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vasomed 6/24

Intraoperative Diagnose eines Schwannoms des Nervus suralis bei Verdacht auf Lipom

Bei einem Patienten wurde eine klinische und sonographische Verdachtsdiagnose eines Lipoms im linken Wadenbereich gestellt. Eine makroskopisch mit einem Schwannom (Synonym: Neurinom, Neurilemmom) vereinbare Struktur wurde während der Operation festgestellt. 


05.11.2024
F. Lombardi, N. Jawadi
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(6): 206-209

Ein 45-jähriger Patient aus Korea stellte sich in unserer Praxis mit der klinischen und sonographischen Verdachtsdiagnose eines Lipoms im Bereich der linken Wade vor. Aufgrund von lokalen Beschwerden und tastbaren Veränderungen wurde eine operative Entfernung in Betracht gezogen. Intraoperativ zeigte sich eine Struktur, die makroskopisch mit einem Schwannom (Synonym: Neurinom, Neurilemmom) vereinbar war. Die histologische Untersuchung bestätigte diesen Verdacht. Ein Neurinom des Neruvs suralis ist bis dato extrem selten beschrieben worden.

Der Patient berichtete über intermittierende Schmerzen und eine tastbare Geschwulst im Bereich des linken Unterschenkels. Der Patient übt eine stehende Tätigkeit aus und bemerkte Beschwerden im Sinne eines „Drückgefühles“ an der Wade im Stehen. Die klinische Untersuchung zeigte eine gut abgegrenzte, leicht verschiebbare Weichteilmasse. Sonographisch stellte sich eine ca. 
4 x 4 cm große, relativ homogene, echoarme, abgekapselte Raumforderung dar (Abb. 1). Der Patient wurde zur ambulanten chirurgischen Entfernung aufgeklärt.

Vor der Hautinzision wurde eine Lokalanästhesie des betroffenen Bereichs durchgeführt (insgesamt 25 ml Bucain® 2 %, fraktioniert). Der Patient klagte jedoch weiterhin über Schmerzen. Um den Komfort des Patienten während des Eingriffs zu gewährleisten, wurde eine Sedierung mit Propofol eingeleitet.

Intraoperativ präsentierte sich die vermutete Lipom-Masse als hart-elastisch und weiß-gelblich. Der Befund war anatomisch mit einem Neurinom des Nervus suralis vereinbar. Die Struktur wurde vollständig entfernt und zur histologischen Untersuchung eingesandt. Diese bestätigte die intraoperative Verdachtsdiagnose eines Schwannoms. Es zeigten sich typische histologische Merkmale eines gutartigen peripheren Nerventumors. Die Exzision erfolgte im Gesunden. Postoperativ wurde eine MRT-Untersuchung des Beins ohne pathologischen Befund durchgeführt.

Der postoperative Verlauf verlief komplikationslos. Der Patient berichtete über eine deutliche Linderung der vorherigen Beschwerden und zeigte sich mit dem ästhetischen Ergebnis zufrieden. Direkt nach der Operation klagte der Patient über Hypo­ästhesie am lateralen Fuß, die innerhalb eines Monats abklang. Der Patient wurde zur weiteren Untersuchung an die Neurochirurgie überwiesen. Zudem wurde eine genetische Beratung empfohlen. Eine regelmäßige Nachsorge wurde angesetzt, um eventuelle Rezidive oder Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Diskussion

Ein Schwannom ist ein benigner Tumor aus den Schwannzellen des Nervensystems. Ein Schwannom des Nervus suralis ist extrem selten. Nach unserem Kenntnisstand wurden bisher nur vier Fälle publiziert (1–4).

Schwannome sind typischerweise am Kopf oder Hals lokalisiert mit einer Prädilektion für den Nervus vestibularis. Eine maligne Transformation in ein MPNST (malignant peripheral nerve sheath tumor) ist sehr selten. Histologisch präsentieren sich Schwannome mit zwei alternierten Patterns (Antoni A und B). Sie sind immunohistologisch positiv für S100- und SOX100-Protein (5).

Das Vorhandensein eines Schwannoms gehört zu den diagnostischen Kriterien einer Neurofibromatose (NF) oder einer Schwannomatose (6). Bei unserem Patienten waren die diagnostische Kriterien für NF1, NF2 und Schwannomatose nicht erfüllt.

Die intraoperative Diagnosestellung eines Neurinoms kann herausfordernd sein, insbesondere wenn klinische und bildgebende Befunde nicht eindeutig sind. In diesem Fall war die Histologie entscheidend für die korrekte Diagnose und Therapieplanung.

Die Verwendung von Propofol zur Sedierung während des Eingriffs war notwendig, um den Patientenkomfort zu erhöhen und die Schmerzintensität zu reduzieren. Eine individuell angepasste Schmerztherapie ist wichtig, um eine optimale Versorgung des Patienten zu gewährleisten. Nach unserer Erfahrung ist eine Exzision ausschließlich mit lokaler Anästhesie nicht zumutbar. Mögliche Folge bei der Exzision eines peripheren Neurinoms ist eine lokalisierte Hypoästhesie, die in unserem Fall rasch zurückging.

Fazit

Dieser Fallbericht betont die Bedeutung einer sorgfältigen Diagnosestellung und intraoperativen histologischen Untersuchung bei der Behandlung von Weichteiltumoren. Die korrekte Diagnose und Therapieplanung sind entscheidend für den postoperativen Verlauf und das Langzeitüberleben der Patienten.
 

Literatur


1.    Bilenki JM, Platt S. Sural nerve schwannoma: A case report. Foot (Edinb). 2020;45:101746. doi: 10.1016/ j.foot.2020.101746. PMID: 33017702.
2.    Pundu  A, Lehnert B. Schwannoma of the Sural Nerve: A Case Report. J Am Podiatr Med Assoc. 2020;110(3):Article_12. doi: 10.7547/17-156. 
3.    El Ghazoui A, Allaoui M, El Asraoui L, Zaddoug O. Unusual presentation of lateral sural cutaneous nerve schwannoma: An exceptional case report. Int J Surg Case Rep. 2022;90:106603. doi: 10.1016/j.ijscr.2021.106603. 
4.    Yamamoto K, Nishio J, Yano S, Naito M. Solitary schwannoma of the sural nerve: An unusual clinical presentation. Exp Ther Med. 2014;7(1):90-92. doi: 10.3892/etm.2013.1395. 
5.    Belakhoua SM, Rodriguez FJ. Diagnostic Pathology of Tumors of Peripheral Nerve. Neurosurgery. 2021;88(3):443-456. doi: 10.1093/neuros/nyab021. 
6.    Farschtschi S, Mautner VF, McLean ACL et al. The Neurofibromatoses. Dtsch Arztebl Int. 2020;117(20):354-360. doi: 10.3238/arztebl.2020.0354.   

Autoren

F. Lombardi, N. Jawadi
VENperfect Zentrum für Gefäßmedizin, Düsseldorf

Korrespondenzadresse
Dr. mag. Francesco Lombardi
VENperfect Zentrum für Gefäßmedizin
Luise-Rainer-Str. 6-10, 40235 Düsseldorf
lombardifrancesco(at)icloud.com