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Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Gefäßchirurgie, Medizin Dermatologie Dermatologie
Alterungsprozesse

Implikationen anatomischer Erkenntnisse auf ästhetische Behandlungen im oberen Gesichtsdrittel

Anatomie hilft, minimalinvasive Eingiffe in der richtigen Region durchzuführen, die richtige Schicht zu wählen und den Verlauf von Arterien und Venen zu respektieren. Weiterführende anatomische Kenntnisse helfen darüber hinaus, zu verstehen, warum gewisse ästhetische Effekte eintreten und warum manchmal gar keine oder unerwünschte Effekte eintreten. Schlüsselwörter: Alterungsprozesse, Fettkompartimente, Knochen, Bänder, Gefäße


17.04.2019
S. Cotofana, K. Frank
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Abstract

Anatomy helps to conduct minimally invasive procedures in the correct region, to choose the correct layer, and to respect the course of arteries and veins. Furthermore, advanced knowledge of anatomy helps to understand why certain esthetic effects occur, and why sometimes no or even adverse effects occur. 
Key words: aging processes, fat compartiments, bones, ligaments, vessels

Der Heidelberger Anatom und Physiologe Friedrich Tiedemann formte Ende des 18. Jahrhunderts eine der wohl bekanntesten Redewendungen in der deutschen Medizingeschichte: „Ärzte ohne Anatomie sind Maulwürfen gleich: Sie arbeiten im Dunkeln und ihrer Hände Tagewerk sind Erdhügel!”1 Über lange Zeit war dieser Spruch größtenteils für die operativen Fächer in der Medizin gültig und viele Ärzte haben ihn oft im Operationssaal und in Morgenbesprechungen gehört und weitergegeben. Damit einhergegangen ist meist der Wunsch nach kontinuierlicher und weiterführender Ausbildung im Fach Anatomie, die wirklich unerlässlich ist für diesen Beruf. Aber wenn man ehrlich ist, ist die anatomische Ausbildung im Studium selten ausreichend für die spätere Tätigkeit. Was die altehrwürdigen Professoren in den Hörsälen lesen ist viel, umfassend und wichtig. Es muss alles abgehandelt werden, um dem Curriculum treu zu bleiben, es müssen die Zeit und die Semesterlänge beachtet werden und es muss alles so portioniert werden, dass die Basis abgedeckt wird. Aber diese Basis ist gerade der Grundstock des anatomischen Wissens, der einem jungen Assistenzarzt in der Notaufnahme das Leben erträglich macht. Mit der Rotation in den OP oder in die diagnostischen Abteilungen reicht diese Basis bei Weitem nicht mehr aus. Termini sind nicht mehr zutreffend oder obsolet, Erkenntnisse sind veraltet und überholt und anatomische Konzepte aus dem Grundstudium genügen längst nicht mehr. Viele Kollegen greifen dann wieder zu den verstaubten Anatomieatlanten – wenn diese nicht beim Semesterschlussverkauf veräußert wurden – um sich wieder mit der Materie vertraut zu machen. Aber was geschieht, wenn man nichts zu dem gewünschten Thema findet? Was geschieht, wenn man Begriffe nicht wiederfindet, die der Kollege am Vortag verwendet hat? Dann wird Onkel Google zu Rate gezogen und man hofft auf Hilfe. Ungünstig ist es dann zusätzlich, wenn man keinen Zugriff auf die gewünschten Artikel in PubMed, ResearchGate oder sonstigen Internetportalen hat. Was dann? Soll dann wirklich die Patientenversorgung leiden? 

Anatomie als Voraussetzung für die Ästhetik

Leider ist dies aktuell die Wirklichkeit für eine neue Richtung der Medizin: die Ästhetik. Diese neue Richtung wird von zahlreichen Disziplinen und fächerübergreifend praktiziert; unter diesen sind Dermatologen und plastische Chirurgen federführend, neben Gynäkologen, HNO-Ärzten, Augenärzten und Allgemeinchirurgen. Hauptsächlich steht das Gesicht im Fokus der Behandlungen und diese sind entweder minimalinvasiv oder transkutan mittels energiebasier en Gerätschaften. Im Rahmen der minimalinvasiven Applikation erfolgt die Injektion von Neuromodulatoren oder von Fillern (engl: soft-tissue fillers) mittels spitzen Nadeln oder stumpfen Kanülen in die verschiedenen subdermalen Schichten, um einen volumisierenden Effekt zu erreichen.

Anatomische Kenntnisse sind unerlässlich, um das Produkt in die richtige Tiefe oder in den richtigen Muskel zu injizieren oder um besonders gefährliche Regionen des Gesichts (Glabella, Nasenrücken) korrekt anzugehen.