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Disease-Management-Programm für pAVK – sinnvolle Maßnahme zur Optimierung von Behandlungspfaden in der ambulanten Versorgung?

Ein Disease-Management-Programm (DMP) für pAVK wurde im Rahmen einer Onlineumfrage  bei ambulant behandelnden Ärzten von 75 % der Teilnehmenden als sinnvoll betrachtet. Die gezielte Implementierung eines DMPs könnte die Versorgungssituation von pAVK-Patienten optimieren.
 


08.11.2024
J. Meier
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(6): 204-205

Zusammenfassung

Aufgrund des demografischen Wandels sowie der steigenden Behandlungskosten stellt die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) als chronische Erkrankung eine zunehmende Herausforderung des Gesundheitssystems dar. Es existieren bereits Disease-Management-Programme (DMP) für chronische Erkrankungen mit dem Ziel, sowohl Unter- als auch Überversorgungen zu vermeiden und eine optimale Behandlung mit gesicherten Qualitätszielen anbieten zu können. Ein DMP für pAVK wurde im Rahmen einer Onlineumfrage von 75 % der teilnehmenden Personen als sinnvolle Maßnahme betrachtet. Die gezielte Implementierung eines DMPs könnte die weiterführende Behandlung von pAVK-Patientinnen und -Patienten erleichtern und die Versorgungssituation optimieren.

Schlüsselwörter: pAVK, Disease-Management-Programm (DMP), ambulante Versorgung

Einleitung

Atherosklerose ist die Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wird durch Risikofaktoren wie erhöhten Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, Zigarettenrauchen und Diabetes mellitus begünstigt. Eine frühzeitige Identifikation und Modifikation dieser Faktoren ist entscheidend, um schwerwiegende Folgen zu verhindern. Reineckes Studie von 2015 zur stationären Versorgung von pAVK-Patientinnen und -Patienten ergab, dass mit dem Progress der pAVK sowohl die Dauer als auch die Kosten der stationären Behandlung steigen (4). 

Gegenstand dieser Untersuchung ist die Frage, ob Prävention, Früherkennung und effektive Behandlung von pAVK-Erkrankten durch die Implementierung eines DMP für pAVK verbessert werden können.

Material und Methoden

Es wurde zunächst eine Literaturrecherche zur aktuellen ambulanten Versorgungssituation von pAVK-Patienten durchgeführt. Anhand eines Online-Fragebogens wurde ein Meinungsbild von ambulant behandelnden Ärztinnen und Ärzten erstellt sowie ein DMP für pAVK entworfen. 

Ergebnisse

Es konnte gezeigt werden, dass die Verschreibungsrate von Medikamenten zur Sekundärprophylaxe wie Thrombozytenaggregationshemmer oder Statine nicht den Anforderungen der Leitlinie entspricht (1). Darüber hinaus wurde aufgezeigt, dass Frauen mit pAVK häufiger in fortgeschrittenen Stadien vorstellig werden, was zu einer erhöhten Amputationsrate führt (3). Es wurde eine eigenständige Onlineumfrage in den Fachgruppen Allgemeinmedizin, Angiologie und Gefäßchirurgie durchgeführt, um das Meinungsbild des ambulanten Versorgungssektors zu 
erfassen.

In Bezug auf die Zufriedenheit der Versorgungssituation von pAVK-Patientinnen und -Patienten gaben etwa 25 % an, eher oder sehr zufrieden zu sein.  Als eindeutigen Trend äußerten ca. 90 % der teilnehmenden Personen, dass es eher oder sogar sehr sinnvoll erscheint, pAVK-Erkrankte z. B. im Rahmen von Informationsveranstaltungen gesundheits- bzw. krankheitsspezifisches Wissen und Kompetenzen zu vermitteln (Abb. 1). Etwa 70 % würden weitere Untersuchungen für pAVK anbieten, sofern diese vergütet würden, und ca. 75 % hielten ein DMP für pAVK für sinnvoll. 

Für jedes DMP existiert sowohl ein indikationsübergreifender als auch ein spezifischer Dokumentationsbogen. Ein Dokumentationsbogen für pAVK könnte z. B. neben Anamnese und klinischer Untersuchung, die Überprüfung der Medikation, Angebote für Patientenschulungen oder Planung weiterer diagnostischer Maßnahmen beinhalten.  Ein Beispiel für einen Dokumentationsbogen finden Sie hier. Dieser Dokumentationsbogen beinhaltet neben Anamnese und klinischer Untersuchung z. B. die Prüfung der Medikation, Angebote für Patientenschulungen oder Planung weiterer diagnostischer Maßnahmen. Ein DMP-Programm für pAVK kann die Rahmenbedingungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erfüllen.

Diskussion

DMP sind strukturierte Behandlungsprogramme, die durch regelmäßige Untersuchungen, koordinierte Betreuung und Schulungen zu einer besseren Versorgung beitragen. Eine Literaturrecherche zeigte Optimierungsmöglichkeiten für die Therapie von pAVK-Patientinnen und -Patienten. In einer Onlineumfrage im ambulanten Sektor wurde Unterstützung für ein DMP für pAVK signalisiert.  Aufgrund einer geringen Teilnehmerzahl erfolgte die Auswertung rein deskriptiv. Um die Bedeutung eines DMP für pAVK im ambulanten Ber-eich zu bewerten, wäre eine größere Umfrage nötig. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil besteht in der Evaluation der Patientenperspektive. Hierfür könnten Umfragen zur Lebensqualität von pAVK-Erkrankten analysiert werden, wie sie beispielsweise vor dem Kontext der zunehmenden Digitalisierung durchgeführt worden sind (2). 

Beispiel für einen Dokumentationsbogen

Der Beitrag beruht auf einem Vortrag auf der 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin in Karlsruhe am 09.–12.10.2024.

Literatur
  1. Gitt, AK, Juenger C, Jannowitz C et al. Guideline-oriented ambulatory lipid-lowering therapy of patients at high risk for cardiovascular events by cardiologists in clinical practice: the 2L cardio registry. Eur J Cardiovasc Prev Rehabil 2009;16(4):438-44.  https://doi.org/10.1097/HJR.0b013e32832a4e25
  2. Lortz J, Simanovski J, Kuether T et al. Needs and Requirements in the Designing of Mobile Interventions for Patients With Peripheral Arterial Disease: Questionnaire Study. JMIR Form Res. 2020;4(8):e15669. doi: 10.2196/15669. PMID: 32663154; PMCID: PMC7435621.
  3. Messiha, D, Petrikhovich O, Lortz J et al. Gender Differences in Outpatient Peripheral Artery Disease Management in Germany: A Population Based Study 2009-2018. Eur J Vasc Endovasc Surg. 2022;63(5):714-720. doi: 10.1016/j.ejvs.2022.02.007. Epub 2022 Feb 14. PMID: 35450775.
  4. Reinecke H, Unrath M, Freisinger E et al. Peripheral arterial disease and critical limb ischaemia: still poor outcomes and lack of guideline adherence. Eur Heart J. 2015;36(15):932-8. doi: 10.1093/eurheartj/ehv006. PMID: 25650396.
Autorin

Dr. med. Julia Meier, MBA
Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg Straße 1, 30625 Hannover
Meier.julia.httg(at)mh-hannover.de