Tabak- und Nikotinprodukte: Interventionen in der hausärztlichen Praxis
Die ärztliche Praxis bietet ideale Voraussetzungen zur individualisierten Beratung und Begleitung rauchender Patientinnen und Patienten in die Tabak- und Nikotinabstinenz.
Rauchen ist die gefährlichste Form des Tabakkonsums und das bedeutendste vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland. Zigarettenrauchen verursacht in der Bundesrepublik mehr Todesfälle als AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammengenommen.1 14 % aller Todesfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und Atemwegserkrankungen sind tabakassoziiert. 2018 wurden 127.000 Todesfälle auf das Rauchen zurückgeführt.2 Starke Raucher verkürzen ihr Leben im Schnitt um 10 Jahre.3
Epidemiologe
Die kontinuierlich alle zwei Monate aktualisierte DEBRA-Studie, eine computergestützte Haushaltsbefragung (Daniel Kotz, Institut für Allgemeinmedizin der Universität Düsseldorf)4 weist aktuell eine Raucherquote der Bevölkerung Deutschlands von 30,7 % aus. 2023 rauchten in der Altersgruppe der 14 bis 17-Jährigen 14,9 %, in der Gruppe der 18 bis 24-Jährigen 37,6 % und bei den über 25-Jährigen gaben 34,4 % der Bevölkerung an, regelmäßig zu rauchen.4 Männer konsumieren häufiger und mehr als Frauen. Über die letzten Jahre war eine leichte Abnahme zu verzeichnen. Insbesondere Kinder und Jugendliche rauchen seltener als früher. Ein Trend, der sich allerdings während der Corona-Pandemie wendete, als die Konsumquoten gerade bei Jugendlichen wieder stark stiegen.4 Auch der Gebrauch der Wasserpfeife (Shisha) steigt bei Jugendlichen.5 Weitere rauchbare Tabakprodukte wie Zigarren und Pfeifentabak spielen eine untergeordnete Rolle, ebenso Schnupftabak oder andere Formen von Tabakpräparationen, aus denen Nikotin über die Mundschleimhaut resorbiert wird.
Der Konsum alternativer Nikotinabgabesysteme nimmt seit einigen Jahren auf noch niedrigem Niveau zu. Laut DEBRA-Studie konsumieren aktuell 1,8 % der Bevölkerung E-Zigaretten, wobei die Konsumquote bei den 14 bis 24 Jährigen höher ist als bei der älteren Bevölkerung.5 Tabakerhitzer werden von 0,6 % konsumiert.4 Die Nutzung von E-Zigaretten ist bei Rauchern höher als in der nichtrauchenden Bevölkerung. Aktuell konsumieren 4,7 % aller Raucherinnen und Raucher E-Zigaretten, 31,2 % haben sie bereits genutzt.4
Wirkungsweise der Tabak- und Nikotinprodukte
Verbrennungszigaretten
Verbrennungszigaretten bestehen aus geschreddertem und homogenisierten Tabak, der mit bis zu 500 Zusatzstoffen versetzt ist. Diese haben vorwiegend das Ziel, das Abhängigkeitspotenzial zu erhöhen und den Rauch attraktiver und leichter inhalierbar zu machen.2 Bei Wasserpfeifentabak können Zusatzstoffe wie Zucker, Aromen, Wasser und Feuchthaltemittel bis zu zwei Drittel des Gewichts ausmachen.2 Die abhängig machende Substanz ist das Alkaloid Nikotin, das an die nikotinergen Acetylcholinrezeptoren bindet. Nikotin gehört zu den am schnellsten abhängig machenden psychotropen Substanzen überhaupt. Es wird über die Mundschleimhaut, vor allem aber über die Lunge resorbiert und erreicht in 7 bis 15 Sekunden das Gehirn. Pro Zigarette werden etwa 1 bis 2 mg Nikotin aufgenommen.
E-Zigaretten
E-Zigaretten bestehen aus einem Akku, einem Verdampfer und einem Behälter für Flüssigkeit (Liquid), die vernebelt wird. Die aufzunehmende Nikotinmenge hängt vom Nikotingehalt im Liquid ab. Dadurch, dass das Nikotin in gelöster Form vorliegt, dauert es etwas länger, bis es seine Wirkung im Gehirn entfalten kann.
Allerdings arbeiten die Hersteller an der beschleunigten Freigabe, was das Abhängigkeitspotenzial der E-Zigarette derjenigen der Verbrennungszigarette mehr und mehr angleichen wird.
Tabakerhitzer
Tabakerhitzer beinhalten komprimierten Tabak, der auf bis zu 350 Grad C erhitzt wird. Als Trägersubstanz wird zumeist Glyzerin benutzt. Die Tabaksticks setzen etwa 0,5 mg Nikotin frei.2
Zentrale Wirkungen
Die Stimulierung des dopaminergen Systems ist ein bedeutsamer Faktor in jeder Sucht- und Abhängigkeitsentwicklung.
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Die wichtigsten zentralen Wirkungen des Nikotins sind die Steigerung der Vigilanz und des Konzentrationsvermögens, die Dämpfung des Hungergefühls und eine Stimmungsaufhellung. Nikotin wirkt wie alle Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial auf das sog. Belohnungssystem ein und führt zur Ausbildung eines „Suchtgedächtnisses“.
Auch für Nikotin konnte eine erhöhte Dopamin-Transmission im Mesolimbischen System, besonders im Nucleus Accumbens, nachgewiesen werden.6 Auch serotonerge, noradrenerge und andere Transmittersysteme werden beeinflusst.7 Nikotin wird überwiegend in der Leber zu Cotinin abgebaut. Seine Halbwertzeit beträgt 2 Stunden, bei regelmäßigen Rauchern wegen vermuteter Enzyminduktion in der Leber nur 30 bis 60 Minuten.1
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