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Praxis HörBar

Praxis-Websites barrierefrei gestalten – Teil 1

Thema dieser zweiteiligen Interview-Serie: Barrierefreie Praxis-Websites. Der erste Teil behandelt die Bedeutung der digitalen Barrierefreiheit für Patientinnen und Patienten und welche Personen von barrierefreien Websites profitieren können.


18.11.2024
Julian Aldinger
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Barrierefreie Praxis-Websites – Podcast-Shownotes

„Analoge“ Maßnahmen zur Barrierefreiheit sind meist bekannt: Rampen, Handläufe, Braille-Aufdrucke, etc. Doch auch am digitalen Leben sollen Personen mit Behinderung teilnehmen können. Gerade für ärztliche Praxen ist hier die Praxis-Website zu nennen, auf die auch diejenigen zugreifen können sollten, die von körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung betroffen sind. 

Was können hier Barrierefreie Praxis-Websites leisten und worauf sollte geachtet werden? Wer genau profitiert schlussendlich von der Barrierefreiheit der Website? 

Diese und weitere Fragen besprechen wir der ersten Folge unserer zweiteiligen Podcast-Reihe mit Katrin Burek, die sich im Bereich der Barrierefreiheit von ärztlichen Praxis-Websites beruflich spezialisiert hat. 

Ein Transkript der Folge finden Sie weiter unten

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Hier geht's zur zweiten Folge!


Literatur:
1 Fast die Hälfte aller Praxen besitzt zumindest eine Maßnahme zur Verringerung von Barrieren: Stiftung Gesundheit. (2023). Barrierefreiheit in ambulanten Arztpraxen: Status Quo 2023. Analyse der ambulanten Versorgungslandschaft auf Basis des Strukturverzeichnisses der Versorgung.

Interviewpartnerin

Katrin Burek
Gründerin von MEDIANUA
Menschen erreichen.

www.medianua.de 

Barrierefreie Praxis-Websites – Teil 1 – Podcast-Transkript

Hallo liebe Hörerinnen und Hörer, und herzlich willkommen in unserem Podcast Praxis Hörbar. Mein Name ist Julian Aldinger und in unserer zweiteiligen Interview-Serie habe ich mit Katrin Burek gesprochen. Sie hat sich im Bereich der Barrierefreiheit von ärztlichen Praxis-Websites beruflich spezialisiert und bringt uns in unserem ersten Teil die Bedeutung von barrierefreien Praxis-Websites näher.

Rampen, Aufzüge, Bodenleitsysteme und so weiter. Laut der Stiftung Gesundheit nutzte 2023 fast die Hälfte aller ärztlichen, zahnärztlichen und psychotherapeutischen Praxen zumindest eine Maßnahme zur Verringerung von Barrieren.1 Neben diesem Aspekt der Barrierefreiheit in der analogen Welt gilt es aber auch in der digitalen Welt, Barrieren zu vermeiden. Und das sei wichtig, damit Personen mit gewissen körperlichen oder mentalen Beeinträchtigungen auch am digitalen Leben teilnehmen können, meint Katrin Burek, Gründerin von MEDIANUA.

Katrin Burek: Ich bin Katrin Burek und ich habe mein Unternehmen MEDIANUA gegründet. Mit dem möchte ich die Gesundheitsbranche ein bisschen zugänglicher machen und ich bitte Dienstleistungen in der digitalen Barrierefreiheit für Praxen jeder Art im Gesundheitswesen an, das heißt, ich prüfe Websites auf Barrierefreiheit und ich unterstütze natürlich auch dabei, Barrierefreiheit umzusetzen und entwickle barrierefreie Praxis-Websites.

Mit ihr habe ich über die Notwendigkeit, die rechtlichen Verpflichtungen, aber auch den Nutzen zur Außenwirkung der eigenen Praxis sowie mögliche Finanzierungshilfen gesprochen.

