werden. Hier ist im Rahmen des neuen Medizinproduktegesetzes mit einer Marktbereinigung zu rechnen, da nur wenige Hersteller eigene Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit vorweisen können. 

Fazit

Die Kryolipolyse ist ein etabliertes, sicheres und effizientes nichtinvasives Verfahren zur gezielten Reduktion störender, umschriebener Fettpolster, was in zahlreichen Studien belegt wurde. Es zeigt sich eine sehr hohe Patientenzufriedenheit. Nebenwirkungen sind moderat und meist voll reversibel4.

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