Warum setzten sich invasive Lasersysteme für die Haartransplantation nicht durch?
- Lasersysteme benötigen besondere Schutzvorkehrungen für Behandelnde und Patienten (Raumausstattung, Brillen, Absaugsysteme, allgemein gefühltes Unbehagen.
- Finanzieller Aspekt: Anschaffung, Wartung, Entsorgung, Upgrades.
- Die Vor- und Nachbereitung ist zeitintensiv, das Anpassen der Einstellungen oft umständlich.
- Hinzu kommt eine akustische Belastung und
- eine partielle Kontamination der Luft trotz Absaugung, besonders beim Er:YAG-Laser.
Die Bedeutung der invasiven Laser für die Haartransplantation hat wegen der generell überwiegenden Nachteile nach nur wenigen Jahren stark abgenommen. Heute gilt die Laser-assistierte Haartransplantation (LAAHT) als Außenseitermethode.
Nichtinvasive Low-Level-Laser-Therapy (LLLT)
Bereits in den 1960er Jahren experimentierte ein ungarischer Chirurg, Dr. Endre Mester, mit Laserlicht. Er entdeckte die biostimulierenden Wirkungen von schwachem Laserlicht auf Gewebe. Als er einen rubinroten Laserstrahl von 694 nm auf den Rücken rasierter Mäuse leitete, stellte er ein schnelleres Nachwachsen der Haare fest. Er gilt seitdem als Pionier der Low-Level-Laser-Therapy (LLLT)2. Seitdem wurde in über 100 randomisierten, kontrollierten Studien schwaches Laserlicht untersucht und bei vielen Erkrankungen und Modalitäten eine Wirkung nachgewiesen3.
Ironischerweise sind aber beim Nachweis der stimulierenden Wirkung auf den Haarwuchs bei an AGA erkrankten Patientinnen und Patienten noch viele Fragen zur tatsächlichen Wirksamkeit auf diesem Gebiet offen – besonders, weil es sich beim Diodenlicht um nichtkohärentes Licht handelt (LED). Wegen der zwar geringen Streuung, vor allem aber wegen des Auftrittswinkels, der nicht immer 90 Grad beträgt, und wegen des Abstandsgesetzes (Arndt-Schultz-Gesetz) ist unklar, ob die Biostimulation überhaupt bis an die Haarwurzelzellen vordringen kann und ob deshalb die LLLT im therapeutischen Level immer wirksam ist.
Eine wirksame Biostimulation kann nur eintreten, wenn das Licht mit der richtigen Dosis sein Ziel erreicht. Allein durch Haarfarbe (stark absorbierendes Element Eumelanin), Haarlänge und variablen Abstand der Lichtquellen zum Erfolgsorgan wird Energie reduziert2. Deshalb sind vielleicht Lichtquellen, die über die Fläche beweglich sind (Laserkamm) und eine fast kahl rasierte Kopfhaut ein besserer Therapieansatz.
In den Jahren 2013 bis 2014 gab es mehrere Studien zur Wirksamkeit von LED-Licht bei AGA des Mannes und der Frau. Keine Studie konnte nach der kurzen Anwendungsdauer von 26 Wochen oder weniger eine Stagnation des Haarausfalls nachweisen. Die Messungen der Follikelgruppendichte bei der Nachkontrolle waren mit zu großer Fehlermöglichkeit behaftet, weil nur ein Tattoopunkt als Orientierung galt und bereits bei Nachmessen und Verschieben um 1 mm eine positive oder negative Differenz gezählt werden konnte. Auch ein Überlappen zu lang gelassener Haare kann zu Ungenauigkeiten beim Zählen der Follikelgruppen führen. Und keine der Studien befasste sich mit der Frage, ob ein therapeutisches Fenster zur Biostimulation der Haarzellen erreicht wurde1,3-5.
Demzufolge sind die Untersuchungen zur Wirksamkeit aktueller LLLT-Geräte mit Einschränkungen behaftet, besonders, was die Bewertungsmethode zur Förderung des Haarwuchses betrifft. Auch die dazu gehörende Fotodokumentation ist nicht eindeutig bzw. fehlt.
Die LLLT ist eine Alternative zu anderen konservativen Behandlungsansätzen. Sie kann bei regelmäßiger Anwendung sowie durch mögliche Aktivierung der Selbstheilungskräfte eine Verzögerung des Haarausfalls bewirken, solange sich dieser im Initialstadium befindet. Nicht mehr und nicht weniger.
Die LLLT wird in Form von Baseballkappen, flexiblen Haarbändern und Laserkämmen offeriert. Die Zahl der einzelnen Laser-/ Diodenlämpchen, die Dosis, die Arbeitsfrequenz und die Verarbeitung des Produktes bestimmen den Preis, der drei- bis vierstellige Eurobeträge erreicht (Abb. 5).
Preiswerte medikamentöse oder technische Alternativen wie lokale Wärmeapplikation (Rotlicht) sind verfügbar. Neben diesen möglichen Alternativen wirkt der Laser auf Laien sicher am beeindruckendsten.