Barrierefreiheit ist ein sehr wichtiges Thema und man kennt das vor allem eben im analogen Leben, also Rampen und so weiter. Wieso ist es denn auch im digitalen Leben wichtig, eine Barrierefreiheit herzustellen?

Katrin Burek: Ja, Sie haben gerade schon ganz richtig gesagt, so im analogen Leben, im echten Leben, da ist Barrierefreiheit inzwischen bekannter, natürlich immer noch dringend ausbaufähig, aber zumindest sowas wie Rampen sind eben schon bekannt. Rampen, die ermöglichen Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen, Rollator und so weiter den Zugang zu einem Gebäude oder irgendetwas anderem. Und genauso gibt es eben auch im digitalen Raum Barrieren. Wir übersehen das relativ häufig; Wir, die einigermaßen gesund sind, die vielleicht Barrieren zwar sehen, aber sie als nervig, aber überwindbar, bezeichnen oder erfassen. Aber es gibt eben auch Barrieren, die für bestimmte Personengruppen nicht überwindbar sind, und das sehe ich auch ganz häufig so in meinem Arbeitsalltag, wenn ich mit Ärztinnen und Ärzten spreche.

Wie ist denn das Bewusstsein für digitale Barrierefreiheit bei Ärztinnen und Ärzten?

Katrin Burek: Denen ist digitale Barrierefreiheit in der Regel erst mal komplett unbekannt und das ist auch völlig normal. Den meisten Menschen in Deutschland, das ist noch völlig unbekannt. Und wenn ich dann langsam so erzähle, für welche Personengruppen das sinnvoll ist und was Barrieren sind, dann kann ich ganz häufig diesen einen Augenblick erkennen, wenn wirklich der Groschen fällt. Wenn so ein Erkennen auf das Gesicht meines Gegenübers sich schleicht und ich sehe: ja, da geht jemandem gerade tatsächlich ein Licht auf. Und das eindrücklichste Beispiel ist natürlich die Blindheit. Da können wir ganz schnell erfassen: meine Website kann von einer Person, die blind ist, nicht gesehen werden. Man kann dieser blinden Person die Website aber trotzdem problemlos zugänglich machen, also so, dass sie alle Informationen erfassen kann, dass sie mit der Website interagieren kann, genauso wie eine sehende Person auch. Das geht aber eben nur, wenn die Website barrierefrei ist.

Eine gewisse Unkenntnis zur digitalen Barrierefreiheit ist also ganz normal und verständlich. Man kann Ärztinnen und Ärzten also keine fehlende Weitsicht vorwerfen. Das berichtet auch die Stiftung Gesundheit. So verfügten 2023 fast die Hälfte aller ambulanten Arztpraxen über mindestens eine Vorkehrung, die Barrieren abbaut oder vermeidet, nur eben vor allem in analoger Hinsicht. In digitaler Hinsicht reicht es jedoch nicht aus, nur an Einschränkungen wie Blindheit zu denken. Viel mehr Personen können von barrierefreien Websites profitieren, wie mir Katrin Burek erklärt.

Sie haben jetzt auch schon blinde Personen hervorgehoben. Welchen Personengruppen kommt denn insgesamt eine barrierefreie Website zugute?

Katrin Burek: Eine Barrierearme oder barrierefreie Website kommt ganz verschiedenen Personengruppen zugute, und zwar mehr Personengruppen, als man meistens auf den ersten Blick so annimmt. Menschen mit körperlichen Behinderungen wie verschiedensten Arten von Sehbehinderung, Blindheit eben, aber auch Farbsehschwächen, geschwächte Kontrastwahrnehmung oder auch mit motorischen Einschränkungen, MS (Multiple Sklerose), Parkinson, Lähmungen. Ältere Personen sind da genannt, deren Seh- und Hörfähigkeit und auch Motorik häufiger natürlicherweise mit dem Alter nachlassen; die gehören definitiv dazu. Dann auch Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder mit Autismus, mit ADHS. Barrierefreiheit bedeutet aber auch, dass wir auf gewisse Reize verzichten, wie zum Beispiel Flackern oder ständige Bewegungen, damit wir verhindern, dass Epilepsie oder Migräneanfälle ausgelöst werden. Dann sind auch affektive Störungen zu nennen.

