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vasomed 6/24

Erysipel

Das Erysipel ist eine akute bakterielle Infektion der Haut und des Unterhautfettgewebes unter Beteiligung der Lymphgefäße, meist ausgelöst durch ß-hämolysierende Streptokokken (1, 2). Das Erysipel ist eine der häufigsten Hautinfektionen mit einer Inzidenz von ca. 200/100.000 Erwachsene pro Jahr.


08.11.2024
F. Pannier
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ZITIERWEISE: VASOMED 2024; 36(6): 220

Klinisches Bild

Klinisch imponiert eine meist scharf begrenzte Rötung mit lokalen Schmerzen und Ödem sowie Fieber und regionaler Lymphknotenschwellung (Abb. 1) (1, 2). Jede Körperregion kann betroffen sein, aber eine der häufigsten Lokalisationen sind die unteren Extremitäten. Ausgangspunkt der bakteriellen Infektion ist in der Regel eine Eintrittsstelle mit Hautdefekt. Im Bereich der Beine ist das oft der Zehenzwischenraum, evtl. im Rahmen einer Interdigitalmykose mit Mazeration (1, 2). 

Differentialdiagnostisch kommen andere entzündliche Erkrankungen und auch eine oberflächliche oder tiefe Beinvenenthrombose in Betracht (4). Die Ausbreitung der Infektion erfolgt meist über Lymphbahnen.

Neben der klassischen Verlaufsform, die nach Antibiotikagabe unproblematisch abheilt, kommen auch bullöse und nekrotisierende Verläufe vor (Abb. 2). Differentialdiagnostisch muss dann auch eine Phlegmone oder eine nekrotisierende Fasziitis in Betracht gezogen werden (4).

Bei schweren Verlaufsformen sollten begleitende Erkrankungen wie pAVK, chronische venöse Insuffizienz und Diabetes mellitus ausgeschlossen werden.

Durch das Erysipel kann es zur Schädigung der initialen und ableitenden Lymphbahnen kommen und nach Abheilung der Infektion kann sich ein persistierendes lymphatisches Ödem entwickeln. Ein vorbestehendes Lymphödem ist ein Risikofaktor für ein Erysipel. Das Erysipel ist eine häufige Komplikation des Lymphödems.

Im Blut findet sich meist eine Leukozytose sowie eine CRP- und BSG-Erhöhung.

Therapie

Therapie der Wahl ist in der Regel eine orale antibiotische Systemtherapie mit Penicillin V (3 x tgl. 1,2–1,5 Mio. IE für 10 Tage). Bei Penicillin-Unverträglichkeit oder Resistenz kommen andere Antibiotika (z. B. Clindamycin) in Betracht (1, 2, 5). Bei schweren Verlaufsformen ist eine intravenöse Antibiose indiziert.

Zusätzlich zur Antibiose sollte beim Erysipel im Extremitätenbereich eine Kompressionstherapie erfolgen (6, 7). Dies reduziert das Ödem, die Entzündung und die Schmerzhaftigkeit. Villefrance hat die begleitende Kompression schon 2017 empfohlen (7). Seit 2018 findet sich diese Empfehlung auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) (6).

Eder et al. konnten 2021 in einer retrospektiven Analyse zeigen, dass die Kompres­sion keine negativen Auswirkungen auf den Infektionsverlauf hat, wie früher befürchtet (3). Webb et al. konnten 2020 demonstrieren, dass bei Patienten mit Erysipel und Ödem die Rezidivrate des Erysipels hochsignifikant durch eine fortgeführte Kompressionstherapie gesenkt werden konnte (8).

Eine wichtige Maßnahme zur Rezidivprophylaxe ist auch die Sanierung der Eintrittspforte. Bei mazerierter Interdigitalmykose beinhaltet dies auch eine lokale antimykotische Therapie. Bei rezidivierendem Verlauf sollte auch eine prophylaktische Langzeit-Antibiose (z. B. Depotpenicillin oder Penicillin V in niedriger Dosierung) erwogen werden (5)

Literatur
  1. Caetano M, Amorin I. Erisipela [Erysipelas]. Acta Med Port. 2005;18(5):385-93. Portuguese. Epub 2005 Oct 16. PMID: 16611543.
  2. Chartier C, Grosshans E. Erysipelas: an update. Int J Dermatol. 1996;35(11):779-81. doi: 10.1111/j.1365-4362.1996.tb02971.x. PMID: 8915727.
  3. Eder S, Stücker M, Läuchli S, Dissemond J. Ist die Kompressionstherapie bei Erysipel des Unterschenkels kontraindiziert? Resultate einer retrospektiven Analyse [Is compression therapy contraindicated for lower leg erysipelas?  Results of a retrospective analysis]. Hautarzt. 2021;72(1):34-41. doi: 10.1007/s00105-020-04682-4. PMID: 32930854.
  4. Nast A, Zidane M. S1-Leitlinie Differentialdiagnose akuter und chronischer Rötungen im Bereich der Unterschenkel. AWMF-Register-Nr.: 013-100, Stand 2021.
  5. Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. (PEG). Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen - Update 2018. AWMF-Leitlinie Nr. 082-006. Stand 2017.
  6. Rabe E, Földi E, Gerlach H, Jünger M et al. S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), Phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK). AWMF-Register-Nr.: 037/005. Stand 2018.
  7. Villefrance M, Høgh A, Kristensen LH. [Compression is important in erysipelas treatment]. Ugeskr Laeger. 2017;179(41): V04170284. Danish. PMID: 28992840.
  8. Webb E, Neeman T, Bowden FJ et al. Compression Therapy to Prevent Recurrent Cellulitis of the Leg. N Engl J Med. 2020;383(7):630-639. doi: 10.1056/NEJMoa1917197. PMID: 32786188.
Autorin

PD Dr. med. Felizitas Pannier
Private Praxis Dermatologie & Phlebologie
Helmholtzstraße 4–6
53123 Bonn
info(at)dr-pannier.de