Wie lange wachsen transplantierte Haare, warum fallen manche wieder aus?
In der Regel produzieren transplantierte Haarwurzelzellen permanent, also lebenslang, neuen Haarwuchs. Voraussetzung dafür ist die Entnahme der Wurzeln aus dem Haarkranz, also den kaudalen Regionen der behaarten Kopfhaut. Diese werden stammesgeschichtlich der Körperbehaarung zugerechnet und sind gegen eine vererbte Empfindlichkeit auf Dihydrotestosteron (DHT) unempfindlich. Auch Körperhaare aus Brust- oder Bartregion wachsen permanent. Werden Haarwurzeln aus Gebieten entnommen, die mit zunehmendem Alter kahl werden, dann produzieren diese Haarwurzeln nur zeitlich begrenzt Haarwuchs. Auch bei der Transplantation beschädigte Haarwurzeln können unter Umständen nur einen Zyklus Haarwuchs produzieren und stellen dann ihre Tätigkeit ein.
Werden Haartransplantate auch in Narben anwachsen und Haare produzieren?
Ja, auch Narbengebiete verschiedener Art können wieder mit Haarwurzeln aufgefüllt werden. Je besser die Durchblutung im Narbengebiet, desto besser wird der zu erwartende Haarwuchs sein. Bei großen Narbenflächen kann es zentral, ähnlich dem Prinzip der letzten Wiese, zu Durchblutungsstörungen kommen. Der Haarwuchs bleibt dort aus. Wegen des sogenannten Trainingseffekts kann eine Zweitbehandlung, kombiniert mit einer allgemeinen Verdichtung, zu vollständigem Haarwuchs führen. Deshalb soll bei Transplantation in Narben die Zweitoperation immer vorab einkalkuliert werden.
Ist eine Haartransplantation bei narbigen Alopezien der Kopfhaut sinnvoll?
Erkrankungen der Kopfhaut sind unter anderem die frontal fibrosierende Alopezie (FFA), Lupus erythematodes (LE) und Lichen planopilaris (PPL). Wenn diese Krankheiten medikamentös therapiert und stabilisiert sind, ist eine Haartransplantation möglich. Die Betroffenen sind besonders dankbar, denn in der Regel produzieren die Transplantate, anders als erwartet, permanent Haarwuchs. Rezidive o. g. Erkrankungen sind zu vermeiden, indem Lokalbefunde kontrolliert und frühzeitig therapiert werden. Denn sie können schlimmstenfalls zu erneutem Haarverlust führen. Nach mehreren Jahren kann es bei den genannten Krankheiten zu erneutem Haarausfall im Behandlungsgebiet kommen. Die Betroffenen sind trotzdem sehr dankbar für die temporäre Verbesserung und können bei guter Spendersituation eine erneute Haartransplantation durchführen lassen.
Ist bei Alopecia areata eine Haartransplantation indiziert?
Solange es sich um ein akutes Stadium handelt, ist medikamentöse Behandlung die erste Wahl. Hier haben sich gerade in letzter Zeit vielversprechende neue Therapieoptionen eröffnet. Ist die Areata nach 2 Jahren Therapie „ausgebrannt“, monofokal bzw. im behaarten Kopf umschrieben klein, dann ist eine Haartransplantation auf eigenes Risiko möglich. Etwa 50 Prozent der transplantierten Patienten erliegen einem Rezidiv.
Kann man Körperhaare transplantieren?
Die „Body Hair Transplantation“ (BHT) kann ergänzend bei Mangel an Haarwurzeln der normalen Spenderregion durchgeführt werden (z. B. AGA Typ 7). Körperhaare sind immer dann optisch wirksam, wenn ihre Struktur dem normalen Spenderhaar ähnelt. Die Einzelentnahme ist dort besonders gut zu handhaben, wo weiche Unterhautverhältnisse herrschen, also im Bartbereich hinter dem Kinnvorsprung und im Brustbereich. Rückenhaar und auch Flaumhaar der Extremitäten ist schwer entnehmbar und sehr selten für eine BHT geeignet. Körperhaare eignen sich zu einer allgemeinen Verdichtung im Ober- und Hinterkopfbereich, jedoch nicht zur Rekonstruktion des Haaransatzes.
Kann man Haarwurzeln zur Rekonstruktion der Bartbehaarung oder der Augenbrauen nutzen?
Ja, das ist möglich. Bei Bartrekonstruktionen kann man Spenderhaarwurzeln aus gleicher Region benutzen oder auch klassisch aus dem hinteren oder seitlichen Haarkranz entnehmen. Für Rekonstruktionen der Augenbrauen benutzt man in der Regel Haarwurzeln aus dem Nackenbereich, weil diese der Struktur der Augenbrauen ähneln. Es gilt zu beachten, dass wegen des programmierten Längenwachstums die neuen Haare zwei Mal pro Woche gestutzt werden müssen.
Wer darf in Deutschland Haartransplantationen durchführen?
Nach deutschem Gesetz muss jede invasive Tätigkeit am Menschen, z. B. die Haut eröffnen, durch eine(n) approbierte(n) Arzt oder Ärztin erfolgen. Eine Ausbildung in einem operativen Fach ist hilfreich und wünschenswert. Wichtig ist ein gut trainiertes Operationsteam, denn allein kann eine umfangreiche Transplantation nicht bewältigt werden. Ärztinnen und Ärzte sollten sich ggf. auf diese Art Eingriff spezialisieren, also nationale und internationale Workshops mit „hands-on-training“ absolvieren. Eine längere Hospitation bei einem erfahrenen „Haarchirurgen“ ist hilfreich bei der Entscheidung für oder gegen dieses Spezialgebiet. Für „Neuorientierung“ im fortgeschrittenen Lebensalter trifft allerdings oft der Spruch zu: „Schuster bleib bei deinem Leisten“. Denn die Neuorientierung erfordert etwa 5 Jahre für manuelles Training sowie für Personalstrukturierung, Adaptieren der räumlichen Strukturen und geeignetes Equipment.
Wie sind in Deutschland tätige „Spezialistenteams“ aus dem Ausland einzuschätzen?
Gelegentlich wird von Patientinnen und Patienten berichtet, dass Haartransplantationen durch aus dem Ausland speziell angereiste Spezialistenteams durchgeführt werden. Meist stehen dahinter rein pekuniär orientierte Gesellschaften, die Ärzte und Hilfskräfte ohne Lizenz und Approbation für Deutschland hier arbeiten lassen. Das ist kein Kavaliersdelikt und kann zu straf- und standesrechtlichen Konsequenzen für den deutschen „Gastgeber“ führen.
Wo kann man sich profunder informieren?
Die größte internationale ärztliche Vereinigung auf diesem Gebiet ist die International Society of Hair Restoration Surgery,
www.ISHRS.org . Die Aufnahmekriterien sind im Internet abrufbar. Außerdem gibt es auch in Deutschland eine kleinere fachärztliche Vereinigung, die sich auf Haartransplantationen spezialisiert hat: der Verband Deutscher Haarchirurgen, www.vdhc.de .