Also affektive Störungen wie beispielsweise Depressionen. Was kann hier denn eine barrierearme Website leisten?

Katrin Burek: Das ist auch sowas, wenn ich sage: Barrierefreiheit ist ganz wichtig für Menschen mit Depressionen. Dann werde ich meistens erstmal mit großen Augen angeschaut. Aber wenn man sich da vorstellt: ich befinde mich wirklich in einer schwer depressiven Phase, ich kann praktisch nichts mehr machen, weil das eben die Krankheit ist, und auch meine kognitiven Fähigkeiten sind verlangsamt. Und jetzt kriege ich es irgendwie hin, mich vielleicht online über meine Krankheit zu informieren oder sogar über Hilfsangebote, und dann stoße ich aber auf zig Barrieren:die Website ist unübersichtlich, der Link funktioniert nicht, das Kontaktformular beim Absenden hat irgendwas zu meckern, aber sagt mir nicht genau was, ich muss zig mal klicken um an mein Ziel zu gelangen. Dann können das in der Situation alles Barrieren sein, die dazu führen, dass ich die Suche  nach Hilfe in dem Moment einfach erfolglos abbreche.

Also können tatsächlich sehr viele Personen von einer barrierearmen Website profitieren.

Katrin Burek: Diese Aufzählung bis hierhin ist ganz sicher nicht vollständig, aber was mir da noch ganz wichtig ist, ist zu erwähnen, dass wir letztendlich alle von Barrierefreiheit profitieren. Da hatte ich kürzlich vor wenigen Wochen mal wieder eine Situation, wo es mir selbst  so ging. Da saß ich im Wartezimmer bei meiner Hausärztin und musste eine Weile warten.Das Wartezimmer war voll und ich habe, wie das halt so ist, am Handy rumgespielt und wollte gerne ein Video gucken, hatte aber keine Kopfhörer dabei. Ich wollte auch die Mitpatienten im Wartezimmer nicht belästigen durch den Ton. Jetzt hatte aber dieses Video dankenswerterweise einen Untertitel – ein Aspekt der Barrierefreiheit. Und so konnte ich dann dieses Video ansehen, obwohl ich normalerweise den Ton auch hören kann. Da kann man so ganz grob sagen – das ist eigentlich immer ein ganz schöner Richtwert dabei –, dass digitale Barrierefreiheit für 10% der Bevölkerung wirklich unerlässlich ist. Für circa 30% notwendig, aber volle 100% der Bevölkerung profitieren davon.

Am Ende kommt digitale Barrierefreiheit also allen zugute. So viel zur Bedeutung der digitalen Barrierefreiheit in unserem ersten Teil der Interviewreihe mit Katrin Burek. Herzlichen Dank, Frau Burek, für ihre Zeit und für ihre anschaulichen Einblicke, wie wichtig es ist, dass alle – unabhängig von Fähigkeiten oder Einschränkungen – Zugang zu medizinischen Informationen haben.

Bleiben Sie gerne dran, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. In unserer 2. Folge der Interviewreihe mit Frau Burek werden wir uns mit den rechtlichen Verpflichtungen, den Vorteilen für ihre eigene Praxis und möglichen Finanzierungshilfen beschäftigen. Wir freuen uns, mit Ihnen gemeinsam die Welt der Medizin und der ärztlichen Praxis mit unserem Podcast nun auch akustisch erschließen zu können. Ich wünsche Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, noch einen schönen Tag und freue mich auf die nächste Folge unserer Praxis. Hörbar. Bis zum nächsten Mal. 

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